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Neues Buch: Kultur der Digitalität

Es ist so weit. Mein neues Buch ist draussen. Fast drei Jahre Arbeit für mich, kaum ein Tag lesen für euch. Hoffentlich ein fairer Deal.

Referentialität, Gemeinschaftlichkeit und Algorithmizität sind die charakteristischen Formen der Kultur der Digitalität, in der sich immer mehr Menschen, auf immer mehr Feldern und mithilfe immer komplexerer Technologien an der Verhandlung von sozialer Bedeutung beteiligen (müssen). Sie reagieren so auf die Herausforderungen einer chaotischen, überbordenden Informationssphäre und tragen zu deren weiterer Ausbreitung bei. Dies bringt alte kulturelle Ordnungen zum Einsturz und Neue sind bereits deutlich auszumachen. Felix Stalder beleuchtet die historischen Wurzeln wie auch die politischen Konsequenzen dieser Entwicklung. Die Zukunft, so sein Fazit, ist offen. Unser Handeln bestimmt, ob wir in einer postdemokratischen Welt der Überwachung und der Wissensmonopole oder in einer Kultur der Commons und der Partizipation leben werden.

Leseprobe, bestellen direkt bei Suhrkamp oder beim online Monopolisten.

Update: Rezensionen

Von Creative Commons zu Creating Commons

Die traditionelle Ordnung der Kultur – mit klaren Positionen für KünstlerIn/AutorIn, Werk und Publikum, vermittelt durch ProduzentInnen, VerlegerInnen, GaleristInnen etc. – ist durch die Digitalisierung endgültig in eine Krise geraten. Wie die neue Ordnung aussehen wird, ist nach wie vor unklar und höchst umstritten. Die erste Runde der Auseinandersetzung wurde auf dem Gebiet des Urheberrechts und damit über die Kontrolle der Zirkulation ausgetragen. In der aktuellen Runde dreht sich alles um zentrale Plattformen und deren Strukturen von Ordnung, Zugang und Wertschöpfung. Als ProduzentInnen der Kultur stehen KünstlerInnen im Zentrum dieser Umbrüche. Während ein Teil beflissen ist – vermeintlich im Eigeninteresse – die Rechteindustrien bei der Durchsetzung strikterer Gesetze zu unterstützen, verstehen sich andere als Ingenieure einer neuen Ordnung und experimentieren mit der Entwicklung eigener Formen von sozialer Produktion und Zirkulation.

Der Geheimdienstler

Kurzer Text zu Assange/Wikileaks anlässlich des Filmstarts in Zürich. Es geht mir hierbei nicht um ein Psychogramm (was ich aus der Distanz gar nicht leisten kann und will), sondern um die Verdienste und Sackgassen von Wikileaks als Form der Journalismus.

Seit August 2012 sitzt Julian Assange als politischer Flüchtling im Asyl in einem 20 Quadratmeter grossen Raum in der ecuadorianischen Botschaft in London, die in einem unscheinbaren Appartement im Stadtteil Knightsbridge untergebracht ist. Dieser Raum dient als Schlaf-, Wohn- und Arbeitszimmer, als Konferenzraum für Besucher und als globaler Hauptsitz von Wiki­leaks, dem umstrittensten Medienunternehmen der letzten Dekade. Die Strafuntersuchung gegen Assange in Schweden wurde zwar in der Zwischenzeit eingestellt, die britische ­Regierung erklärte allerdings umgehend, dass sie Assange wegen Verletzung der Kautions­bedingungen gleich verhaften würde, sollte er die Botschaft verlassen.

