Der globale Ausbau digitaler Infrastrukturen im Zeichen der «Künstlichen Intelligenz» und ihrer vermeintlichen Effizienz schreitet in einem gewaltigen Tempo voran. Doch fehlt es häufig an öffentlicher Diskussion und demokratischer Teilhabe. Gigantische Mengen an privatem und öffentlichem Kapital fliessen in immer grössere und ressourcenintensivere Daten- und Rechenzentren sowie hochverdichtete Satellitennetze, mit kaum absehbaren ökologischen, sozialen und politischen Konsequenzen. Zugleich erleben wir eine mit Lust an der «Disruption» vorangetriebene radikale Umgestaltung zahlreicher Lebensbereiche durch kommerzielle Plattformen und Services, die demokratische Regulierungen und Steuerungsmechanismen unterlaufen. Öffentliche Verwaltungen und ganze Staaten begeben sich in komplexe und hochriskante Abhängigkeiten, in dem sie Infrastrukturen und essentielle Services auslagern. Sich daraus zu lösen, bleibt herausfordernd.

Wie wirken sich Plattformkapitalismus, KI-Hype und Digitalisierungsboom auf unseren Alltag aus? Wie verändern digitale Infrastrukturen Arbeits- und Lebensformen, städtische Räume und Landschaften? Und wie kann eine demokratische Antwort auf die Macht der Plattformen aussehen?

Diesen Fragen wird sich das zweitägige ZKK-Symposium „Im Maschinenraum der Cloud“ widmen. Es bringt wissenschaftliche, politische und künstlerische Perspektiven ins Gespräch, um neue Zugänge zu diesen zum Teil kaum sichtbaren Entwicklungen zu schaffen und den Raum für demokratisches Handeln zu öffnen. Der Fokus liegt dabei auf Zürich und der Schweiz – denn im Blick auf das Lokale, so die These, werden abstrakte Dynamiken begreifbar und Ansatzpunkte für konkrete Interventionen sichtbar.

Mit: Vania Alleva, Moritz Altenried, Aline Blankertz, Cédric Durand, Rahel Estermann, Rose-Anne Gush, Hanna Hilbrandt, Fieke Jansen, Angela Müller, Lorenz Naegeli, Cecilia Rikap, Philipp Sattler, Christian Schaffner, Christian Schmid, Karin Schwiter, u.a.

Kuratiert von Monika Dommann, Roland Meyer, Katharina Morawek und Felix Stalder

Veranstaltungsort: Cabaret Voltaire

PROGRAMM

Do, 29. Oktober

09:30 Begrüssung, Intro

10:00 Track 1 / Zwischen Extraktivismus und Nachhaltigkeit. Die physische Realität von digitalen Infrastrukturen Gäste: Rose-Anne Gush / Philipp Sattler, Fieke Jansen, Christian Schaffner Moderation: Felix Stalder

Entgegen dem Bild der schwerelosen «cloud» ist die Infrastruktur der Digitalisierung physisch massiv und geprägt von einem rapide wachsendem Ressourcenhunger. Kann es so überhaupt eine nachhaltige Digitalisierung geben? Wir untersuchen den globalen Fussabdruck digitaler Geräte und Infrastrukturen; die Herausforderungen nationaler Planung für deren Nachhaltigkeit, und künstlerische Ansätze, um zukünftige Extraktionsprojekte bereits heute verhandelbar zu machen.

Der Track findet auf Englisch statt.

12:00 Mittagspause

13:30 Track 2 / Plattformisierung der Arbeit. Zwischen Prekarisierung, Handlungsspielräumen und Organisierung Gäste: Vania Alleva, Moritz Altenried, Karin Schwiter Moderation: Katharina Morawek

Digitale Infrastrukturen brauchen menschliche Arbeit. Die hochbezahlten Jobs der «managerial class» ziehen eine Reihe anderer Tätigkeiten nach sich: Kinderbetreuung, Fahrdienste und andere Dienstleistungen. Gerade die Geschäftsmodelle der Plattformen mit ihrer dezentralen Organisationsform basieren auf diesen oft hochprekarisierten Jobs. Von der Data-Workerin über den Essenslieferanten bis zur Reinigungskraft: Wie organisieren sich die Verlierer:innen der Digitalisierung?

15:00 Pause

15:30 Track 3 / Zwischen Monopolkapitalismus und Techno-Feudalismus. Die politische Ökonomie der Digitalisierung Gäste: Cédric Durand, Cecilia Rikap Moderation: Monika Dommann

Der Aufstieg der Plattformen und der KI-Boom haben zu einer enormen Konzentration von Kapital und Macht geführt. Die grossen Tech-Konzerne kontrollieren digitale Märkte, eignen sich massenhaft Daten und kollektives Wissen an und üben zunehmend politische Macht aus. Ist das noch Kapitalismus – oder sehen wir, wie eine neue, feudale Ordnung entsteht?

Der Track findet auf Englisch statt.

