interview

Interview by Clemens Apprich for First Monday





The (Post-)Digital Condition — An Interview with Felix Stalder.
First Monday, Volume 23, Number 8 - 6 August 2018
http://firstmonday.org/ojs/index.php/fm/article/view/9409/7574
doi: http://dx.doi.org/10.5210/fm.v23i8.9409

Portrait

Alexander Grau hat ein Portrait über mich geschrieben, das versucht die Entwicklung einiger meiner Ideen nach zu zeichnen. Tönt in der Rückschau viel gradliniger, als ich das über letzten 20 Jahre erlebt habe :) Auch als PDF. TV Diskurs. Nr. 3, 2018, S.78-81

Die Kultur der Digitalität und die Kulturpolitik

Martin Lätzel: Welchen Stellenwert messen Sie der Digitalisierung in unserem Zeitalter bei?

Felix Stalder: Durch die Digitalisierung ist eine neue Infrastruktur der Wahrnehmung, der Kommunikation und der Koordination entstanden. Weil diese Tätigkeit so grundlegend für fast alle individuellen und kollektiven Tätigkeiten sind, bleibt kaum ein Aspekt unserer Existenz davon unberührt. Das reicht von der Veränderung der Art- und Weise, wie jedeR Einzelne sich selbst erfährt, bis hin zu Fragen, wie wir unsere Demokratie und das Verhältnis zu Natur neu gestalten wollen.

ML: Welchen Kulturbegriff legen Sie Ihren Thesen zugrunde?

Kultur hat für mich eine „soziale Bedeutung“, sie ist ein partieller und fragiler Konsens über Wertefragen. Überall da, wo wir uns entscheiden können und müssen, da kommen kulturelle Fragen auf. Was ist die richtige Ernährungsweise? Welche Eingriffe sollen der pränatalen Medizin erlaubt werden? In Summe stellt und versucht Kultur die Frage zu beantworten: Wie sollen wir leben? Solche Fragen sind immer umstritten, deshalb ist Kultur ein Prozess, der sich in dauernder Veränderung befindet. Das Besondere an Kultur unter den Bedingungen der Digitalität ist, dass sich mehr Menschen, auf mehr Feldern denn je in diese Auseinandersetzungen einmischen. Damit das funktionieren kann, brauchen sie immer komplexere Technologien, die es möglich machen, die enormen Informationsmengen, die dabei entstehen, zu verarbeiten.

ML: Immer öfter hört man den Begriff der „disruptiven“ Entwicklung der Digitalisierung. Ist das aus Ihrer Sicht Alarmismus, oder wie müssen wir diese Disruption verstehen?

Kunstforum International: Kurz Nachgefragt

ROLAND SCHAPPERT: Ihr Buch „Kultur der Digitalität“ von 2016 bietet eine sehr gute Grundlage zum Verständnis der digitalen Transformation in unseren westlichen Gesellschaften und den Auswirkungen auf die künstlerische Produktion und kulturelle Vielfalt. Was hat Sie veranlasst, dieses Buch zu schreiben?

FELIX STALDER: Ich wollte zeigen, dass wir uns in einer umfassenden kulturellen Transformation befinden, also in einer strukturellen Veränderung, wie Menschen sich in der Welt orientieren und dass wir den Kipppunkt schon überschritten haben. Die neuen kulturellen Muster dominieren heute. Dabei war mit wichtig, zu zeigen, dass diese Veränderungen nicht durch die Technologien ausgelöst wurden, sondern dass die Technologien selbst Teil dieses Wandels sind, den sie wiederum vorantreiben. Seit den 1970er Jahren haben wir es mit sich gegenseitig verstärkenden Prozessen zu tun, die diese Veränderungen unumkehrbar machten. Dennoch, das bedeutet nicht, dass es keine politischen, gesellschaftlichen oder kulturellen Alternativen mehr gibt. Die gibt es sehr wohl, nur müssen sie unter den neuen Bedingungen gedacht werden.

brand eins: Interview zu algorithmischer Steuerung der Gesellschaft

Herr Stalder, was bedeutet es, wenn wir immer mehr Entscheidungen an Algorithmen delegieren?

Entscheidungen sind nie singulär. Eigentlich sind es Prozesse, eine (Teil-)Entscheidung führt zur nächsten. In diesen langen Entscheidungsketten können immer mehr, aber nie alle Schritte an Algorithmen delegiert werden, es sind immer auch Menschen involviert.

