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Echtzeit: Die Temporalität der Post- Demokratie

«Echtzeit». So bezeichnet man die verzögerungsfreie Übertragung von Informationen über grössere Distanzen und die damit einhergehende Möglichkeit, entfernte Akteure miteinander in Verbindung zu bringen, als wären sie am selben physischen Ort. Streng genommen ist das eine unerreichbare Utopie. Sowohl die Codierung auf der einen als auch die Dekodierung auf der anderen Seite – die Übertragung dazwischen sowieso – führen immer zu Verzögerungen. Schneller als Lichtgeschwindigkeit kann es nicht gehen. Für einige Akteure, etwa im Hochgeschwindigkeitshandel an den Börsen, ist diese technische Einschränkung äusserst relevant. Grosse Summen werden investiert, um Verzögerungen weiter zu senken. So wurde im Herbst 2015 ein neues 4600 Kilometer langes, 300 Millionen Dollar teures Unterseekabel zwischen London und New York (Hibernia Express) angeschlossen, dessen einziger Zweck es ist, dank einer etwas direkteren Route den Datenverkehr zwischen London und New York um knapp fünf Millisekunden zu beschleunigen.

01.03. Bits and Bites - Was macht ein Remix in der Kunst? HEK Basel

18:30 01.03.2016, Haus der Elektronischen Künste, Basel

Ausstellungsrundgang im Gespräch mit Felix Stalder, Dozent und Forscher zu Medienkulturen an der Zürcher Hochschule der Künste, anschliessend gemeinsamer Imbiss.

In dem Ausstellungsgespräch wird die Vielfalt des "Remix" als Methode im Zentrum stehen und dem darin zum Ausdruck kommenden Spannung zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen dem Übernommenen und dem Neuen. Wir werden uns mit den unterschiedlichen Strategien beschäftigen, die in den Arbeiten angewandt wurden, und aber auch diskutieren, warum diese längst nicht mehr nur für die Netzkunst relevant sind.

19-21.02. Custodians.online – The Struggle over the Future of »Pirate« Libraries (Stuttgart)

19. February 2016 19:00

In the framework of the Authorship project, Akademie Schloss Solitude together with former and current fellows initiates a debate on the status of the author in the 21st century as well as closely related questions on the copyright system. The event »Custodians.online – The Struggle over the Future of ›Pirate‹ Libraries and Universal Access to Knowledge« is part of the debate by which the Akademie offers its fellows to articulate diverse and already long existing positions regarding this topic.

The potential to achieve universal access to knowledge and culture has expanded immensely through digital networks, making it possible for much of the world’s population to retrieve the most recent scientific output. However, the copyright regulation has largely continued to operate on the grounds of exclusion, thus allowing industries to harness digital technologies to bar access and to extract vast profits. Nowhere is that more evident than in academic publishing, a 10 billion dollar global industry, with the result that whoever has no access to wealthy academic institutional libraries has no other option but to seek access in disregard of the law.

22.01. Screening the Algorithmic Imagination (Wien)

Algo_Konf_logo_smallMit Jana Herwig (AT) und Katja Mayer (AT)

Ein audiovisueller Abend über die Macht von Algorithmen, ein Remix von Ausschnitten aus Filmen und Dokumentationen, die sich auf automatisierte Regelsysteme beziehen. Kurze Videoclips zeigen Formeln des kybernetischen Selbst von naturwissenschaftlicher Ingenieurskunst bis zu irrlichternden Gespinsten der Vorstellungskraft. Ein Media-mesh-up von der Geschichte des Kalten Kriegs, wo sich das Rationale und Irrationale zur Mutually Assured Destruction treffen, bis zur Kolonisierung der Zukunft durch algorithmische Vorhersagen heute.

Konrad Becker, Felix Stalder, World-Information Institute in Zusammenarbeit mit Top Kino.

Freitag, 22. Jänner, 2016
19.00 Uhr
Top Kino, Rahlgasse 1, A-1060 Wien

Nachtrag: 26.1.2016 Die Playlist ist nun verfügbar.

Gespräch: "Gibt es ein 'Digitales Wir' und wenn ja wie viele?" Deutschlandradio.de

Sendezeit: 08.01.2016, 14:20 Uhr
Länge: 07:35 Minuten

Lecture: Knowledge for all: from public to free

This lecture is from October 2014, held at the Public Library Conference in Stuttgart. But it has only recently been put online, together with all other lectures.. I think the entire conference is still very relevant.

In this lecture, I try to untangle the differences between resources that are managed as "public" and are thus connected to notions of the state and citizens and those that are managed as "free" and are thus based on notions of the commons and community. The differences are subtle, but in their consequences far reaching.

Sacharow-Preis für Raif Badawi, Interview mit SWR 2, Kulturgespräch

Herr Stalder, hier bei uns diskutieren wir eher über die Einschränkungen unserer Freiheiten durch das Internet, wir fürchten die Überwachung all unserer Bewegungen und das Abgreifen unserer Daten im Netz. Wird das Internet in autoritären Regimen eher als das Medium der Freiheit angesehen?

