interview

Der Stachel im Fleisch XIII - Politik der Digitalität

Bei Martin Wassermair waren Felix Stalder (Medientheoretiker, Publizist) und Gerfried Stocker (Leiter Ars Electronica Center) zu Gast.

Live gesendet am Donnerstag, 26. Mai 2016, 13.00 - 14.00 Uhr

Vor dem Hintergrund eines ungebrochenen Vormarschs digitaler und komplexer Technologien müssen sich immer mehr Menschen an der Verhandlung von sozialer Bedeutung beteiligen. Das bringt auch die bisherige kulturelle Ordnung zum Einsturz - doch die Zukunft ist völlig offen.

Im Mittelpunkt des TV-Gesprächs standen daher u.a. Fragen, welche politischen Schlussfolgerungen aus dieser Entwicklung zu ziehen sind, inwieweit ein technologischer Totalitarismus droht und warum unser Handeln bestimmt, ob wir in einer postdemokratischen Welt der Überwachung und der Wissensmonopole leben werden - oder vielleicht doch besser in einer Kultur der Commons und der Partizipation.

Interview: Kann Facebook die Wahlen beeinflussen? Kurzantwort: JA!

Einige Mitarbeiter des Konzern haben sich jetzt gefragt, ob sich Facebook nicht gegen den US-Präsidentschaftskandidaten Donald Trump engagieren sollte. Das würde eigentlich passen, Mark Zuckerberg ist kein großer Freund von Trump. Trotzdem sagt Facebook klar: Nein!

Aber juristisch gesehen dürfte Facebook das, erklärt Vera Linß in ihrem Beitrag. Und: Falls Facebook Meinungen manipuliert, würden wir es wohl kaum mitbekommen, erklärt der Netzwerktheoretiker Felix Stalder.

Das Problem: Facebook sei nicht nur eine Plattform, sondern mittlerweile zentrale Infrastruktur unserer Gesellschaft. Und deswegen brauchen wir einen saktionsfähigen Vertrag zwischen Gesellschaft und Facebook-Betreibern, fordert Stalder im Breitband-Interview.

Quelle: Deutschland Radio Kultur, Breitband Sendung vom 23.04.2016

Gespräch über Apple, FBI und ein Leben jenseits des 24-Std. Überwachungskapitalismus

Interview vom 30.3.2016 im SWR2 Kulturgespräch. Die schriftliche Fassung ist gekürzt. Das vollständige Interview ist im Audiobeitrag zu hören.

Sind Digitale Kultur und Privatsphäre unvereinbar?

Ich würde sagen, das ist eine Behauptung, die vor allem von denen artikuliert wird, die Interesse daran haben, mit unseren privaten Daten Geschäfte zu machen. Wir leben leider in einer Welt, in der sehr viele dieses Interesse haben. Aber wir sehen ja jetzt, gerade in dieser Auseinandersetzung zwischen Apple und dem FBI, dass es hier tatsächlich um sehr vieles geht – es ist auch politisch wichtig, dass es in Zukunft nicht so bleibt, wie es jetzt ist.

Nutzt Apple dem User oder nutzt Apple den User aus?

Wir tauschen uns mit Freunden, Bekannten und Arbeitskollegen in einem "horizontalen Verhältnis" aus: Ich rede mit Ihnen, Sie reden mit mir. Gleichzeitig machen wir das in einer Infrastruktur, die daraus Daten generiert, die dann Dritte benutzen können, zum Beispiel der Provider der Infrastruktur oder Gewerbetreibende oder die Strafverfolgungsbehörde.

Und Apple ist da, ähnlich wie Facebook, ein gutes Beispiel. Apple gibt uns die Möglichkeit, zu kommunizieren, Fotos zu teilen, digitale Produkte herzustellen. Aber Apple zwingt uns auch in eine Infrastruktur, in der der Konzern immer alles sieht. Apple ist also ein gutes Beispiel dafür, dass wir einerseits in einer sozialen Gemeinschaft agieren, aber gleichzeitig – und vielleicht auch vor allem! – in sozialen Fabriken für andere arbeiten.
Was bedeutet es, dass Apple Hardware und Software aus einer Hand anbietet?

Gespräch: "Gibt es ein 'Digitales Wir' und wenn ja wie viele?" Deutschlandradio.de

Sendezeit: 08.01.2016, 14:20 Uhr
Länge: 07:35 Minuten

Sacharow-Preis für Raif Badawi, Interview mit SWR 2, Kulturgespräch

Herr Stalder, hier bei uns diskutieren wir eher über die Einschränkungen unserer Freiheiten durch das Internet, wir fürchten die Überwachung all unserer Bewegungen und das Abgreifen unserer Daten im Netz. Wird das Internet in autoritären Regimen eher als das Medium der Freiheit angesehen?

Ich glaube, das Internet ist überall ein sehr ambivalentes Medium, weil es einerseits neuen Gruppen, die vorher keinen Zugang zur öffentlichen Meinungsäußerung hatten, die Möglichkeit gibt, relativ autonom zu kommunizieren, etwa einen Blog wie Badawi zu betreiben, anderseits gibt es aber auch den staatlichen Behörden und anderen die Möglichkeit, das kommunikative Verhalten der Bürgerinnen und Bürger genauer denn je zu verfolgen. Und da kommt es halt darauf an, was genau der Staat macht und welche Möglichkeiten ihm zur Verfügung stehen.