Sie haben aber recht, wir lassen immer größere Teile solcher Entscheidungsketten von Algorithmen ausführen. Doch das ist teilweise auch notwendig. Denn wir befinden uns immer häufiger in Entscheidungssituationen, die wir ohne Algorithmen gar nicht bewältigen können: Die Datenmengen sind zu groß, die Probleme zu komplex, die Entscheidungszeiträume zu knapp. Das geht vom Hochgeschwindigkeitshandel mit Devisen über die Steuerung intelligenter Energienetze bis zu Architekturentwürfen oder der Vergabe von Krediten; ganz zu schweigen von der fast allgegenwärtigen Vorsortierung des Internets für jeden Einzelnen. Überall, wo wir durch Daten die Welt erfahren und daraus Schlüsse ziehen, kommen vermehrt Algorithmen ins Spiel.

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Wieso ist es wichtig, wer die Arbeitsweise von Algorithmen festlegt?

Algorithmen sind keine objektiven, neutralen Prozesse – sie sind interessengesteuert und intransparent. Es sind standardisierte Verfahren, um von A nach B zu kommen. Man hat einen Daten-Input und weiß, welchen Output man will. Oder man definiert ein Problem und weiß, wie die Lösung aussehen soll. Die Frage ist nur: Wer definiert mit welchen Interessen A und B?

brand eins: Innovation // 2017 || ganzes Interview hier lesen || lokale Kopie, PDF

Blick in die Feuilletons mit Felix Stalder (Radio DRS2)

Ich war als Gast bei Kultur-Kompakt, Schweizer Radio DRS. Nur am Radio gelten 16 Minuten als "kompakt", wunderbar!

Felix Stalder ist Professor für digitale Kultur an der Zürcher Hochschule der Künste. Er beschäftigt sich mit dem Wechselverhältnis von Gesellschaft, Kultur und Technologien. Als Gast im Studio redet er über Gefahren und Chancen der sozialen Medien - und warum er lieber Twitter als Facebook nutzt.

Sendetermin: Dienstag, 10. Januar 2017, 12:10 Uhr, 16 Min.

Wie mächtig wird Facebook noch?

update 08.12.2017 Der Beitrag wurde nun auch auf 3sat ausgestrahlt und freundlicherweise auf Hochdeutsch synchronisiert :)

Gestern wurde ich vom Schweizer Fernsehen für die Nachrichtensendung 10vor10 zum Thema Facebook und News befragt. Eines meiner wenigen Interviews auf Schweizerdeutsch. Im Dialekt ist es immer schwierig ist, über Abstraktionen zu sprechen und ich glaube, man hört es....

Vom Hashtag zur Bürgerbewegung (D.-Radio Kultur)

Vom Hashtag zur Bürgerbewegung (28.09.2016). Der Beitrag von Heiko Behr geht der Frage nach, wie neue und konventionelle Protestformen zusammenhängen, am Beispiel von #BlackLivesMatter. Ich liefere dabei Hintergrund zu strukturellen Transformationen.

Der Stachel im Fleisch XIII - Politik der Digitalität

Bei Martin Wassermair waren Felix Stalder (Medientheoretiker, Publizist) und Gerfried Stocker (Leiter Ars Electronica Center) zu Gast.

Live gesendet am Donnerstag, 26. Mai 2016, 13.00 - 14.00 Uhr

Vor dem Hintergrund eines ungebrochenen Vormarschs digitaler und komplexer Technologien müssen sich immer mehr Menschen an der Verhandlung von sozialer Bedeutung beteiligen. Das bringt auch die bisherige kulturelle Ordnung zum Einsturz - doch die Zukunft ist völlig offen.

Im Mittelpunkt des TV-Gesprächs standen daher u.a. Fragen, welche politischen Schlussfolgerungen aus dieser Entwicklung zu ziehen sind, inwieweit ein technologischer Totalitarismus droht und warum unser Handeln bestimmt, ob wir in einer postdemokratischen Welt der Überwachung und der Wissensmonopole leben werden - oder vielleicht doch besser in einer Kultur der Commons und der Partizipation.

Interview: Kann Facebook die Wahlen beeinflussen? Kurzantwort: JA!

Einige Mitarbeiter des Konzern haben sich jetzt gefragt, ob sich Facebook nicht gegen den US-Präsidentschaftskandidaten Donald Trump engagieren sollte. Das würde eigentlich passen, Mark Zuckerberg ist kein großer Freund von Trump. Trotzdem sagt Facebook klar: Nein!

Aber juristisch gesehen dürfte Facebook das, erklärt Vera Linß in ihrem Beitrag. Und: Falls Facebook Meinungen manipuliert, würden wir es wohl kaum mitbekommen, erklärt der Netzwerktheoretiker Felix Stalder.

Das Problem: Facebook sei nicht nur eine Plattform, sondern mittlerweile zentrale Infrastruktur unserer Gesellschaft. Und deswegen brauchen wir einen saktionsfähigen Vertrag zwischen Gesellschaft und Facebook-Betreibern, fordert Stalder im Breitband-Interview.

Quelle: Deutschland Radio Kultur, Breitband Sendung vom 23.04.2016

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