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Crowdfunding the Commons: Goteo.org Interview

My interview with Olivier Shulbaum and Enric Senabre Hidalgo, from goeto.org, has just been published today over at shareable.net.

The most innovative answer to [the crisis of the copyright model] has been the rise of crowdfunding, as a way of pre-financing the first copy by creating a community around emerging projects. Kickstarter.com has established itself as the dominant model and countless derivatives are imitating it.

Unfortunately, Kickstarter is, in essence, simply a new form of market. Rather than buying the product after it has been produced, one can now buy it before it is produced and, if one donates more than a certain amount, inscribe oneself to a very limited degree into the product itself (e.g. by being mentioned a co-financier in the credits of a film project). Besides that, very little chances.

But does that need to be? Crowdfunding is a promising field because it can address many of the dynamics that underlie the crisis of the cultural economy and its transformation from a commodity- to a commons-based environment. So, it's high-time to think about and experiment with this approach in a more comprehensive way and explore more radical approaches to alternative cultural economies. How can these new means be used to fund the commons, rather than to kickstart yet another round of “cool” new products?

FS: You started your crowdfunding platform in 2010, just when Kickstarter was establishing itself as the dominant model in this field. Why do something different?

Read the entire interview over at shareable.net

Tot war der Autor nie. Replik auf den Aufruf "Wir sind die Urheber". Zeit.de

Gemeinsam mit Gerald Raunig habe ich eine Replik auf den Aufruf "Wir sind die Urheber" in DIE ZEIT veröffentlicht. Zwei der zentralen Stellen:

Während der kurze Aufruftext in Sachen Urheberrecht erstaunlich im Unklaren bleibt, ist der Hinweis auf die bürgerliche Freiheit prägnant und aussagekräftig. Denn hier sieht sich eine Gruppe in ihrer Freiheit bedroht, einer Freiheit, die in der bürgerlichen Gesellschaft traditionell einer kleinen Zahl »geistig« Arbeitender zugestanden wurde. Diese Freiheit ist in der Tat infrage gestellt, aber nicht durch eine Krise des Urheberrechts oder gar durch eine unübersehbare Masse räuberischer KonsumentInnen, sondern weil das Kognitive, die Produktion von Wissen zur zentralen Ressource des Kapitalismus der Gegenwart geworden ist.

und

Vielmehr klingt im moralisierenden Insistieren der Urheber eine verzweifelte Pose der Spaltung durch: »Wir sind die Urheber« – und nicht ihr! Hier sorgt sich eine Gruppe um ihre soziale Position als AutorInnen, denen das Publikum stumm zu Füßen sitzt. Doch das Publikum ist schon lange aufgestanden.

Der ganze Artikel ist hier. (DIE ZEIT, 16.5.2012 Nr. 21)

Kulturrisse mit Schwerpunkt Urheberrechtsdebatte erschienen

Soeben erschienen!
Urheberrechte für alle ... sonst gibt's Krawalle! Kulturrisse 01/2012

Spätestens seit den Protesten gegen das Anti-Piraterie-Abkommen ACTA (Anti-Counterfeiting Trade Agreement) im heurigen Frühjahr sind sie wieder in aller Munde: die Debatten um Urheber- und Verwertungsrechte und ihre längst überfällige Reform.

Jenseits des Urheberrechts
Felix Stalder Die Krise des Urheberrechts, die wir in unzähligen Episoden tagtäglich erleben, ist im Grunde nichts anderes als die Krise des fordistischen Produktionsmodells in den Kulturindustrien.

Urheberrechtskampagnen und der Halbwilde
Paul Stepan Für lösungsorientierte Ansätze in der Diskussion um den Zusammenhang zwischen Urheberrecht und Digitalisierung.

Vielfältige Rechtsauslegungen
Monika Mokre Viele Kulturschaffende sind sich darin einig, dass die Maßnahmen Österreichs für den Schutz der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen nicht angemessen sind, da sie zu einer ständig prekären ökonomischen Situation von Kulturschaffenden führen.

