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Das Urheberrecht ist alt geworden. 300 Jahre alt.

Leicht redigiert und mit anderem Titel versehen (Wo sind die Piraten?) veröffentlicht als Kommentar der Anderen, Der Standard, Print und Online, 28.04.2010

Die World Intellectual Property Organisation (WIPO) hat den 26. April zum Welttag des Geistigen Eigentums ausgerufen. Das dem Urheberrecht verwandte Copyright erlebt zudem heuer den dreihundersten Jahrestag seiner Konstitution. Doch viel zu feiern gibt es nicht. Das Urheberrecht wird immer ambivalenter, da es sich heute weniger um ein Urheber- sondern mehr um ein Industrierecht handelt. Es dient weniger denn den Interessen der Kreativen, sondern denen der verwertenden Industrie, deren Lobbies immer stärker die Entwicklung der Gesetze bestimmen. Die dadurch ausgelöste Dynamik ist fatal. Abgesehen von wenigen Stars, verhilft das Urheberrecht KünstlerInnen kaum zu relevantem Einkommen. Die Musikerin Courtney Love fasste auf der Digital Hollywood Online Entertainment Conference das Problem folgendermaßen zusammen: „Heute möchte ich über Piraterie sprechen. Was ist Piraterie? Piraterie ist der Diebstahl künstlerischer Arbeit ohne dafür bezahlen zu wollen. Ich spreche hier nicht von napsterähnlicher Software. Ich spreche über die Verträge der Major Labels.“ Aber nicht nur bei der Vergütung der KünstlerInnen hapert es, auch in der kulturellen Produktion selbst, stellt das Urheberecht immer größere Hürden dar. Das reicht vom Dokumentarfilm wo Aufnahmen nicht nutzbar sind, weil die Hintergrundmusik aus dem Radio eruiert und lizenziert werden müsste, bis zur breiten Masse der InternetnutzerInnen, deren alltägliches Samplen und Remixen jederzeit zu Strafverfolgung führen kann.

Digital Commons: A dictionary entry

This text, which tries to summarize and situate the concepts and practices of the digital commons, is my contribution to the "Dictionary of the Human Economy". The editors explain in the introduction:

We want to bring to the attention of English readers some currents of economic theory and practice that have flourished in non-Anglophone countries over the last two decades, particularly in France, Brazil, Hispanic America and Scandinavia. To these we have added significanst work by English-speaking authors that was sidelined during neoliberalism‟s heyday and deserves to find a wider audience now. We have brought these strands of new thinking together under the umbrella concept of “the human economy” which refers to an emphasis both on what people do for themselves and on the need to find ways forward that must involve all humanity somehow.

Definition

The digital commons comprises informational resources created and shared within voluntary communities of varying size and interests. These resources are typically held de facto as communal, rather than private or public (i.e. state) property. Management of the resource is characteristically oriented towards use within the community, rather than exchange in the market. As a result, separation between producers and consumers is minimal in the digital commons.

Kritische Strategien zu Kunst und Urheberrecht

Kunstforum_TitelSeit bald 150 Jahren soll das moderne Urheberrecht (UHR) den Umgang mit „Werke[n] der Literatur, Wissenschaft und Kunst“ (§ 1, des aktuellen deutschen Urheberrechtsgesetz) regeln. Rund 100 Jahre zurück reichen die Anfänge der avantgardistischen Subversion bürgerlich-romantischer Konzeptionen von „KünstlerIn“ und „Werk“, die auch dem UHR zugrunde liegen. Durch die Einführung des Prinzips Zufall, die Verwendung bestehender kultureller Artefakte, die Betonung der Rolle des Unterbewussten, oder die direkte Intervention in soziale Prozesse wurde die Vorstellung des autonomen, aus sich selbst schöpfenden Subjekts von allen Seiten untergraben. Dessen ungeachtet propagierte der expandierende Kunstmarkt genau dieses KünstlerInnenbild. Vor diesem Hintergrund ist es fast erstaunlich, dass das Urheberrecht selbst erst sehr spät im Feld der Kunst direkt relevant wurde. Der erste große Gerichtsfall fand 1990-92 statt. Der Photograph Art Rogers verklagte den Künstler Jeff Koons, weil dieser nach Vorlage einer Postkarte von Rogers (Puppies, 1986) eine Skulptur (A String of Puppies, 1988) anfertigen ließ und in der Ausstellung Ushering in Banality präsentiert hatte. Im Kern ging es um die Frage, ob es sich hierbei um eine legitime künstlerische Strategie (die sich auf das US-amerikanische Recht des fair use berufen könne) oder um eine unautorisierte Werkbearbeitung handle. Koons verlor den Prozess sowohl in der ersten als auch in der zweiten Instanz und sah sich bald mit einer Fülle von Klagen konfrontiert, die konzeptuell vergleichbare Werke betrafen.