Grundformen der Digitalität

Der Jahrtausendwechsel erschien vielen Zeitgenossen, auch mir, als großes Nicht-Ereignis. Nicht nur das angekündigte Chaos der Computersysteme wegen des berüchtigten Millenium Bugs blieb weitgehend aus. Auch sonst war der 1.1. 2000 kaum vom 31.12. 1999 zu unterscheiden. Rückblickend kann man jedoch feststellen, dass um das Jahr 2000 tatsächlich ein epochaler Wechsel stattgefunden hat. Nicht von einem Tag auf den anderen, aber in relativ kurzer Zeit in einer Serie von Kippmomenten. Bereits lange andauerende Bewegunbgen haben eine kritische Masse überschritten und sind zur einer neuen kulturelle Umgebung verschmolzen. Am deutlichsten lässt sich dieses Kippen an der rasanten Ausbreitung des Internets nachverfolgen. Das Internet wurde in seinen Grundzügen in den 1970er Jahren entwickelt. Jedoch noch drei Jahre vor der Jahrtausendwende war es, zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung, ein fast marginales Phänomen. Nur etwa sechs Prozent aller Deutschen nutzen das Internet zumindest gelegentlich. Drei Jahre danach waren es bereits mehr als 53 Prozent. Seitdem ist der Anteil weiter gewachsen. Für die unter 40-Jährigen lag er 2014 bei über 97 Prozent. Parallel dazu stiegen die Datenübertragungsraten deutlich, mit Breitbandanschlüssen fiel das Einwählen per Modem weg, das Internet war nun »hier« und nicht mehr »dort«. Mit der Ausbreitung mobiler Endgeräte ab 2007, dem Jahr der Einführung des ersten iPhone, wurde digitale Kommunikation flächendeckend und kontinuierlich verfügbar. Das Internet ist seither überall.

Die Algorithmen, die wir brauchen

Foto: jurvetson unter CC-BY 2.0.

Netzpolitik.org und die Rosa Luxemburg Stiftung (auch als PDF) haben einen erweiterte, redigierte, deutsch-sprachige Fassung meines Vortrags vom 3.12. publiziert. Danke an beide für die Redaktion und Koordination.

Ein kurzes Radiogespräch zur Thematik (17.01), Radio Corax.

Wissensgesellschaft, in: Smarte Worte. Das kritische Lexikon der Digitalisierung

Ich habe den Eintrag zur "Wissensgesellschaft" für Smarte Worte. Das kritische Lexikon der Digitalisierung verfasst. [ PDF]

Aus dem Vorwort der HerausgeberInnen:

Immer weitere Bereiche unseres Alltags und unseres öffentlichen Lebens werden von intransparenten und nicht mehr nachvollziehbaren technischen Systemen beeinflusst oder gar gesteuert. Der US-amerikanische Juraprofessor Frank Pasquale spricht in diesem Zusammenhang von einer Black-Box-Gesellschaft. Angesichts der zu befürchtenden und schon jetzt zu beobachtenden Entdemokratisierungstendenzen ist es unserer Ansicht nach dringend an der Zeit für ein kritisches Auspacken dieser algorithmischen Systeme und der dahinterstehenden Geschäftsmodelle des Überwachungskapitalismus.

Wissensgessellschaft

Wissensgesellschaft ist ein ambitionierter, aber höchst unscharfer Großbegriff, der besonders im deutschen Sprachraum oft anstelle des etwas zurückhaltenderen Begriffs Informationsgesellschaft verwendet wird. Der Begriff stammt aus den US-amerikanischen Wirtschaftswissenschaften, die damit die Auswirkungen der wachsenden Komplexität von Verwaltung und Wirtschaft der Nachkriegsjahre zu fassen versuchten. 1957 sprach der Managementtheoretiker Peter Drucker erstmals vom Wissensarbeiter (»knowledge worker«), um damit eine wachsende Klasse von Angestellten in privaten wie öffentlichen Verwaltungs-, Entwicklungs- und Forschungsabteilungen zu bezeichnen, deren Aufgabe es war, komplexe, wissenschaftlich gestützte Tätigkeiten auszuüben. 1962 veröffentlichte der Makroökonom Fritz Machlup die empirische Studie »The Production and Distribution of Knowledge in the United States« in der er resümierte, dass bereits mehr als 40 Prozent aller Beschäftigten in der »Wissensökonomie« (»knowledge economy«) tätig seien. Die empirische Orientierung auf die US-Wirtschaft hatte zur Folge, dass stillschweigend vorausgesetzt wurde, dass die Wissensgesellschaft eine kapitalistische sei und Wissen als Eigentum zu behandeln sei. Daran hat sich bis heute wenig geändert.

Information Ecology (1997)

This is a very old text. In fact, one of the first I've ever written, from 1997. I re-post it here because it has now been included in the new MIT Publication "Information" (edited by Sarah Cook), which is "one of a series documenting major themes and ideas in contemporary art." Unfortunately, there was a mistake in editing and now it appears erroneously as "information economy". Similar, but not quite the same :)

It's still a good text, even if the McLuhanite language feels a heavy. But as a historic document I'm happy to see it re-published, particularly now that "ecological approaches" to media are once again becoming popular.

