authorship

Was liegt daran, wie gesprochen wird? Dividuelles Sprechen in Gerald Raunigs “Ungefüge”

Ungefüge_Cover“Was liegt daran, wer spricht?” Michel Foucault wollte bereits 1969 kein weiteres Mal das Verschwinden des/der Autor:in konstatieren, tat es dann aber doch wieder. Und etwa so lange dreht sich auch die Diskussion um Autor:innenschaft im Kreise, nicht zuletzt deshalb, weil auch die Kritik den/die Autor:in als Figur ins Zentrum stellt und wenn nur als Leerstelle, die es zu untersuchen gilt.

In einem der aussergewöhnlichsten Bücher der politischen Philosophie der letzten Jahre dreht Gerald Raunig Foucaults Frage um, ohne sie je direkt zu erwähnen. Als Problem erscheint nicht mehr der/die Sprechende, sondern die Sprache selbst. Denn es ist in der Sprache – als Struktur wie als Praxis – in der sich das Subjekt konstituiert. Dieses Subjekt ist heute dividuell, endlos teil- und wieder zusammensetzbar in der grossen Datenbanken der digitalen Konzerne, algorithmisch konstruiert, reibungslos und umfänglich verfügbar für smarte Strategien der Kontrolle und In-Wert-Setzung. Die hegemoniale Form, in der sich diesse Prozesse vollziehen, ist die Quantifizierung und das Ziel ist Optimierung.

10 Theses on Assemblage Culture

These are notes for a talk I gave a few years ago (can't remember the exact occasion). I came across them now, and I think they are still valid and relevant.


Hannah Höch. Untitled (From an Ethnographic Museum), 1930 (detail)

Definition:
Assemblage culture is based on the use of (parts of) pre-existing (material or informational) cultural objects in the creation of new cultural objects. Assemblage culture is an umbrella term incorporating numerous media-specific practices such as quoting, sampling, (re)mixing, montage, collage, editing.

  1. Assemblage culture emerges when a society becomes saturated by media objects. Saturation means that these objects become widely and easily available to a wide range of users.
    Historical sequence:
    printed text (quotations in scientific culture, 17th century)
    printed images (early collages, late 19th century)
    recorded audio (musique concrète, mid 20th century)
    moving images (found footage film, mid 20th century)
    computer code (free/open source software, 1980s)
    modifiable genes (?) (early 21th century)
  2. Every cultural work contains elements taken from other works. Digitization makes the processes of assemblage – mostly implicit (by way of reference) in analog media – explicit (by way of insertion and transformation), putting it at the center of cultural production. Quoting and referencing in (scientific) texts made this practice explicit already in pre-digital form, reflecting the ease of separating content from its carrier in print culture.
  3. The meta-medium networked computer brings all media to the point of saturation, thus creating the material basis for the expansion of assemblage culture.

Kunstforum International: Kurz Nachgefragt

ROLAND SCHAPPERT: Ihr Buch „Kultur der Digitalität“ von 2016 bietet eine sehr gute Grundlage zum Verständnis der digitalen Transformation in unseren westlichen Gesellschaften und den Auswirkungen auf die künstlerische Produktion und kulturelle Vielfalt. Was hat Sie veranlasst, dieses Buch zu schreiben?

FELIX STALDER: Ich wollte zeigen, dass wir uns in einer umfassenden kulturellen Transformation befinden, also in einer strukturellen Veränderung, wie Menschen sich in der Welt orientieren und dass wir den Kipppunkt schon überschritten haben. Die neuen kulturellen Muster dominieren heute. Dabei war mit wichtig, zu zeigen, dass diese Veränderungen nicht durch die Technologien ausgelöst wurden, sondern dass die Technologien selbst Teil dieses Wandels sind, den sie wiederum vorantreiben. Seit den 1970er Jahren haben wir es mit sich gegenseitig verstärkenden Prozessen zu tun, die diese Veränderungen unumkehrbar machten. Dennoch, das bedeutet nicht, dass es keine politischen, gesellschaftlichen oder kulturellen Alternativen mehr gibt. Die gibt es sehr wohl, nur müssen sie unter den neuen Bedingungen gedacht werden.

