Book Out: Digital Condition (Polity Press)

I'm very happy my new book (a translation of Kultur der Digitalität) has just been published by Polity Press.

In the book I argue that referentiality, communality, and algorithmicity have become the characteristic cultural forms of the digital condition because more and more people – in more and more segments of life and by means of increasingly complex technologies – are actively (voluntarily and/or compulsorily) participating in the negotiation of social meaning. They are thus reacting to the demands of a chaotic, overwhelming sphere of information and thereby contributing to its greater expansion. It is the ubiquity of these cultural forms that makes it possible to speak of the digital condition in the singular.

The goals pursued in these cultural forms, however, are as diverse, contradictory, and conflicted as society itself. It would, therefore, be equally false to assume uniformity or an absence of alternatives in the unfolding of social and political developments. On the contrary, the idea of a lack of alternatives is an ideological assertion that is itself part of a specific political agenda. Indeed, advanced democracies are faced with a profound choice, to continue their long slide towards post-democratic authoritarianism or reinvent democracy for the digital condition.

You can get it from the publisher (UK, US), from Amazon (UK, US), or you local bookseller (UK, US).

The great cover image is by the Dutch artist Bernaut Smilde, from the series Nimbus, Probe #6, 2010.

Updates

The Pandemic as Smart City Laboratory

I really think anyone who makes predictions now is a fool.
It's a little bit like trying to predict the future of foreign policy in October 2001.
Evgeny Morozov, interviewed by Holly Herndon & Matt Dryhurst, May 11, 2020.

The Covid-19 pandemic is both an urban and technological phenomenon. 95% of all diseases have so far been registered in cities. From the starting point in Wuhan, via the metropolitan region of Lombardy, Paris, Madrid, New York, Rio de Janeiro to Moscow, the virus spreads mainly within large cities. This is hardly surprising, since not only does the higher density favor the local spread of the virus from person to person, but the virus also arrives first in the large cities. They are the central nodes of the hypermobility of people and goods that characterizes the neoliberal phase of globalization. From this perspective, tourist hotspots like Ischgl are temporary cities in the mountains. Whether the hypermobility, which has been largely brought to a standstill at the moment, will be fully revived is not yet clear. That the global trend towards urbanization will be broken is very unlikely. So much can be confidently predicted.


Map of all the 5384 people whose Covid-19 infection could be traced back to the ski resort of Ischgl, Austria. (Source)

Tracking People and Modelling Society. COVID-19 and the politics of big data

At the moment, many people are sensing how the tectonic plates under their feet are moving. It is hard to get one’s bearing on such shifting grounds. Beginning with the virus itself, which is assumed to have jumped from animals to humans (“zoonotic spillover”) sometime last fall, there are simply too many actors in the complex dynamic system of a planetary civilization whose paths have been altered in hard-to-understand ways. This makes it impossible to plot the cumulative effects of their interaction.

While a lot of things are fairly chaotic and improvised reactions to fast-changing events, there is a certain structure to it, simply because people and institutions draw on that material, political and cultural resources which they have available. But which resources to draw on, how to mobilize them, and how to create new ones in the process is the key question. While there is path-dependency and continuity, even in the way actors can change paths, there is also a moment of extraordinary openness. It is therefore important not only to be vigilant against the authoritarian forces that are exploiting this crisis, i.e. to defend democracy as it exists, but also to think about ways of strengthening and expanding it right now.

Überwachen und Anstecken (LMD)

Die Welt verändert sich vor unseren Augen in rasendem Tempo. Keine drei Monate nachdem die Behörden von Wuhan erstmals die Weltgesundheitsorganisation (WHO) über ein neuartiges Coronavirus informiert haben, sind mehr als 3 Milliarden Menschen mit schweren Einschränkungen ihrer Bewegungsfreiheit konfrontiert, die mindestens mehrere Wochen dauern sollen.Dieses Regime der erzwungenen Immobilität ist nur der sichtbarste Teil einer tektonischen Verschiebung der politischen Landschaft, in der Maßnahmen durchgesetzt werden, die bis vor Kurzem noch undenkbar waren. Gleichzeitig radikalisieren sich bestehende Entwicklungen.

Bei der Nutzung digitaler Daten im Kampf gegen die Ausbreitung des Virus kommt beides in problematischer Weise zusammen. Es ist naheliegend, auf „die Daten“ der großen Firmen der Mobilfunk- und Social-Media-Branche zurückzugreifen, um die Ausbreitung des Virus zu bekämpfen. Seit Jahren betonen diese Firmen gern, wie genau sie uns kennen, wie detailliert sie über unsere Handlungen, Sorgen und Wünsche Bescheid wüssten und dass sie unser künftiges Verhalten aus unserem bisherigen ableiten könnten.Mehr noch, die digitale Netzwerktheorie, etwa Facebooks „social graph“, der die Beziehungen zwischen allen Nutzern der Plattform darstellt, und die Netzwerktheorie der Epidemiologie sind in ihren Grundlagen sehr ähnlich.