In schlechter Gesellschaft

Warum Apple und Google eine Bedrohung sind (sz.de)

Eine gute Ergänzung zum Interview mit der Tagesschau, das von einigen als zu optimistisch kritisiert wurde (und das mir, optimistisch!)

Heute organisieren Künstler, Fans und Unternehmen ihre eigenen Öffentlichkeiten und so wuchern viele neue kulturelle Nischen. Doch Google, Apple, Facebook und Co. bedrohen diese - durch den Aufbau kommerzieller Hierarchien.

Die kulturellen Ökonomien des Internets werden von zwei unterschiedlichen, ja sogar entgegengesetzten Dynamiken bestimmt. Zum einen können wir ein Aufblühen neuer kultureller Gemeinschaften und horizontaler Organisationsformen beobachten. Zum anderen erleben wir die Entstehung sozialer Fabriken, in der jede unserer Handlungen Arbeit für den Profit der Eigentümer der hochgradig zentralisierten Plattformen darstellt.

Ganzer Artikel in der Süddeutsche Zeitung (17.04.2012)

Gratiskultur im Internet "Das Publikum wird Teil der Produktion"

Verlage, Musikindustrie und Künstler wehren sich verstärkt gegen eine "Kostenloskultur" im Internet. Sie setzen aber auf falsche Ideen, meint Kulturwissenschaftler Felix Stalder im Interview mit tagesschau.de. Denn die alten Bezahlmodelle seien am Ende - die Zukunft der Kultur liege im Schwarm.

tagesschau.de: Die Erfindung des modernen Buchdrucks gilt als wichtigster Meilenstein auf dem Weg in die Wissensgesellschaft. Als was wird die digitale Vervielfältigung von Informationen, Musik, Bildern in die Geschichte eingehen?

Felix Stalder: Das wird wohl als ein ähnlicher Moment in die Geschichte eingehen. Es hat fundamental das Verhalten verändert, wie wir Informationen suchen, finden und sie weiter verarbeiten. Bislang waren wir als Leser oder Zuhörer dazu verdammt, passiv zu konsumieren. Durch die neuen Medien verschwimmen die Rollen zwischen Autor und Publikum und Zuhörer aber immer mehr.

tagesschau.de: Mit welchen Folgen?

Stalder: Wir erleben es immer häufiger, dass Fans zum Beispiel in der Musik Elemente eines Liedes nehmen und davon Remixe erstellen, sie zu eigenen Werken machen. Das hat nicht notwendigerweise professionelles Niveau, aber es verändert die Beziehung zwischen Künstler und Publikum.

"Es geht um die freie Nutzung von Inhalten"

tagesschau.de: Bedeutet frei zugänglich denn auch gleich gratis?

Peter Purgathofer spricht mit... mir!

Der Postcast des Gesprächs mit Peter Purgatofer ist online. Es ist die 10. Folge seiner lohnenswerten, ausführlichen Gespräche zu "gesellschaftlichen Spannungsfeldern der Informatik".

Das Gespräch war eines von denen, die für mich direkten Einfluss auf die Lehrveranstaltung haben werden; einige der angesprochenen Zusammenhänge waren mir in dieser Form noch nicht bewusst, und die Phrase "standing on the heads of many many dwarfs" (statt "standing on the shoulders of giants") wird mein argumentatives Handwerkszeug bereichern.

Eigentlich wollte ich mit Felix Stalder ja über Privacy, Google, Facebook und Überwachung reden, weil ich da einen wirklich interessanten und durchaus provokativen Artikel von ihm gelesen haben, aber dazu sind wir nicht gekommen, wir sind beim Copyright hängen geblieben. Ausgehend von der unglücklichen »Kunst hat Recht«-Initiative haben wir Geschichte, Funktionsweise, Veränderung und das notwendige Ende von Copyright in der heutigen Form diskutiert. Vielleicht findet sich in der zweiten Staffel (LOL) ja Zeit für noch ein Gespräch mit Felix Stalder.

