politics

Instrastrukturen des Sozialen Netz: Straße, Karte und selbstfahrendes Auto in einem

Mein Beitrag in der Berliner Gazette zu den Machtverhätnissen in den Infrastrukturen des Netzes.

Das heutige Internet bietet „out-of-the-box“, und dazu noch meistens kostenlos, sehr viel Organisationsfähigkeit an. Alles ist leicht zugänglich und leicht zu benutzen, aber dennoch erstaunlich effektiv und ermöglicht Menschen und Handlungen in einer Masse zu organisieren, für die noch vor kurzem eine große, teure bürokratische Organisation notwendig gewesen wäre.

Die Idee des „Organisierens ohne Organisation“ (Clay Shirky) atmet jenen optimistischen Geist, der das Netz nach wie vor umgibt: die Vision einer transparenten, auf weitgehender Freiwilligkeit beruhenden Gesellschaft, die Utopie der semiotischen Demokratie, der Fähigkeit der UserInnen, Neues zu kreieren, es zu teilen und am öffentlichen kulturellen Diskurs teilzunehmen. Es ist der sich immer wieder erneuernde Traum des Internets.

Die leichten, flexiblen Organisationen sind eine Realität, eine erfreuliche sogar. Aber sie sind nur die Hälfte der Gleichung und das Gerede davon ist sehr problematisch. Denn die Idee selbst maskiert die andere Hälfte der Gleichung, nämlich dass sehr viele der Ressourcen des Organisierens aus den Organisationen ausgewandert sind und in die Infrastruktur selbst verlagert wurden.

Der ganze Beitrag in der Berliner Gazette

The Author at the End of the Gutenberg Galaxy

I just finished my talk at Former West, a contemporary art research, education, publishing, and exhibition project (2008–2014). Below are my slides. The talk was also recorded. Perhaps it will be made available later. Nothing I can influence.

Afterwards, there was a great discussion with Katja Mayer and Theo Röhle on "Rankings and Cartels. Self-Optimization in Quantified Knowledge Environments".

Jahrbuch Netzpolitik 2012 – Von A wie ACTA bis Z wie Zensur

Eben ist das "Jahrbuch Netzpolitik 2012 – Von A wie ACTA bis Z wie Zensur“ erschienen.

Das Buch ist der Rückblick auf 2012 der Plattform netzpolitik.org. Es enthält nebst vielen anderen Beiträgen auch meinen Text zur Digitalen Solidarität (S.231-240).

Aus der Selbstbeschreibung:
Netzpolitik betrifft alle, jede und jeden. Was im Jahr 2012 wichtig war, was vielleicht auch zu kurz kam, darauf blickt dieses Jahrbuch zurück. Die Autorinnen und Autoren waren Beobachter und Akteur zugleich. Ihre Berichte in diesem Buch fassen die wichtigsten Themen des Jahres zusammen, ordnen ein und reflektieren. Von A wie ACTA und Anonymous über Open-Data und Überwachung bis zu Urheberrecht und Z wie Zensur: komprimiert, informiert und frei lizenziert.

270 Seiten! Mit Beiträgen von: Jan-Phillip Albrecht, Markus Beckedahl, Annegret Bendiek, Mirko Boehm, Jörg Braun, Ulf Buermeyer, Gabriella Coleman, Leonhard Dobusch, Kirsten Fiedler, Karina Fissguss, Kilian Froitzhuber, Volker Grassmuck, Johnny Haeusler, Christian Heise, Jeanette Hofmann, Jōichi ‘Joi’ Itō, Andrea Jonjic, Matthias Kirschner, Julia Kloiber, Constanze Kurz, Lawrence Lessig, Falk Lüke, Lorenz Matzat, Tim Maurer, Joe McNamee, Andre Meister, Matthias Monroy, John F. Nebel, Frank Rieger, Alexander Sander, Ben Scott, Felix Stalder, Moritz Tremmel, Ben Wagner, Stefan Wehrmeyer und Jillian C. York.

ISBN: 9783844242522

Alle weitere Information ist hier.