17:30 Apéro

Fr, 30. Oktober

09:30 - 12:30 Track 4 / Tech Walk durch Zürich

Zürich gilt als Techhub mit «höherer Big-Tech-Dichte als das Silicon Valley», so frohlockt zumindest die «Greater Zurich Area», ein Marketing-Verbund für die Geschäftsregion im Grossraum Zürich. Ein öffentlicher Rundgang (konzipiert von WAV-Journalist Lorenz Naegeli) zeigt, wo die Cloud in der Stadt konkret Gestalt annimmt, wer davon profitiert und wer die Kosten trägt. Der Walk verbindet physische Orte mit journalistischen Hintergrundinformationen: Er führt etwa zum Google-Cloud-Standort an der Europaallee, zu den Palantir-Büros, aber auch an Orte der Forschung und der politischen Entscheidung.

12:30 - 14:00 Mittagspause

14:00 - 15:30 Track 5 / Raum und Planung. Die räumlichen Konsequenzen von digitaler Extraktion, Exklusion und Expansion Gäste: Lorenz Naegeli, Christian Schmid Moderation: Hanna Hilbrandt

Warum sind Zürich und seine metropolitane Umgebung ein derart attraktiver Standort für Techunternehmen? Welchen Einfluss hat die Ansiedlung von Big Tech mit seinen Mechanismen der Extraktion, Exklusion und Expansion auf urbane und sozialräumliche Entwicklungen? Was sind die Mechanismen der Planung und Steuerung solcher Entwicklungen - und kann man hier überhaupt von klassischer «Planung» sprechen? ­> Ich möchte teilnehmen

15:30 - 16:00 Pause

16:00 - 18:00 Track 6 / Demokratische Handlungsräume und digitale Souveränität. Was tun gegen die Macht der Plattformen? Gäste: Aline Blankertz, Rahel Estermann, Angela Müller Moderation: Roland Meyer

Die Macht der Plattformen droht demokratische Entscheidungsprozesse auszuhebeln. Wo müssen Regulierungen ansetzen, und wie lässt sich der Einfluss der Konzerne zurückdrängen? Welche Alternativen sind möglich, und wie kann Autonomie gegenüber Big Tech aussehen – für Individuen wie für ganze Staaten? Was ist die Rolle der Zivilgesellschaft, und wann wird Widerstand nötig?

Teilnehmende:

  • Vania Alleva ist Präsidentin der Schweizer Gewerkschaft UNIA.
  • Moritz Altenried leitet das Fachgebiet Digitalisierung der Arbeitswelt am Institut für Soziologie der Technischen Universität Berlin.
  • Aline Blankertz ist Datenökonomin und Aktivistin für digitale Rechte.
  • Monika Dommann ist Professorin für Geschichte der Neuzeit am Historischen Seminar der Universität Zürich.
  • Cédric Durand ist Professor am Fachbereich Geschichte, Wirtschaft und Gesellschaft (DHES) der Universität Genf.
  • Rahel Estermann ist Mitglied des Luzerner Kantonsrats, ehemalige Generalsekretärin der Grünen Schweiz und Co-Geschäftsleiterin der Digitalen Gesellschaft Schweiz.
  • Rose-Anne Gush ist Senior Fellow am Käte Hamburger Kolleg (KHK) «Rohstoffwelten, Kulturen im Umbruch» an der Universität Kassel.
  • Hanna Hilbrandt ist Professorin für Sozialgeographie und Urban Studies am Fachbereich Geographie der Universität Zürich.
  • Fieke Jansen ist Postdoktorandin am Fachbereich Medienwissenschaften und Co-Principal Investigator im Critical Infrastructure Lab an der Universität Amsterdam.
  • Roland Meyer ist Brückenprofessor für Digitale Kulturen und Künste an der Universität Zürich und der Zürcher Hochschule der Künste.
  • Katharina Morawek ist Geschäftsführerin am Zentrum Künste und Kulturtheorie.
  • Angela Müller ist Geschäftsleiterin von AlgorithmWatch CH, Postdoktorandin an der Universität Zürich und Mitglied der Eidgenössischen Medienkommission.
  • Lorenz Naegeli ist investigativer Journalist beim WAV-Recherchekollektiv.
  • Cecilia Rikap ist Professorin für Wirtschaftswissenschaften und Head of Research am UCL Institute for Innovation and Public Purpose (IIPP) am University College London.
  • Philipp Sattler ist Forscher, Filmemacher und Doktorand am Royal College of Art in London.
  • Christian Schaffner ist Geschäftsführer des Energy Science Center (ESC) der ETH Zürich.
  • Christian Schmid ist Titularprofessor für Soziologie am Departement Architektur der ETH Zürich.
  • Karin Schwiter ist Assistenzprofessorin für Arbeitsgeographie mit Schwerpunkt Digitalisierung an der Universität Zürich.
  • Felix Stalder ist Professor an der Zürcher Hochschule der Künste und lehrt im Fachbereich Fine Arts, Major Art:ificial Studies.