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"Es gibt keine Alternative” – oder doch? Commons werden zu Laboren der gesellschaftlichen Erneuerung

Geschrieben für die Berliner Gazette, erschienen am 27.04.2015

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Von “collaborative commons” (Jeremy Rifkin) bis hin zu “atmospheric commons” (Naomi Klein) – Gemeinschaftseigentum, also Commons, ist in gesellschaftspolitischen Debatten in aller Munde. Das aktuelle Interesse nährt sich aus der tiefen Krise der kapitalistischen Ordnung, die sich nicht nur in der Finanzkrise, sondern vor allem in der Umweltkrise manifestiert.

In der gegenwärtigen Krise werden fundamentale Konstruktionsmängel deutlich. Beispielsweise: Die „Umwelt“ wird als Externalität betrachtet, aus der man Rohstoffe entnehmen kann oder, in die man Abfall entsorgen kann, ohne dass dies ins ökonomische Kalkül einbezogen werden muss.

Dieses Problem kann auch ein „grüner Kapitalismus“ nicht lösen. Denn Kapitalismus braucht solche Externalitäten. Ohne diese hört er auf, Kapitalismus zu sein. Das heißt: ein System, welches auf das Ziel der Kapitalanhäufung – und eben nicht auf andere Ziele – ausgerichtet ist. Das ist kein neuer Gedanke. Wirtschaftshistoriker Karl Polanyi hat ihn bereits in den 1940er Jahren sehr klar formuliert. Aber heute sind die Folgen dieses Problems in Gestalt der Umweltkrise mehr als deutlich sichtbar. Und es ist schwer vorstellbar, wie der Kapitalismus, trotz aller Innovationsfähigkeit, dieses Problem angehen kann.

Hackers as Producers. Authorship and Freedom

This essay was published in "Hacking" (Edition Digital Culture 2). Edited by Dominik Landwehr, Migros Kulturprozent & Christoph Merian Verlag Basel.

Artists and hackers both represent contemporary types of unconventional authorship. In their own respective ways, they both appear as autonomous producers and not as contractors. Their autonomy is based on an aspiration towards individual freedom, but they each justify this in completely different ways. In an emphatic sense, freedom is the foundation of an artist’s work. This freedom legitimates or even demands a demiurgic act of positioning from which the work then unfolds – and it justifies the close relationship between “author” and “work”. In contrast, a hacker begins by experiencing an absolute dearth of freedom. His work unfolds while dealing with an omnipotent system1 in which all options for action are predetermined. The hacker’s goal is to seize hold of moments of freedom anyway.

Springerin: Kritische Netzpraxis (01/2015)

Update 30.01.2015: Summary of the panel discussion for the presentation of this issue, wiht Zoran Pantelic, Marina Grzinic, Konrad Becker, MAK 20.01.2013

Die neue Ausgabe der Zeitschrift springerin, hefte für gegenwartskunst, zum Schwerpunktthema "Kritische Netzpraxis" wurde als Zusammenarbeit von springerin und uns vom World-Information Institute realisiert.

Der Diskurs über kritische Netzpraktiken wird seit Langem von einer Vielzahl von Instanzen und – anfangs oft „illegitimen“, ja außerinstitutionellen – Akteuren geführt. Eine der wichtigsten Vermittlungsplattformen, etwa zeitgleich mit der springerin entstanden, ist das Institut für neue Kulturtechnologien (Public Netbase – t0), später umbenannt in World-Information Institute. Nachdem sich dessen Gründung kürzlich zum 20. Mal jährte, wollen wir in dieser gemeinsam konzipierten Ausgabe die wichtigsten Stationen und Entwicklungslinien des anhaltenden Netzdiskurses aufrollen.

Der Hacker als Produzent (Buchkapitel)

Update, 11.02.2014 Unter dem, eigentlich viel besseren, Titel "Autorschaft und Freiheit" bei den Freunden in der Berliner Gazette republiziert.

Soeben erschienen! "Hacking" (Edition Digital Culture 2). Herausgegeben von Dominik Landwehr, Migros Kulturprozent & Christoph Merian Verlag Basel, Okt. 2014. Mit Beiträgen von: Hannes Gassert, Verena Kuni, Claus Pias, Felix Stalder und Raffael Dörig. Hier ist meiner.

Künstler und Hacker sind beides zeitgenössische Typen eigenwilliger Autorschaft. Sie verkörpern auf unterschiedliche Art, Ansätze was es heisst, heute als autonomer Produzent, und nicht etwa als Auftragnehmer, tätig zu sein. Als Grundlage ihrer Autonomie entwerfen sie jedoch sich diametral widersprechende Vorstellung von Freiheit. Für den Künstler steht Freiheit im emphatischen Sinn am Anfang seiner Arbeit. Diese Freiheit rechtfertigt oder erfordert gar einen demiurgischen Akt der Setzung, aus dem heraus sich die Arbeit entfaltet und der die enge Verbindung zwischen „Autor“ und „Werk“ begründet. Der Hacker hingegen beginnt mit der Erfahrung grösster Unfreiheit. Die Arbeit des Hackers entfaltet sich in der Auseinandersetzung mit einem übermächtigen System,1 in dem, auf den ersten Blick, alle Handlungsoptionen (fremd)bestimmt sind. Sich dennoch Momente der Freiheit zu erobern, ist das Ziel des Hackers.