The Second Index. Search Engines, Personalization and Surveillance (Deep Search)

Introduction1

Google’s well-known mission is “to organize the world’s information”. It is, however, impossible to organize the world’s information without an operating model of the world. Melvil(le) Dewey (1851-1931), working at the height of Western colonial power, could simply take the Victorian world view as the basis for a universal classification system, which, for example, put all “religions other than Christianity” into a single category (no. 290). Such a biased classification scheme, for all its ongoing usefulness in libraries, cannot work in the irreducibly multi-cultural world of global communication. In fact, no uniform classification scheme can work, given the impossibility of agreeing on a single cultural framework through which to define the categories.2 This, in addition to the scaling issues, is the reason why internet directories, as pioneered by Yahoo! and the Open Directory Project (demoz)3, broke down after a short-lived period of success.

Search engines side-step this problem by flexibly reorganizing the index in relation to each query and using the self-referential method of link analysis to construct the ranking of the query list (see Katja Mayer in this volume). This ranking is said to be objective, reflecting the actual topology of the network that emerges unplanned through collective action. Knowing this topology, search engines favor link-rich nodes over link-poor outliers. This objectivity is one of the core elements of search engines, since it both scales well and increases the users’ trust in the system.

Deep Search: Introduction

Introduction

It’s hard to avoid search engines these days. They have established themselves as essential tools for navigating the dynamic, expanding informational landscape that is the Internet. The Internet’s distributed structure doesn’t allow for any centralized index or catalog; consequently, search engines fulfill a central task of making digital information accessible and thus usable. It’s hard to imagine our lives without their ever-expanding digital dimension; and so it’s increasingly hard to imagine life without search engines. This book looks at the long history of the struggle to impose order on the always-fragile information universe, addresses key social and political issues raised by today’s search engines, and envisions approaches that would break with the current paradigms they impose.

Nachahmung, Transformation und Autorfunktion

Dieser Text ist publiziert in: Kroeger, Odin, Günther Friesinger, Paul Lohberger, Eberhard Ortland und Thomas Ballhausen, Hg. Geistiges Eigentum und Originalität: Zur Politik der Wissens- und Kulturproduktion. Wien: Turia + Kant, 2011, s. 19-32.

Abstract: Employing concepts developed by Gabriel Tarde and Bruno Latour, this article investigates at how a new function of the author is being defined in digital media. What is found to emerge is a practical alternative to the dichotomy between notions of possessive individualism (underlying copyright law) and simplified notions of the death of the author. Here, authorship functions less as a means to establish rigid ownership and control, but serves more as a dynamic system of accountability and reputation building capable of structuring open, collaborative processes.

