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Von Nischen und Infrastrukturen

Herausforderungen und neue Ansätze politischer Technologien

Neue Technologien aus dem aktivistischen Umfeld bieten radikale Alternativen zu kultureller Nischenbildung und zentralisierten Web 2.0-Infrastrukturen.

Die sozialen und politischen Realitäten der Digitalisierung und Vernetzung sind heute von zwei konstitutiven, aber grundsätzlich unterschiedlichen, ja teilweise sogar entgegengesetzten Dynamiken geprägt. Beide stellen den Medienaktivismus vor neue Herausforderungen. Zum einen können wir ein Aufblühen neuer kultureller Nischen und horizontaler Organisationsformen beobachten. Zum anderen erleben wir gleichzeitig eine enorme Zentralisierung und Konzentration auf der Ebene der Plattformen, welche einen grossen Teil der infrastrukturellen Grundlage des Wachstum der Nischen und neuen Kooperationsmuster darstellen. Nachdem der Aufbau alternativer Infrastrukturen – Zeitschriften, TV Kanäle und Internetplattformen – in den ersten 30 Jahren medienaktivistischer Projekte eine grosse Rolle gespielt hat (Stalder 2008) sind diese Fragen in den letzten 10 Jahren etwas in den Hintergrund getreten. Denn die Komplexität der Infrastrukturen nahm stetig zu, was es immer aufwendiger machte, sie zu betreiben und die neuen, offene Plattformen, wie sie für Web 2.0 typisch sind, stellten allen - scheinbar ohne Einschränkungen - mächtige Werkzeuge zu Verfügung. Warum eine eigene Plattform betreiben, wenn grosse professionelle Anbieter das besser, sicherer und kostenfrei anbieten? Heute sind die Probleme dieser Entwicklungen aber deutlich zu erkennen. Im Folgenden werden die Herausforderungen dieser Nischenbildung, die dunkle Seite der zentralisierten Infrastrukturen sowie die darauf reagierenden, neue Entwürfe für de-zentrale Infrastrukturen skizziert.

Volltext online: Von Nischen und Infrastrukturen. Herausforderungen und neue Ansätze politischer Technologien. Medienimpluse 2/11 (21.06)

The state of free culture, 2011

The Free Culture Forum released the Declaration on Sustainable Models for Creativity in the Digital Age in February 2011 following their second Forum in Barcelona in October 2010. This loose global network of artists, cultural producers, political activists and scholars is spearheading a movement to enable culture to be free for all to express and enjoy and to prevent it from being enclosed through copyright and other regulations that are preventing access to what should be a cultural commons.

In this text, I will assess the state of free culture today by first locating it within the broader movement for the digital commons. I will then look at the first two phases of free culture which centered around technological and legal issues. This sets the context to assess the current phase of economic and institutional experimentation.

The full article is here. A substantially shortened, but nicely lay-outed version is here (pdf, 8.8.MB), as published in the Spring|Summer issue of the Komsos Journal.

Wikileaks und Medienaktivismus

Mein Artikel zu "WikiLeaks: Neue Dimensionen des Medienaktivismus" (pdf) ist bei Kommunikation@Gesellschaft veröffentlicht worden.

Mit WikiLeaks hat der Medienaktivismus eine neue Dimension erreicht. WikiLeaks versteht die neuen sozio-technischen Möglichkeiten und institutionellen Widersprüche, die die gegenwärtige Phase der Entwicklung der Netzwerkgesellschaft kennzeichnen, für sein Projekt nutzbar zu machen. Politisch bleibt das Projekt allerdings schwer kategorisierbar, da es gleichzeitig eine markt-libertäre und eine institutionskritische Haltung vertritt, gleichermassen staatliche wie privat-wirtschaftliche Akteure mit einschliesst. Solche Widersprüche können ausgehalten werden, denn anders als traditionelle aktivistische Medien versucht WikiLeaks sein Material nicht in einen erklärenden Zusammenhang zu stellen, sondern überlässt die Interpetation anderen.

Leaks, Remixes und die Unordnung der Diskurse

In: Springerin, Heft 2/11

Die beiden radikalsten Medienprojekte der letzten 10 Jahre, The Pirate Bay (TPB) und WikiLeaks, haben in kürzester Zeit haben sie entscheiden dazu beigetragen, bestehende „Kontrollprinzipien“ diskursiver Ordnungen ausser Kraft zusetzen. In der Folge entsteht der Raum für neue diskursive Formationen, deren Konturen erst unscharf zu erahnen sind.

TPB, 2003 ins Leben gerufen, trug wesentlich dazu bei, file-sharing zu einem Massenphänomen zu machen. Zwar nach wie vor der wichtigste BitTorrent Tracker (mit momentan über 27 Millionen aktiven NutzerInnen), aber es gibt unzählige anderer, geschlossener und offener Tracker, so dass file-sharing nicht mehr vom Schicksal dieses einen Projekts abhängt. Mehrere Wellen der Strafverfolgung, sowohl gegen Tracker als auch gegen individuelle Nutzerinnen, konnten weder die Infrastruktur noch die Popularität von file-sharing in relevanter Weise schwächen. WikiLeaks, das Ende 2006 an die Öffentlichkeit getreten war, etablierte ein neues Modell wie Insider grosse Datensätze – wie sie in allen Organisationen vorhanden sind – anonym an die Öffentlichkeit bringen können, um verborgene Missstände aufzuzeigen. Egal wie es mit WikiLeaks als spezifische Organisation weitergeht, es zeichnet sich jetzt schon ab, dass das Prinzip der Leaks ganzer Datenbanken weiter gehen wird. WikiLeaks selbst ist nach wie vor hoch aktiv und bereits positionieren sich selbsternannte Nachfolger.