Ich glaube, das Internet ist überall ein sehr ambivalentes Medium, weil es einerseits neuen Gruppen, die vorher keinen Zugang zur öffentlichen Meinungsäußerung hatten, die Möglichkeit gibt, relativ autonom zu kommunizieren, etwa einen Blog wie Badawi zu betreiben, anderseits gibt es aber auch den staatlichen Behörden und anderen die Möglichkeit, das kommunikative Verhalten der Bürgerinnen und Bürger genauer denn je zu verfolgen. Und da kommt es halt darauf an, was genau der Staat macht und welche Möglichkeiten ihm zur Verfügung stehen.

Aber es ist für Freiheitskämpfer in autoritären Ländern eine von wenigen Möglichkeiten, überhaupt Kritik zu äußern und diese dann auch schnell zu verbreiten. Werden diese Botschaften im eigenen Land überhaupt wahrgenommen oder doch eher im demokratischen Ausland?

Das kommt ein bisschen darauf an, an wen sie gerichtet sind. Blogs, die in der Landessprache verfasst werden, richten sich tendenziell stärker an ein lokales Publikum, Blogs, die in Englisch verfasst werden, richten sich eher an ein globales Publikum. Der große Unterschied zwischen demokratischen und autoritären Staaten ist der, dass es in letzteren eben kaum eine kritische Öffentlichkeit gibt.

Zwischen Smartness und Kooperation. Möglichkeiten der informationellen Stadt

Derive Cover Seit mehr als 20 Jahren bestimmt das Internet die Dynamik der kulturellen Entwicklung und seit rund 10 Jahren ist es auch in Europa ein Massenmedium. Es prägt die Subjektivität der Menschen, also die Art und Weise, wie sie sich selbst, Andere und die Welt wahrnehmen und wie es ihnen normal erscheint, in der Welt zu agieren. Was in den 1990er Jahren noch schwer vorzustellen war – etwa horizontale Kooperation als Produktionsmethode, Personalisierung der Welt oder flächendeckende Datenerhebung und Überwachung – ist heute normal und selbstverständlich: Hausverstand 2.0.

Um die Konsequenzen und Möglichkeiten dieses Wandel besser zu verstehen, hilft es zwischen strukturellen und politischen Dimensionen unterscheiden. Im Folgenden wird zunächst der strukturelle Wandel der Subjektivität skizziert. Danach werden die widersprechende, politische Dynamiken der Stadtentwicklung damit in Beziehung gesetzt.

Macht und Monopole der sozialen Massenmedien

mosaik-blog.at 10.11.2015

Die sozialen Massenmedien wie Facebook, Instagram, Twitter oder Linked-In sind, zum gesellschaftspolitischen Problem geworden. Wie lässt sich das abseits hohler Technologiekritik begründen? Was braucht es gegen die Macht und Monopole von Facebook & Co?

Sie zwängen einen stetig wachsenden Teil kommunikativer Aktivität in ein kommerzielles Korsett, in dem aus jeder menschlichen Regung – Aktionen, Interaktionen, Verortungen und Zuständen – Daten gewonnen und zu detaillierten Profilen der NutzerInnen zusammengestellt werden. Das bildet die Grundlage neuer, weitgehend unkontrollierter Machtstrukturen, die darauf ausgerichtet sind, das Verhalten Vieler im Interesse Weniger subtil aber wirkungsvoll zu manipulieren. Die Techniken dieser in wenigen Konzernzentralen konzentrierten Macht sind Werbung, Filterung und die verdeckte Einführung gezielter Verhaltensanreize. Spätestens seit den Enthüllungen von Edward Snowden wissen wir auch, dass die staatlichen Sicherheitsorgane ebenfalls flächendeckende Erfassungsstrukturen unterhalten und dass kommerzielle und nachrichtendienstliche Akteure vielfach miteinander verbunden sind, trotz öffentlich ausgetragener Differenzen. Entsprechend deutlich ist in den letzten Jahren die Stimmung im öffentlichen Diskurs umgeschlagen. Statt wie bisher die digitalen Medien als Feld progressiver sozialer Dynamiken zu verstehen, wird nun in schrillen Tönen der „technologische Totalitarismus“ prognostiziert.

19.11. "Tracing Information Society -- A Technopolitics Timeline" Panel (Wien)

19 11 2015 19.00H - 21.00H

Kunstraum Niederösterreich, Wien


Technopolitics, Tracing Information Society – A Technopolitics Timeline, 2015, Ausstellungsansicht, Foto: © eSeL.at

Zum Verständnis der Veränderungen, die im Mittelpunkt der Ausstellung SOCIAL GLITCH. Radikale Ästhetik und die Konsequenzen extremer Ereignisse stehen, kann die Untersuchung der Entwicklung der Informationsgesellschaft wichtige Beiträge leisten. Die Forschungsgruppe technopolitics diskutiert mit geladenen Expert_nnen über die Komplexität und Struktur des gegenwärtigen Zeitenwandels anhand ihres transdisziplinären "Timeline"-Projekts, das die vielfältigen Wechselwirkungen auf politischer und kultureller Ebene sichtbar macht.

technopolitics beschäftigt sich mit Paradigmenwechseln in Kunst, Technologie und Gesellschaft.

Tracing Information Society ist ein Projekt von Fatih Aydogdu, Sylvia Eckermann, Armin Medosch, Gerald Nestler, Felix Stalder, Axel Stockburger und Ina Zwerger.

www.thenextlayer.org/technopolitics

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