Von Creative Commons zu Creating Commons

Die traditionelle Ordnung der Kultur – mit klaren Positionen für KünstlerIn/AutorIn, Werk und Publikum, vermittelt durch ProduzentInnen, VerlegerInnen, GaleristInnen etc. – ist durch die Digitalisierung endgültig in eine Krise geraten. Wie die neue Ordnung aussehen wird, ist nach wie vor unklar und höchst umstritten. Die erste Runde der Auseinandersetzung wurde auf dem Gebiet des Urheberrechts und damit über die Kontrolle der Zirkulation ausgetragen. In der aktuellen Runde dreht sich alles um zentrale Plattformen und deren Strukturen von Ordnung, Zugang und Wertschöpfung. Als ProduzentInnen der Kultur stehen KünstlerInnen im Zentrum dieser Umbrüche. Während ein Teil beflissen ist – vermeintlich im Eigeninteresse – die Rechteindustrien bei der Durchsetzung strikterer Gesetze zu unterstützen, verstehen sich andere als Ingenieure einer neuen Ordnung und experimentieren mit der Entwicklung eigener Formen von sozialer Produktion und Zirkulation.

Monkeys, Profiles and Collectivities of Difference

This is a bit of an experimental format. The audio of the talk delivered last October is set to the slides. Since the slides are quite visual and should produce another layer of meaning, I hope this is more interesting than simply the audio. Let me know, what you think. More information on the conference (re)constructing authorship" at Akademie Schloss Solitude.

monkeys, profiles and collectivities of difference


These are my slides from my opening talk for the conference "(re)constructing authorship" at Akademie Schloss Solitude. They are very visual, not much text, so if you look at them, make the presentation full screen and use it as a tool for free thinking through associations.

22.10. (Re)Constructing Authorship (Keynote) (Stuttgart)

22. Oktober 2015 20:00 - 24. Oktober 2015 18:00
symposium, Akademie Schloss Solitude

Das kontinentaleuropäische Konzept der Autorschaft als Schöpfung literarischer oder künstlerischer Werke und dem damit verbundenen Anspruch auf geistiges Eigentum hat seinen Ursprung im England des frühen 18. Jahrhunderts und der französischen Revolution.

Seitdem wird der Autor nicht mehr als nur einer unter zahlreichen anderen Handwerkern betrachtet, der an der Schaffung eines Werks beteiligt ist: Mit der autonomen Erschaffung von Ideen und Texten kam dem Autor eine besondere Funktion im Produktionsprozess zu. Der Originalitätsstatus fungierte seither als Grundlage legislativer Maßnahmen zum Schutz autorschaftlicher Leistung, die sowohl eine Deformierung der Werke als auch deren wirtschaftliche Ausbeutung verhindern sollte.

Hackers as Producers. Authorship and Freedom

This essay was published in "Hacking" (Edition Digital Culture 2). Edited by Dominik Landwehr, Migros Kulturprozent & Christoph Merian Verlag Basel.

Artists and hackers both represent contemporary types of unconventional authorship. In their own respective ways, they both appear as autonomous producers and not as contractors. Their autonomy is based on an aspiration towards individual freedom, but they each justify this in completely different ways. In an emphatic sense, freedom is the foundation of an artist’s work. This freedom legitimates or even demands a demiurgic act of positioning from which the work then unfolds – and it justifies the close relationship between “author” and “work”. In contrast, a hacker begins by experiencing an absolute dearth of freedom. His work unfolds while dealing with an omnipotent system1 in which all options for action are predetermined. The hacker’s goal is to seize hold of moments of freedom anyway.

Der Hacker als Produzent (Buchkapitel)

Update, 11.02.2014 Unter dem, eigentlich viel besseren, Titel "Autorschaft und Freiheit" bei den Freunden in der Berliner Gazette republiziert.

Soeben erschienen! "Hacking" (Edition Digital Culture 2). Herausgegeben von Dominik Landwehr, Migros Kulturprozent & Christoph Merian Verlag Basel, Okt. 2014. Mit Beiträgen von: Hannes Gassert, Verena Kuni, Claus Pias, Felix Stalder und Raffael Dörig. Hier ist meiner.

Künstler und Hacker sind beides zeitgenössische Typen eigenwilliger Autorschaft. Sie verkörpern auf unterschiedliche Art, Ansätze was es heisst, heute als autonomer Produzent, und nicht etwa als Auftragnehmer, tätig zu sein. Als Grundlage ihrer Autonomie entwerfen sie jedoch sich diametral widersprechende Vorstellung von Freiheit. Für den Künstler steht Freiheit im emphatischen Sinn am Anfang seiner Arbeit. Diese Freiheit rechtfertigt oder erfordert gar einen demiurgischen Akt der Setzung, aus dem heraus sich die Arbeit entfaltet und der die enge Verbindung zwischen „Autor“ und „Werk“ begründet. Der Hacker hingegen beginnt mit der Erfahrung grösster Unfreiheit. Die Arbeit des Hackers entfaltet sich in der Auseinandersetzung mit einem übermächtigen System,1 in dem, auf den ersten Blick, alle Handlungsoptionen (fremd)bestimmt sind. Sich dennoch Momente der Freiheit zu erobern, ist das Ziel des Hackers.

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