Autonomía y control en la era de la post-privacidad

Una forma de definir la modernidad occidental, el periodo que estamos justo dejando, es por su particular estructura de control y autonomía. Ésta emergió como resultado de dos desarrollos históricos –uno que llevó a que burocracias grandes y jerarquizadas se establecieran como forma dominante de organización, otro que llevó a que el ciudadano (burgués, masculino) se convirtiera en el principal sujeto político. La privacidad jugó un papel clave en el mantenimiento del equilibrio entre ambos. Hoy en día, este acuerdo se está diluyendo. En el proceso, la privacidad pierde (algo de) sus funciones sociales. La post-privacidad, entonces, apunta a la transformación de cómo la gente crea su autonomía y de cómo el control impregna sus vidas.

This is the Spanish translation, by Christel Penella de Silva, of "Autonomy and Control in the Era of Post-Privacy". Read the whole translation at Christel's blog tintank.es.

Personal Web searching in the age of semantic capitalism: Diagnosing the mechanisms of personalisation

I'm very happy, our new paper on the personalization of search results is out now. To our knowledge, it's the first to do empirical research in a systematic way on how personalized results actually differ from non-personalized results and interpret the results within a critical framework.

First Monday > Volume 16, Number 2 - 7 February 2011
Personal Web searching in the age of semantic capitalism: Diagnosing the mechanisms of personalisation.
Martin Feuz, Matthew Fuller, Felix Stalder

Abstract

Wikileaks und die Folgen: Suhrkamp Sammelband

Wikileaks und die FolgenDer Sammelband, von Heinrich Geiselberger herausgeben, ist erschienen:

So unübersichtlich und verwirrend wie die Lawine aus Dokumenten sind die Hintergründe und Folgen von WikiLeaks: Was sind die Motive von Julian Assange? Geht es ihm um demokratische Transparenz? Oder um die »krypto-anarchistische« Weltrevolution? Wer soll all die Akten und Depeschen auswerten? Und: Welche Folgen hat die Affäre für die Politik? Erleben wir das Ende der Geheimdiplomatie oder den Anfang einer viel geheimeren Diplomatie? Die Autoren versuchen in ausführlichen Hintergrundanalysen und Kommentaren, aus unterschiedlichen Blickwinkeln Schneisen ins diskursive Durcheinander zu schlagen, noch während hier möglicherweise Geschichte gemacht wird

Eine sehr schöne Sammlung an Texten, beileibe nicht nur wegen meines Beitrags "Wikileaks und die neue Ökologie der Nachrichtenmedien"

Pourquoi les institutions peinent à conserver leurs secrets

Pourquoi les institutions peinent à conserver leurs secrets

Un site Internet fait trembler l’administration Obama. Armé d’une copie pirate de centaines de milliers de communications diplomatiques, ce média d’un nouveau genre a commencé à les publier, le 28 novembre 2010, en lien avec plusieurs titres de presse. Les Etats-Unis ont réagi avec véhémence. Mais, quoi qu’il advienne de WikiLeaks, rien ne peut désormais empêcher ces « fuites » de continuer à se produire.

This article, published in the French, Spanish and Portuguese editions of Le Monde Diplomatique (01/2011) is a revised version of my article on Contain This! Leaks, Whistle-Blowers and the Networked News Ecology which originally appeared in mute magazine (04.11.2010).

Leaks, Whistle-Blowers and the Networked News Ecology

WikiLeaks is one of the defining stories of the internet, which means by now, one of the defining stories of the present, period. At least four large-scale trends which permeate our societies as a whole are fused here into an explosive mixture whose fall-out is far from clear. First is a change in the materiality of communication. Communication becomes more extensive, more recorded, and the records become more mobile. Second is a crisis of institutions, particularly in western democracies, where moralistic rhetoric and the ugliness of daily practice are diverging ever more at the very moment when institutional personnel are being encouraged to think more for themselves. Third is the rise of new actors, 'super-empowered' individuals, capable of intervening into historical developments at a systemic level. Finally, fourth is a structural transformation of the public sphere (through media consolidation at one pole, and the explosion of non-institutional publishers at the other), to an extent that rivals the one described by Habermas with the rise of mass media at the turn of the 20th century.

Autonomy and Control in the Era of Post-Privacy

Open: Post Privavy Cover Researcher Felix Stalder analyses the loss of the key role of the concept of privacy. Privacy long secured the balance between the control of institutions and the autonomy of the citizen. Today, with institutions aiming more and more to provide customized services and the autonomy of both citizens and institutions changing, this role is disappearing, making the danger of an increase in control and power a realistic one. To turn the tide, Stalder argues for a greater transparency of the back-end protocols, algorithms and procedures of the new, flexible bureaucracies.

Source: Open. Cahier on Art and the Public Domain. # 19: Beyond Privacy. New Notions of the Private and Public Domains

One way to characterize Western modernity, the period we are just leaving, is by its particular structure of control and autonomy. It emerged as the result of two historic developments – one leading to large, hierarchic bureaucracies as the dominant form of organization, the other to the (bourgeois, male) citizen as the main political subject. Privacy played a key role in maintaining a balance between the two. Today, this arrangement is unravelling. In the process, privacy loses (some of) its social functions. Post-privacy, then, points to a transformation in how people create autonomy and how control permeates their lives.

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