Aber es ist für Freiheitskämpfer in autoritären Ländern eine von wenigen Möglichkeiten, überhaupt Kritik zu äußern und diese dann auch schnell zu verbreiten. Werden diese Botschaften im eigenen Land überhaupt wahrgenommen oder doch eher im demokratischen Ausland?

Das kommt ein bisschen darauf an, an wen sie gerichtet sind. Blogs, die in der Landessprache verfasst werden, richten sich tendenziell stärker an ein lokales Publikum, Blogs, die in Englisch verfasst werden, richten sich eher an ein globales Publikum. Der große Unterschied zwischen demokratischen und autoritären Staaten ist der, dass es in letzteren eben kaum eine kritische Öffentlichkeit gibt.

Herrenhäuser Gespräch - Freiheit als Illusion? (ndr.de)

NDR Kultur - 12.04.2015 20:00 Uhr Autor/in: Kühn, Ulrich

Sonntagsstudio: Herrenhäuser Gespräch - Freiheit als Illusion?

Um den allgegenwärtigen Einfluss des Internets geht es beim Herrenhäuser Gespräch: Wie verändert sich unser Dasein? Zappeln wir längst wie Fliegen im Netz der Konzerne?

Der Einfluss des Internets ist so mächtig geworden, dass wir ihn häufig nicht mehr bemerken. Aber wie verändert sich unser Dasein in Abhängigkeit von einer Struktur, die als Verlängerung und Ergänzung des menschlichen Hirns ins Leben ragt? Manche meinen, wir zappelten längst wie hilflose Fliegen im Netz der Konzerne und Superhirne, angelockt durch große Versprechen von Freiheit und Transparenz. Oder sind diese warnenden Rufe, die jüngst immer lauter wurden, nichts als dumpfer Kulturpessimismus?

(download mp3 74MB)

Die kontrollierte "Freiheit" (Interview SWR2)

Hier noch ein kurzes Interview zur Thema Freiheit im Internet und ob wir was tun können, um die Macht der grossen Konzerne (und der Geheimdienste) wieder einzudämmen.

(download, mp3, 8MB)

9:08 min | 16.3. | 8.10 Uhr | SWR2 Journal am Morgen | SWR2

Digitale Verschlüsselung "Essenziell für das Funktionieren einer Gesellschaft" (Interview)

Nach den Snowden-Enthüllungen schien die Sache klar: Die Digitale Agenda der Bundesregierung propagierte die noch bessere Verschlüsselung unserer Daten. Doch jetzt will der Innenminister größeren Zugriff. Diese Forderung nach dem Eintritt durchs Hintertürchen wird sich nicht umsetzen lassen, meint der Medienwissenschaftler Felix Stalder.

Erinnern und Vergessen. Die Macht der Suchmaschinen

Suchmaschinen sind nicht mehr wegzudenken. Sie sind Pforten ins Internet, die entscheiden, was wir wissen, lernen, kaufen, buchen oder erst gar nicht zu Gesicht bekommen.

Wie funktioniert eigentlich eine Suchmaschine: Nach welchen Regeln setzt sie für uns die Wirklichkeit zusammen, und wie stößt sie im Deep Web auf ihre Grenzen? Warum ist Googles marktbeherrschende Stellung ein Problem? Ist es sinnvoll, ein Recht auf Vergessenwerden durchzusetzen? Und was für Alternativen und Ansätze gibt es, die Suche im Netz auf ein anderes Fundament stellen?

Philip Banse diskutiert auf Breitband Radio mit Wolfgang Sander-Beuermann, Projektleiter des Suchmaschinen-Labor, Niko Härting, Anwalt für Medien- und Internetrecht und mir.

(53min) (download)

«Daten gegen Geld ist Unsinn» Interview zu Lanier, Google und Macht

Google verdient mit unseren E-Mails und Suchanfragen Milliarden. Können wir bald mitkassieren? Felix Stalder, Professor für digitale Kultur, hält das für eine dumme Idee. Interview: Peter Johannes Meier Quelle: Beobachter.ch (13/2014)

Beobachter: Google wertet permanent aus, was uns im Internet interessiert. Mit unseren Profilen verdient das Unternehmen Milliarden, vor allem durch Werbung, die auf jeden Nutzer zugeschnitten wird. Wir sollten künftig Geld für unsere wertvollen Daten verlangen, fordert der Internetphilosoph und Microsoft-Berater Jaron Lanier. Das klingt verlockend…

Felix Stalder: ...ist aber Unsinn. Soziale Kommunikation und die damit verbundenen Daten haben nicht einfach einen ökonomischen Wert. Privatheit ist eine kulturelle Errungenschaft, ein Bürgerrecht, das man nicht einfach so verscherbeln kann. Sonst könnten wir ja auch unser Stimmrecht dem Meistbietenden verkaufen.

Heute treten die meisten Nutzer ihre Daten praktisch gratis an Firmen wie Google oder Facebook ab. Wäre es nicht zumindest ein bisschen gerechter, wenn sie dafür etwas Geld erhielten?

Syndicate content