Digitalität und Komplexität — Keynote: Felix Stalder
Wenn wir mit einer «Generativen Künstlichen Intelligenz», etwa einem Chatbot, interagieren, erscheint uns die Form vertraut. Zwei Subjekte, die mittels Frage und Antwort miteinander kommunizieren. So erscheint vielen Nutzer:innen die KI als ein zweites Subjekt, eine Freund:in, Expert:in oder Therapeut:in.
In dieser Präsentation werde ich darlegen, dass dieser Eindruck eine Täuschung, eine Suggestion des Interface-Designs ist. Vielmehr findet hier eine Kommunikation ohne Subjekte statt. Die Nutzer:in wird in diesen Systemen als Dividuum, als rekombinierbarer Cluster partieller Eigenschaften entworfen, während die generative KI eine situative Aktualisierung eines kollektiven Möglichkeitsraums darstellt.
Ihre Interaktion folgt einem behavioristischen Muster, in dem Reflexivität keine Rolle spielt. Aus einer medienwissenschaftlichen Perspektive erscheint dies als ein weiterer, vielleicht entscheidender Schritt einer spezifischen Subjektivierung in der Digitalität, die sehr andere Formen hervorbringt als jene der humanistischen Moderne.
Moderation: Markus Fäh
Koreferate: Patrick Landman, Edith Seifert
Datum: Samstag, 29.11.2025, 11:30 – 13:00
Programmheft: PDF