The Social Media Reader (2012) is now online

The New Media Reader (NYU Press) is now available online in full (pdf, epub etc), under a CC license. Consequently, it also includes my contribution "Between democracy and spectacle. The front and the back of the social web", which has been online since here on this blog since May. But more importantly, it also contains all others. A great collection of texts! Grab it.

With the rise of web 2.0 and social media platforms taking over vast tracts of territory on the internet, the media landscape has shifted drastically in the past 20 years, transforming previously stable relationships between media creators and consumers. The Social Media Reader is the first collection to address the collective transformation with pieces on social media, peer production, copyright politics, and other aspects of contemporary internet culture from all the major thinkers in the field.

Cultures and Ethics of Sharing / Kulturen und Ethiken des Teilens

We are very happy and proud to announce the publication of our new book: Cultures and Ethics of Sharing / Kulturen und Ethiken des Teilens, edited jointly by Wolfgang Sützl, Felix Stalder, Ronald Maier, Theo Hug. It is a bilingual (English/German) collection of papers on empirical and theoretical aspects of sharing, both on-line and off-line. Some papers develop quite optimistic perspectives, but others show also how activities of sharing can be captured by very problematic interests. They all manage to highlight the richness of sharing in social setting and the wide-ranging questions a focus sharing brings to the fore.

Thanks a lot to all contributors to this unusual, because truly multi-disciplinary effort. We would also like to thank Innsbruck University Press for making available the book in full as free download (2mb).

From the Introduction

This is a volume of essays about sharing. Few people could have predicted that practices of sharing would gain such prominence in contemporary society. It is, arguably, one of the most unexpected developments of the early 21st century. Surprising, but not inexplicable. Over the last decade, numerous developments have taken place that created conditions under which new practices could flourish and the roles of sociability and sharing are being re-examined. For example, the very idea of man and woman as homo economicus, that is creatures that will naturally gravitate towards the pursuit of narrow self-interest and, thus, the need of society to organize itself as to make productive use of this supposed essential characteristic, has been called into question with renewed vigor.

Digitale Solidarität. Perspektiven der Netzpolitik

via netzpolitik.org

Auf dem “Netz für alle”-Kongress der Rosa Luxemburg Stiftung / Linken Bundestagsfraktion hat Felix Stalder die Einführungskeynote mit dem Titel “Digitale Solidarität. Perspektiven der Netzpolitik” gehalten. Mit seiner freundlichen Genehmigung veröffentlichen wir die Rede als Gastartikel und Debattenbeitrag.

Wir stehen vor einer historischen Chance, neue Formen solidarischen Handeln zu erfinden. Das politisch-ökonomische System in Europa, aber auch darüber hinaus, steckt in einer tiefen Krise. Diese hat viele Gründe. Einer davon ist, dass sich im Kern der avanciertesten Bereiche der Ökonomie ein Widerspruch verschärft. Auf der einen Seite haben wir die zunehmende Bedeutung der Momente der sozialen Interaktion, des Austauschs, des vernetzen Wissens- und Handelns, auf der anderen Seite haben wir eine sich verschärfende Logik der privaten Aneignung dieser gemeinsam hervorgebrachten Werte. Während die eine Seite sich immer wieder der Aneignung zu entziehen versucht, und mit freien Lizenzen auch teilweise Mittel gefunden hat, das zu tun, sucht die andere nach immer neuen Wegen, um Wissen und Kultur zu privatisieren und läuft Gefahr, damit die Voraussetzungen für neue die Entsehung neuen Wissens und neuer Kultur zu zerstören. Es wird sich noch herausstellen, ob wir es hier mit einem Widerspruch zwischen Produktions- und Eigentumsformen zu tun haben, den Karl Marx als Voraussetzung für einen Wechsel in der Produktionsweise diagnostizierte. Es ist denkbar, aber sicher ist das nicht.

Der ganze Text findet sich auf hier (netzpolitik.org) und hier (netzfueralle). Das Video ist angekündigt, aber noch nicht online.

Update (1.10.12): Das Video ist hier.