Information Ecology

A position paper (version 1.0) McLuhan Program in Culture and Technology, FIS, UofT, 1997

"New media are not bridges between man and nature: they are nature." Marshall McLuhan, 1969

Media build an integrated environment based on flows of information. Increasingly, this environment provides the primary setting for human agency. Information ecology aims at understanding the properties of this environment in order to use its potential, avoid its dangers and influence its development positively.

Echtzeit: Die Temporalität der Post- Demokratie

«Echtzeit». So bezeichnet man die verzögerungsfreie Übertragung von Informationen über grössere Distanzen und die damit einhergehende Möglichkeit, entfernte Akteure miteinander in Verbindung zu bringen, als wären sie am selben physischen Ort. Streng genommen ist das eine unerreichbare Utopie. Sowohl die Codierung auf der einen als auch die Dekodierung auf der anderen Seite – die Übertragung dazwischen sowieso – führen immer zu Verzögerungen. Schneller als Lichtgeschwindigkeit kann es nicht gehen. Für einige Akteure, etwa im Hochgeschwindigkeitshandel an den Börsen, ist diese technische Einschränkung äusserst relevant. Grosse Summen werden investiert, um Verzögerungen weiter zu senken. So wurde im Herbst 2015 ein neues 4600 Kilometer langes, 300 Millionen Dollar teures Unterseekabel zwischen London und New York (Hibernia Express) angeschlossen, dessen einziger Zweck es ist, dank einer etwas direkteren Route den Datenverkehr zwischen London und New York um knapp fünf Millisekunden zu beschleunigen.

Zwischen Smartness und Kooperation. Möglichkeiten der informationellen Stadt

Derive Cover Seit mehr als 20 Jahren bestimmt das Internet die Dynamik der kulturellen Entwicklung und seit rund 10 Jahren ist es auch in Europa ein Massenmedium. Es prägt die Subjektivität der Menschen, also die Art und Weise, wie sie sich selbst, Andere und die Welt wahrnehmen und wie es ihnen normal erscheint, in der Welt zu agieren. Was in den 1990er Jahren noch schwer vorzustellen war – etwa horizontale Kooperation als Produktionsmethode, Personalisierung der Welt oder flächendeckende Datenerhebung und Überwachung – ist heute normal und selbstverständlich: Hausverstand 2.0.

Um die Konsequenzen und Möglichkeiten dieses Wandel besser zu verstehen, hilft es zwischen strukturellen und politischen Dimensionen unterscheiden. Im Folgenden wird zunächst der strukturelle Wandel der Subjektivität skizziert. Danach werden die widersprechende, politische Dynamiken der Stadtentwicklung damit in Beziehung gesetzt.

Macht und Monopole der sozialen Massenmedien

mosaik-blog.at 10.11.2015

Die sozialen Massenmedien wie Facebook, Instagram, Twitter oder Linked-In sind, zum gesellschaftspolitischen Problem geworden. Wie lässt sich das abseits hohler Technologiekritik begründen? Was braucht es gegen die Macht und Monopole von Facebook & Co?

Sie zwängen einen stetig wachsenden Teil kommunikativer Aktivität in ein kommerzielles Korsett, in dem aus jeder menschlichen Regung – Aktionen, Interaktionen, Verortungen und Zuständen – Daten gewonnen und zu detaillierten Profilen der NutzerInnen zusammengestellt werden. Das bildet die Grundlage neuer, weitgehend unkontrollierter Machtstrukturen, die darauf ausgerichtet sind, das Verhalten Vieler im Interesse Weniger subtil aber wirkungsvoll zu manipulieren. Die Techniken dieser in wenigen Konzernzentralen konzentrierten Macht sind Werbung, Filterung und die verdeckte Einführung gezielter Verhaltensanreize. Spätestens seit den Enthüllungen von Edward Snowden wissen wir auch, dass die staatlichen Sicherheitsorgane ebenfalls flächendeckende Erfassungsstrukturen unterhalten und dass kommerzielle und nachrichtendienstliche Akteure vielfach miteinander verbunden sind, trotz öffentlich ausgetragener Differenzen. Entsprechend deutlich ist in den letzten Jahren die Stimmung im öffentlichen Diskurs umgeschlagen. Statt wie bisher die digitalen Medien als Feld progressiver sozialer Dynamiken zu verstehen, wird nun in schrillen Tönen der „technologische Totalitarismus“ prognostiziert.

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