Warum Apple und Google eine Bedrohung sind (sz.de)
17 April, 2012 - 22:50 by felixEine gute Ergänzung zum Interview mit der Tagesschau, das von einigen als zu optimistisch kritisiert wurde (und das mir, optimistisch!)
Eine gute Ergänzung zum Interview mit der Tagesschau, das von einigen als zu optimistisch kritisiert wurde (und das mir, optimistisch!)
So eben erschienen, ein neues Buch zur Aktualität der ersten Generation der Netzkulturen. Herausgeben von Clemens Apprich und mir.
Mitte der 1990er Jahre ist in Europa eine vielfältige Netzkultur entstanden. Während die US-amerikanische Szene den Cyberspace als Raum jenseits der Politik imaginierte, waren die europäischen Netzpioniere darauf bedacht, die Möglichkeiten des Internet für neue politische und kulturelle Initiativen in der realen Gesellschaft zu nutzen.
Anhand von Zeitdokumenten, aktuellen Textbeiträgen und Interviews geht dieser Band erstmals auf die kritische Haltung europäischer Netzkulturen ein. Die Beiträge liefern so wichtige Referenzpunkte zur Gestaltung unserer techno-kulturellen Gegenwart jenseits von Facebook und Google.
Inhaltsverzeichnis und Einleitung "Von Knoten zu Knoten"(pdf, 1.5mb)
Update: Eine Besprechung des Buchs durch Leonhard Dobusch gibt's auf netzpolitik.org (12.04.2012)
update II Buchbesprechung von Verena Pizzini in den Kulturrissen.
Soeben erschienen bei: european institute for progressive cultural policies
Die Krise des Urheberrechts, die wir in unzähligen Episoden tagtäglich erleben, ist im Grunde nichts Anderes als die Krise des fordistischen Produktionsmodells in den Kulturindustrien. Diese Krise ist aber dramatischer als in anderen Sektoren, denn nirgendwo sonst war dieses Modell so prägend für die Identität der bürgerlichen Gesellschaft, ist es so tief verankert in ihren gesellschaftlichen Institutionen oder reicht es so weit zurück. Nämlich bis 1452. Die Druckerpresse war eine fordistische Maschine avant la lettre in dem Sinn, dass sie es erlaubte, Produkte in kapital- und technologieintensiven, arbeitsteiligen Prozessen in grossen Stückzahlen für überregionale Märkte zu produzieren.
Das Fordistische Modell entsteht
Für die AutorInnen bedeutete das neue Modell, dass sie sich aus der feudalen Abhängigkeit von adeligen oder kirchlichen Würdenträgern lösen konnten. Sie mussten ihre Werke nicht mehr dem Ruhm und der Ehre ihres Gönners widmen. Stattdessen konnten sie für expandierende Märkte in Literatur und Wissenschaft produzieren, die von den VerlegerInnen organisiert wurden.
This text was written for LeMondeDiplomatique, were it appeared their February 2012 issue. Below is the manuscript as I submitted it. Here's the published version in English, Deutsch, francais, Espangol, Brasilian Portuguese, Norwegian, Slovak, etc
In the course of just one year, using the identity “Anonymous” highly efficient digital attacks have been carried out against global corporations and national governments. All in the name of freedom of speech and social justice. The media coverage has done little to clarify the events, rather, contradictory characterizations of Anonymous have been espoused, ranging from an elite hacker conspiracy, to a loose network of ignorant teenagers, from a major cyber-terrorist threat to a mere nuisance driven by sophomoric humor. None of these characterizations is entirely incorrect, because each captures some fragments of the phenomenon, but they all miss the central element of Anonymous, namely that it is not one, but many, and that it is not a group or a network, but a swarm, or to be correct, multiple swarms that feed off each other.
Heute ist unsere Kommentar gegen die eben gestartete Initiative kunsthatrecht.at im Standard erschienen. Titel: Mehr Rechte gegen die Kunst. Untertitel: Die Kulturkämpfer für eine Verschärfung des Urheberrechts schneiden sich ins eigene Fleisch.
Mein Beitrag zum eben erschienen Band: "Nach dem Ende der Politik - Texte zur Zukunft der Kulturpolitik III"
Seit etwa 40 Jahren findet ein umfassender Individualisierungs- und Entsolidarisierungsschub in den westlichen Gesellschaften statt. Neuerdings gibt es aber auch zaghafte Gegenbewegungen, die nicht primär darauf ausgerichtet sind, die Errungenschaften des industriellen Wohlfahrtsstaats zu verteidigen (was notwendig bleibt) oder abstrakte Kritiken zu entwickeln. Vielmehr entwickeln sie durch eine veränderte Alltagspraxis ganz neue Dimensionen gesellschaftlicher Solidarität auf Basis geteilter, für alle zugänglicher Ressourcen, die zunehmend politisch als Gemeinschaftsgüter oder Commons artikuliert werden. Im Folgenden sollen diese Dynamiken auf dem Gebiet der Kultur skizziert werden.
Individualisierung versus Entsolidarisierung
Zunächst ist es aber wichtig, Individualisierung und Entsolidarisierung, die von der neoliberalen Ideologie so erfolgreich verknüpft wurden, analytisch von einander zu unterscheiden. Die Individualisierung der Gesellschaft lässt sich als eine direkte Folge der strukturellen Veränderungen der Kommunikationsmedien, der Wirtschaft und der Kultur erklären, die es ermöglichen, eine ungleich größere Vielfalt und Flexibilität zu organisieren.
Der Erfolg der Piratenpartei beruht auf dem Wandel der Arbeits- und Lebenserfahrungen. Sie steht für dafür, Partizipation neu zu denken.
Die Feststellung, dass die Piratenpartei eine Protestpartei sei, führt nicht weit. Jede neue Kraft beginnt als Opposition, und der politische „Normalbetrieb“ steckt zu offensichtlich in einer tiefen Krise. Die Entfremdung zwischen BürgerInnen und PolitkerInnen nimmt seit langer Zeit zu. Die alten Transmissionsmechanismen zwischen (Zivil-)Gesellschaft und Politik – die Gewerkschaften, Vereine, Kirchen, Kammern etc. – funktionieren nicht mehr richtig. Entsprechend wird die Politik als abgehoben, von Partikularinteressen manipuliert und in ihren rituellen Appellen zu Wahlkampfzeiten als unglaubwürdig erlebt. Eine wachsende Zahl der BürgerInnen identifiziert sich nicht einmal mehr mit den Parteien, für die sie gerade die Stimme abgeben. Die Zahl der WechselwählerInnen steigt stetig; die Wahlbeteiligung sinkt.
Interessanter ist die Frage, warum der Protest die Form der Piratenpartei angenommen hat.