Google-Ranking: Herabstufung ist „Zensur light“

Ein kurzes Interview auf irghts.info zu neuen Praxis von Google, Seiten die mit vielen Urheberrechtsbeschwerden eingedeckt werden, im Ranking nach hinten zu verbannen.

Google stuft seit kurzem Webangebote in den Suchergebnissen herunter, die wegen Urheberrechtsverletzungen auffallen. „Google verändert damit seinen Charakter“, beobachtet der Internettheoretiker Felix Stalder. .... „Es macht nicht mehr die Welt zugänglich, wie sie - mit all ihren Konflikten - ist, sondern eine Welt, die einflussreiche Kräfte gerne möchten.“

Open! Art, Culture & the Public Domain. Key Texts 2004 - 2012

This anthology brings together key texts on the field of art, culture and the public domain published in Open by NAi Publishers and SKOR | Foundation for Art and Public Domain from 2004 until 2012. Together, these essays written by international theoreticians provide powerful insights into the most important areas of theory and practice in today's public space. They also reflect the effort invested and the themes covered by Open in the eight years it has existed. Subjects covered include safety, informal media, makeability, precarity, war, privacy, populism, transparency, mobility and autonomy.

With contributions by
Gijs van Oenen, Wolfgang Ernst, Jorinde Seijdel, Jonathan Sterne, Roemer van Toorn, Saskia Sassen, Stephen Wright, Geert Lovink, Chantal Mouffe, Marc Schuilenburg, Pascal Gielen, Matteo Pasquinelli, Willem Schinkel, Felix Stalder, Yves Citton, Brian Holmes, Boris Groys, Sven Lütticken, Noortje Marres

Editors
Jorinde Seijdel and Liesbeth Melis

Autonomie und Kooperation: Der Traum des Internets (INDES)

Für die Sondernummer "Auf der Suche nach Utopia" der Zeitschrift "Indes" (Göttinger Institut für Demokratieforschung) habe ich mich auf die Suche an der dem Internet innewohnenden Utopie begeben.

Die Zeitschrift ist leider im wesentlichen nicht frei zugänglich. Habe aber im Vorfeld darauf bestanden, dass mein Artikel online gestellt wird und nun ist gibt es ihn auch als schön gestaltetes PDF.

        Es wird sich dann zeigen, daß die Welt längst den Traum von einer Sache besitzt, von der sie nur das Bewußtsein besitzen muß, um sie wirklich zu besitzen. (Karl Marx, Brief an Max Ruge, September 1843)

Träumt auch das Internet von einer Sache, von der es nur Bewusstsein erlangen muss, um sie wirklich zu besitzen? Ich denke, man kann zumindest den ersten Teil diese Frage sinnvollerweise mit Ja beantworten, ohne gleich in die Sackgasse des Anthropomorphismus oder Determinismus einzubiegen. Dieser Traum wurde und wird in Internet-typischer Art von vielen, gleichzeitig und zeitlich verschoben, höchst unterschiedlich geträumt. Doch über alle Differenzen hinweg verdichten sich darin immer wieder zwei durchaus widersprüchliche Figuren: Autonomie und Kooperation. Wie für Träume üblich, sind ihre Konturen unscharf und instabil. In ihnen verschränken sich gemachte Erfahrungen in oftmals unvorhersehbarer Weise und artikulieren sich neu. Gleichzeitig stoßen sie neue Erfahrungen an, denn spätestens seit Freud wissen wir, dass Träumen, Erleben und Handeln ein Kontinuum darstellen.

Networks Between Control and Autonomy

Here's my talk at LiWoli- Art Meets Radical Openness..

Abstract: Everyday experiences of networked society oscillate between processes of intensified control (Facebook, data retention, profiling) and new niches of autonomy (Wikileaks, Anonymous, commons-based peer production). Where does this contradictoriness of the networks come from? What can we do to expand the niches of autonomy without facilitating the processes of control?

Recording of the live-broadcast from Stadtwerkstatt, Linz (AT) on 25.5.2012, duration: 48:55