Einleitung

Vor nunmehr 40 Jahren verkündete Roland Barthes den „Tod des Autors“ (vgl. Barthes, 1969/2000). Was zu diesem Zeitpunkt eine notwendige Abkehr einer durch den Anglo-Amerikanischen „new criticism“ bereits überholten aber in Frankreich immer noch bestimmenden Form der Autor-zentrierten Literaturkritik war, ist bald zu einem Cliché und damit zu einer Sackgasse verkommen. Vor die Wahl gestellt zwischen einer konventionellen Ausprägung der Autorschaft – Cartesianisches Ego übersetzt in bürgerliche Subjektivität untermauert durch das Urheberrecht – und einer diffundierten Autorschaft – aufgegangen im „Murmeln des Diskurses“ wie es Michel Foucault ausdrückte (vgl. 1972/1991) – erfreute sich die erstere in der Praxis einer hartnäckigen Beliebtheit. Dazu trugen auch die Kulturindustrie und der Kunstmarkt bei, deren ideologischen Kern eine übersteigerte Autorschaft ausmacht, die sie aus nachvollziehbarem Eigeninteresse bis heute mit großem Nachdruck propagieren. Die theoretische Dekonstruktion hingegen ging zum einem kaum über die Feststellung der Dezentrierung, Verteilung oder Zerstreuung der Autorschaft hinaus. Zum anderen wurde Praxis des kulturellen Schaffen, die Werke und damit Autoren hervorbringt, lange Zeit nur an den Rändern verändert. Collage, Assemblage und Appropriation als künstlerische Methoden wurden jeweils schnell assimiliert. Explizit anti-autorielle Praktiken blieben politisch und kulturell marginal (vgl. Cramer, 2008), und oftmals verhaftet im widersprüchlichen romantischen Gedanken, wonach das Zurücktreten des Schöpfers zur Steigerung der Erhabenheit des Werkes (und damit, indirekt aber umso wirksamer, des symbolischen Kapitals des Autors) führe.

Neun Thesen zur Remix-Kultur

Heute ist mein umfangreiches Essay zur Remix-Kultur bei irights.info online gegangen. Es berührt viele Themen, die auch die Digitale Allmend behandelt.

Der Remix ist die kulturelle Form der Netzwerkgesellschaft. Felix Stalder beleuchtet in neun Thesen medienhistorische, technologische, politische, rechtliche, kulturtheorische, soziale und ökonomische Dynamiken, die den Aufstieg und die aktuelle Entwicklung des Remix prägen. In den Konflikten, die damit verbunden sind, spiegelt sich die Tiefe des aktuellen gesellschaftlichen Wandels.

Ganzes Essay als PDF (600 kb)

Update (Nov. 2009): Here is a pretty extensive summary of the paper in english.

Clay Shirky responds to my review

A few weeks ago, I published a review of Clay Shirky's new book "Here comes Everybody" on Metamute.

In the mean time, Simon Collister was able to ask Shirky about my review, where I criticized him for talking only about non-controversial issues and omitting major questions such as copyright and business models / profiling / privacy.

In his response, Shirky focused only on the question of copyright, claiming, strangely, that while he had written a lot about in the past it is was not a real issue in the big picture. Here is what he had to say:

local copy (12MB)

Analysis Without Analysis (Clay Shirky Review)

Here is my review of Clay Shirky's new book, which was originally published on the great metamute site.

Clay Shirky's Here Comes Everybody is reputed to be the best book ever written on Web 2.0. By why the strange silence on questions of copyright, privacy and ownership? Felix Stalder delves beneath the slick prose and upbeat message.

Bourgeois anarchism and authoritarian democracies (First Monday, 07.2008)

First Monday published my paper in its current edition. Below is the abstract, the full text is here

Digital communication is profoundly affecting the constitution of (civil) society by drastically lowering the costs to speak across time and space with individuals and groups of any size, and by producing abundant records of all activities conducted through these media. This is accelerating two contradictory trends. On the one hand, a new breed of social organizations based on principles of weak cooperation and peer production is sharply expanding the scope of what can be achieved by civil society. These are voluntary organizations, with flat hierarchies and trust-based principles. They are focused on producing commons-based resources rather than individual property. In general, they are transformative, not revolutionary, in character. This phenomenon is termed "bourgeois anarchism." On the other hand, the liberal state - in a crisis of legitimacy and under pressure from such new organizations, both peaceful (civil society) and violent (terrorism) - is reorganizing itself around an increasingly authoritarian core, expanding surveillance into the capillary system of society, overriding civil liberties and reducing democratic oversight in exchange for the promise of security. This phenomenon is termed "authoritarian democracy."

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This article was first published in Italian, in the journal Millepiani. An earlier version was delivered as a talk (view stream presentation at Ars Electronica, 2007, and published in their catalogue under the title "Our new public life".

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