Von der repräsentativen zur vernetzten Demokratie

Die alten Formen der Demokratie, die etablierten Wege, wie die Öffentlichkeit aufgebaut wurde, befinden sich in einer tiefen Krise, und Appelle an eine idealisierte Vergangenheit werden sie nicht retten. Sie sind eindeutig nicht mehr der Aufgabe gewachsen, eine immer komplexere Gesellschaft zu organisieren. Gegen die Wende des erneuerten Autoritarismus sollten wir darüber nachdenken, wie wir uns mit der Kapazität des Digitalen verbinden können, mit der Fähigkeit, neue Wege des Wissens und des Zusammenseins mit der Erfahrung des physischen Raums zu bieten, um der gegenwärtigen Tendenz zur Fragmentierung in immer kleinere Gemeinschaften und der daraus resultierenden Unverständlichkeit der Welt zu begegnen.

Die parlamentarische, repräsentative Demokratie mit ihrem System der Gewaltenteilung, die noch in den 1990er Jahren den Siegeszug um die Welt anzutreten schien, ist unübersehbar in der Krise. In den vereinigten Staaten mit Trump, in Ungarn mit Orban, in den Philippinen mit Duderte, in der Türkei mit Erdogan und an vielen weiteren Orten hat ein neuer Typus von Politikern (aktuell nur Männer) die Macht erobert, der sich ganz offen gegen demokratische Regeln stellt und neue autokratische Strukturen implementiert. Von ehemaligen Volksparteien, die die Nachkriegsordnung geprägt und deren Verankerung in der Bevölkerung Demokratie legitimiert haben, ist, etwa in Frankreich, kaum mehr etwas übrig, und wo sie noch stärker sind, sind sie zum Verwalter des Status Quo geworden, die außer ein müdes “Weiter so!” programmatisch wenig zu bieten scheinen. Die Demokratie wird von außen angegriffen und ist von innen her ausgehöhlt.

Die Gründe dafür sind sicherlich vielfältig. Im Folgenden möchte ich auf einen, aber meines Erachtens sehr wesentlichen, Grund fokussieren: die Veränderungen in der Struktur der Öffentlichkeit, in der demokratische Fragen verhandelt und Entscheide legitimiert werden.

Die enttäuschten Hoffnungen des Internets

Michael Taussig, The Revenge of the Sirens

Update: Over at world-information.net is the full video documentation of the event. Well worth the time.

Taussig, IITaussig, II

The Revenge of the Sirens – Michael Taussig
Postscript on Nervous Digital Systems 12. February 2020 19:30

A Tale of Meltdown & the Metamorphic Sublime in four acts, the stage being a shadow on the wall, the shadow of the past meeting the future as dialectical image. Performance by Michael Taussig. Presented by World-Information Institute at rhiz – http://rhiz.wien

Das Problem der "Privatsphäre". Rede beim Jubiläum 25. Jahre Datenschutzgesetz im Kantons Zürich

Vortrag von Felix Stalder,
Jubiläum, 25 Jahre Datenschutzgesetz,
ZH, 28.01.2020

Sehr geehrte Damen und Herren,

Mich begleitet das Problem der Privatsphäre unter den Bedingungen der Digitalität schon fast so lange, wie wie es das Datenschutzgesetzes des Kantons Zürich gibt. Die Jahrtausendwende verbrachte ich als PhD Student in Toronto, und arbeitete danach als Postdoc am Surveillance Studies Centre, ebenfalls im Kanada. Damals beschäftigten uns drei grosse Themen: Die feinmaschige Überwachung des öffentlichen Raums durch Videokameras; die nach den Anschlägen auf das World Trade Center in New York geplante Einrichtung einer nationalen Identifizierungskarte zur konsistenten Identifizierung der Menschen im Landesinneren; und, drittens, die detaillierten Profile, die Unternehmen anlegten, sowohl über ihre Kunden als auch über die Bevölkerung als ganzes, immer im dem Ziel, ihre Angebote möglichst so auszurichten, dass unterschiedliche Personen unterschiedlich behandelt werden konnten. Für einige verbesserten sich die Angebote, für andere wurden sie schlechter. Damals hiess das “customer relationship management”, heute nennt man das “Personalisierung”.

Das Internet und Mobiltelefone spielten noch eine untergeordnete Rolle, weil die Internetinfrastruktur noch nicht auf Datensammlungen hin gebaut war, ganz im Gegenteil, Internet Kommunikation erschien noch als weitgehend anonym und digitale Identitäten frei konstruierbar und die Telefone, na ja, die waren noch von Nokia.

Solidarität und digitale Gesellschaft: Impulse

"Welchen Einfluss hat die Digitalisierung auf die Solidarität? Die Stiftung Sanitas Krankenversicherung stellt Studien vor und bietet Experten und Think Tanks eine Plattform für Diskussionsbeiträge."

Mein Beitrag, ein Interview, beschreibt wie durch die Digitalisierung eine neue Infrastruktur für soziale Prozesse geschaffen wurde und welche Potentiale für neue Formen der Solidarität vorhanden sind.

Interview in De, Fr, It.

17 - 19.10. Deep Horizon: The Cultures of Forecasting (Vienna)

October 17-19, 2019. Kunsthalle Wien Karlsplatz. PROGRAM ABSTRACTS

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