Download mp3 (86 MB, 93 Min)

Beyond Copyright. The Demise of the Fordist Cultural Industries

The copyright crisis, which we experience in countless episodes everyday, is, to a large degree, nothing more than the crisis of the Fordist model of production within the cultural industries. This crisis is however more dramatic here than in other sectors, for because nowhere else has this model been so formative in shaping the identity of middle-class society, is so deeply entrenched in their social institutions, or goes so far back. Namely to 1452. The printing press was a Fordist machine avant la lettre in the sense that it allowed for artifacts to be produced through capital- and technology-intensive processes based on the division of labor and in large quantities for supra-regional markets.

read the entire article over at the EICPC (European Institute for Progressive Cultural Policies

Jenseits des Urheberrechts. Der Niedergang der fordistischen Kulturindustrien

Soeben erschienen bei: european institute for progressive cultural policies

Die Krise des Urheberrechts, die wir in unzähligen Episoden tagtäglich erleben, ist im Grunde nichts Anderes als die Krise des fordistischen Produktionsmodells in den Kulturindustrien. Diese Krise ist aber dramatischer als in anderen Sektoren, denn nirgendwo sonst war dieses Modell so prägend für die Identität der bürgerlichen Gesellschaft, ist es so tief verankert in ihren gesellschaftlichen Institutionen oder reicht es so weit zurück. Nämlich bis 1452. Die Druckerpresse war eine fordistische Maschine avant la lettre in dem Sinn, dass sie es erlaubte, Produkte in kapital- und technologieintensiven, arbeitsteiligen Prozessen in grossen Stückzahlen für überregionale Märkte zu produzieren.

Das Fordistische Modell entsteht

Für die AutorInnen bedeutete das neue Modell, dass sie sich aus der feudalen Abhängigkeit von adeligen oder kirchlichen Würdenträgern lösen konnten. Sie mussten ihre Werke nicht mehr dem Ruhm und der Ehre ihres Gönners widmen. Stattdessen konnten sie für expandierende Märkte in Literatur und Wissenschaft produzieren, die von den VerlegerInnen organisiert wurden.

Diskussion zu "Kunst hat Recht", oe1 Kulturjournal 26.01.2012

Als Folge unserer Replik (Standard.at 25.01) auf die naïve und fehlgeleitete Initiative "Kunst hat Recht" wurde ich zu einer Studiodiskussion (oe1 Kulturjournal, 26.01.2012) mit Gerhard Ruiss, einem der Initiatoren der Kampagne, eingeladen. Wem "naïv" und "fehlgeleitet" zu polemisch erscheinen, der ist eingeladen, das Interview anzuhören. Da spricht sich Ruiss etwa für ACTA und ähnliche Massnahmen aus (fehlgeleitet), aber betont gleichzeitig, dass er gegen Netzsperren etc sei (naïv). Das gehört zur Kategorie "Schwimmen ohne nass zu werden."

Tina Leisch hat heute einen sehr guten Kommentar auf Standard.at zur Diskussion veröffentlicht. Ihr Fazit:

Ja, und eine Bitte an alle die KünstlerInnen, die die Kampagne "Kunst hat Recht" unterschrieben haben, aber noch ein Che-Guevara-Leiberl im Kasten liegen haben: Bitte ganz schnell entsorgen, ohne dass es wer sieht. Sonst sind Sie völlig unglaubwürdig! Oder zumindest sofort Lizenzgebühren an die Österreichisch-Kubanische Gesellschaft überweisen (Erste Bank, BLZ 20111, Kto-Nr. 297 238 701 00).

Update 05.02.2012. Unser Kommentar im Standard hat eine sehr heftige Antwort der Initiatoren ausgelöst. In einem öffentlichen Brief haben sie unseren Beitrag als "sonders perfide" bezeichnet und eine der AutorInnen direkt angegriffen. Hier der offene Brief und die Replik darauf.

Mehr Rechte gegen die Kunst

Heute ist unsere Kommentar gegen die eben gestartete Initiative kunsthatrecht.at im Standard erschienen. Titel: Mehr Rechte gegen die Kunst. Untertitel: Die Kulturkämpfer für eine Verschärfung des Urheberrechts schneiden sich ins eigene Fleisch.

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