Schreibt KI Geschichte?
Künstliche Intelligenz in der historisch-politischen Bildung
17. Juni 2026 · 09:30 Uhr - 18. Juni 2026 · 18:00 Uhr
Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz, Am Großen Wannsee 56-58, 14109 Berlin
Eine Tagung der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz, in Zusammenarbeit mit dem DAAD Center for German Studies at the Hebrew University of Jerusalem und kulturBdigital, Technologiestiftung Berlin Das Bild zeigt einen grünen Hintergrund mit unterschiedlichem Text in schwarzen und hellen Buchstaben. Der Text enthält Buchstabenfolgen und Wörter wie “SCHREIBT” und “KI”. Es scheint ein kreatives oder experimentelles Layout zu sein, das mit Typografie spielt.
Seit der Veröffentlichung des KI-Chatbots “ChatGPT” im November 2022 reißt die Debatte über Künstliche Intelligenz nicht ab. Die auf Grundlage statistischer Datenanalysen und wahrscheinlichkeitsbasierter Berechnungen erzeugten Muster, Texte und Bilder berühren immer stärker genuine Arbeitsfelder der Erforschung und Vermittlung von Geschichte. Umso drängender ist die Auseinandersetzung mit Verfahren der generativen und analytischen KI.
Vor diesem Hintergrund setzen sich inzwischen vermehrt Gedenkstätten und Einrichtungen der historisch-politischen Bildung mit den Folgen dieser Technologien auseinander. Im Januar 2026 veröffentlichten über 30 Gedenkstätten eine gemeinsame Erklärung. Darin wiesen sie auf die stetige Zunahme gefälschter, KI-generierter Bilder zu Holocaust und NS-Verbrechen hin und forderten zu einem entschiedeneren Vorgehen gegen solche Formen einer “Fake History” auf.
Die kritische Auseinandersetzung mit KI für Forschungs- und Bildungszwecke, insbesondere in Bezug auf Holocaust und Nationalsozialismus, ist jedoch nicht neu. Seit mehr als einem Jahrzehnt entwickelt sich eine digitale Holocaustforschung, die KI-gestützte Verfahren zur Analyse, Erschließung und Visualisierung digitalisierter Quellenbestände erprobt. Auch die seit Mitte der 2010er Jahre kontrovers diskutierten Interaktionen mit meist holografierten Überlebenden-Biografien beruhen bereits auf KI-gestützter Spracherkennung.
Die Tagung verfolgt das Ziel, technologische Perspektiven, historische Forschung, didaktische Überlegungen und ethische Fragen miteinander zu verbinden. KI-Anwendungen sollen kritisch reflektiert und zugleich für die historisch-politische Bildungspraxis produktiv gemacht werden: Können Sprachmodelle und andere KI-Verfahren helfen, Geschichte(n) zugänglich zu machen? Können automatisierte Sprach- und Bilderkennung Vergessenes oder Verdrängtes sichtbar machen? Wie können dabei die Transparenz von Datenbasis und Algorithmen sowie die Integrität historischer Quellen bewahrt werden? Welche Rolle spielen KI-Verfahren bei Manipulation oder Fälschung und welche beim Nachweis derselben?
Mit der Diskussion dieser Fragen sollen fundiertes Fachwissen vermittelt, aktuelle KI-Anwendungen kritisch eingeordnet und Perspektiven für eine verantwortungsvolle Nutzung – oder den bewussten Verzicht auf deren Einsatz – in der historisch-politischen Bildung entwickelt werden, um, gemeinsam mit den Lernenden, Autor*innen unserer Geschichte(n) zu bleiben.
Mittwoch, 17. Juni 2026
Tagesmoderation: Deborah Hartmann & Bernd Körte-Braun
9.30 Uhr: Ankunft und Empfang
10.00 Uhr: Grußworte
Prof. Dr. Tobias Ebbrecht-Hartmann | Hebrew University of Jerusalem
Annette Kleffel & Silvia Faulstich | Technologiestiftung Berlin, kulturBdigital
Bernd Körte-Braun | GHWK
Johannes Rudloff | Alfred Landecker Foundation, Berlin\
10.30 Uhr: Keynote und Diskussion
Analyse und Generierung. Die Wahrheiten der Künstlichen Intelligenz
Prof. Dr. Felix Stalder | Zürcher Hochschule der Künste