Die neue Volkskultur im Internet

Was haben Hirschhorns Kunst und die singende Nyan-Cat auf Youtube gemeinsam? Beides sind Formen des Remixes. Mix und Remix sind künstlerische Praktiken, die uns vor allem aus der Musik vertraut sind. Sie tauchen aber in verschiedensten Kunstsparten auf und finden in der Volkskunst des Internets, den Memen, ihren besonderen, modernen Ausdruck.

Aus: Pro Helvetia, Passagen, Nr.62/1, 2014 PDF // English version "The New
Folk Art of the Internet" PDF
// version francaise "L’art populaire revisité" PDF

Neues Buch! Der Autor am Ende der Gutenberg Galaxis

Mein neues Buch ist erschienen. Es ist eine Sammlung von neun Aufsätzen, zu den Themen "Kultur der Netzwerkgesellschaft", "Autorschaft und Urheberrecht" und "Commons". Besonders freut mich die Zusammenarbeit mit dem Verlag Buch & Netz, der neue Wege geht, um Buch- und online Publikation zusammen zu bringen. Ganz ohne DRM oder andere technische Schranken, sondern Creative Commons lizenziert.

Zum Buch, zum Inhaltsverzeichnis, zur Einleitung

Krieg der Daten gegen die Kommunikation, Le Monde Diplomatique, de (2.2014)

"Krieg der Daten gegen die Kommunikation" war der Titel, den ich der LMD vorgeschlagen hatte. Wurde wohl aus Platzgründen gekürzt...
Le Monde diplomatique, 2.2014
In der zweiten digitalen Phase
Daten versus Kommunikation

Seit Edward Snowdens Enthüllungen der umfassenden Überwachung (fast) aller Kommunikation lässt es sich nicht mehr leugnen: Die Internetrevolution befindet sich in ihrer gegenrevolutionären Phase. In den 1990er Jahren war sie angetreten, um durch Dezentralisierung, Kooperation und Transparenz neue Möglichkeiten individueller und kollektiver Autonomie zu schaffen. Heute nehmen Bestrebungen Überhand, die eben gewonnene Freiheit durch neu ausgerichtete Kontrollmechanismen wieder einzufangen und zu neutralisieren. Standen in der ersten Phase die Möglichkeiten der Kommunikation im Fokus, sind es in der zweiten Phase das Sammeln und Auswerten von Daten.

Beitrag zur Diskussion: Das Internet nach Snowden (ak-analyse & kritik)

AK ak - analyse & kritik / Nr. 591 / 18.2.2014
Kontrolle über die Kommunikation erlangen!

Nach Edward Snowdens Enthüllungen scheint klar: Normale Alltagskommunikation wird fast vollständig von den Geheimdiensten aufgezeichnet. Dabei ist keine Informationsquelle zu banal, Computerspiele, ja sogar Spiele wie Angry Birds scheinen ausgewertet zu werden. Die oftmals betonte Unterscheidung zwischen den Inhalten der Kommunikation und den Metadaten, die die Kommunikation beschreiben, ist im Hinblick auf die Überwachungseffizienz weitgehend irrelevant. Das Arsenal von Möglichkeiten, das den Geheimdiensten zu Verfügung steht, geht aber weit darüber hinaus und ermöglicht, mit mehr oder weniger großem Aufwand, auch verschlüsselte oder anderweitig geschützte Kommunikationskanäle zu überwachen. Das Bild, das sich daraus ergibt, übertrifft selbst die Befürchtungen der meisten PessimistInnen. Dass wir nun alle wissen und nicht nur vermuten, dass unsere Kommunikation abgehört wird, sollte eigentlich die politische Debatte darüber tief greifend verändern und zur Stärkung der gesetzlichen Grundlagen zum Schutz der Privatsphäre führen.

Urheberrecht - Wenn das Recht kunstfeindlich wird

Kurzer Beitrag zu Problemen des Urheberrecht im Kunstsystem (Kunstbulletin, 1/2.2014)

Das Gros der Kunstschaffenden konnte es sich lange leisten, sich nur am Rande mit dem Urheberrecht zu beschäftigen. Dennoch, das Thema ist auch im Kunstbereich virulent, wenn auch vielleicht subtiler als anderswo. Drei Probleme stechen hervor: (Selbst-)Zensur, die Behinderung etablierter Kulturinstitutionen und Kunstschaffende als Propaganda­figuren.

Der ganze Beitrag online auf Kunstbulletin.ch oder hier als PDF.

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