art

Autorschaft ohne Urheberschaft

Meine Präsentation an der Tagung "Kultur als Software" (10/11.05.) zu Dirk v. Gehlens neuem Buch "Eine Neue Version ist Verfügfar. Zentrale Idee ist, dass wir neue Formen der Autorschaft von der Idee der Urheberschaft (der Idee am Anfang zu stehen) lösen müssen, aber auch lösen können, ohne irgendwie im Kollektiv oder Schwarm zu verschwimmen. Mit anderen Worten, Autorschaft rückt vom Anfang ins die Mitte des kreativen Prozesses.

EIN ANDERES ODER KEINES: Das Urheberrecht im Kontext gesellschaftlicher Veränderungen

Dies ist mein Beitrag zum Schwerpunkt "Urheberrecht" der Zeitschrift Gazzetta (12/2012), die von ProLitteris (Schweizerische Urheberrechtsgesellschaft für Literatur und bildende Kunst) herausgegeben wird. Dass diese sich nun für einen Dialog zu öffnen beginnt, stimmt mich hoffnungsvoll. Der von Matthias Matussek in der gleichen Ausgabe bemühte Vergleich der "Netzaktivisten" (wer genau ist das eigentlich?) mit der Hitlerjugend zeigt aber, wie tief sich einige eingebunkert haben. Und dass die Zeitschrift so analog ist, dass auf der eigenen Website nicht einmal ein Hinweis auf die Ausgabe zu finden, lässt erahnen, wie lange der Weg noch sein wird.

Der untenstehende Text ist meine Rohversion, die noch Tippfehler enthalten kann. Die redigierte und gelayoutete Fassung als eingescanntes PDF. (3.5mb)

Wir versuchen mit einem rechtlichen Instrumentarium, das die Kultur des 19. Jahrhunderts spiegelt, kulturelle Praktiken des 21. Jahrhunderts zu regeln. Das kann nicht gut gehen. Das Urheberrecht muss tiefgreifend umgestaltet werden, sonst droht es sich so weit von der Lebenswirklichkeit und den Erfahrungen der Menschen zu entfernen, dass es als ein Mittel des Zwangs der Verwerterinnen und Verwerter und nicht als ein Mittel des Schutzes der Autorinnen und Autoren erlebt wird.

Das Recht steht immer in einem komplexen Wechselverhältnis zur sozialen Wirklichkeit. Es bringt sie hervor und es nimmt sie auf. Es schafft Wirklichkeit in dem Sinne, dass es verbindliche, durchsetzungsstarke Regeln definiert, deren Wirkungsmacht auf dem staatlichen Gewaltmonopol beruhen. Das Recht ist aber selbst ein Produkt sozialer Prozesse in dem Sinne, als dass es durch die Normen, Kulturen und Machtverhältnisse des spezifischen historischen Moments seiner Formulierung geprägt wird. Die Distanz zwischen der Welt, die das Recht verkörpert und den aktuell bestehenden Normen, Kulturen und Machtverhältnissen, die es regelt, beeinflusst die soziale Legitimität eines Gesetzes. Im Normalfall eines freiheitlichen Rechtsstaats sorgt die periodische Revision des Rechtes dafür, dass diese Distanz nicht zu gross wird und die Legitimität eines Gesetzes nicht durch den steten gesellschaftlichen Wandel ausgehöhlt wird. Revisionen sind dabei immer konfliktreiche Prozesse in dem etablierte und aufsteigende Akteure darum ringen, ihre eigene Position im Gesetz zu verankern, um sich damit gegen andere besser durchsetzen zu können.

Surveillance Chess (Springerin 4/12)

London. Kurz vor Olympia. Die U-Bahn-Haltestellen sind zu den wohl meist-überwachten öffentlichen Räumen der Welt geworden. Hier setzt sich ein Mitglied der Zürcher !Mediengruppe Bitnik auf den Boden, im Blickfeld einer Überwachungskamera. Sie öffnet einen gelben Koffer und betätigt einen Schalter. Das Bild der Überwachungskamera fällt aus, auf dem Bildschirm im Kontrollraum erscheint ein Schachbrett und aus den Boxen ertönt eine Stimme: «Ich kontrolliere jetzt ihre Überwachungskamera. Ich bin die mit dem gelben Koffer.» Das Bild springt zurück auf die Frau in der U-Bahn-Station. Und wieder schaltet das Bild um auf das Schachbrett: «Wir wäre es mit einer Partie?», fragt die Stimme. «Du bist Weiß. Ich bin Schwarz. Ruf mich an oder schreib eine SMS, um deinen Zug mitzuteilen. Das ist meine Nummer: 07582460851.»

Crowdfunding the Commons: Goteo.org Interview

My interview with Olivier Shulbaum and Enric Senabre Hidalgo, from goeto.org, has just been published today over at shareable.net.

The most innovative answer to [the crisis of the copyright model] has been the rise of crowdfunding, as a way of pre-financing the first copy by creating a community around emerging projects. Kickstarter.com has established itself as the dominant model and countless derivatives are imitating it.

Unfortunately, Kickstarter is, in essence, simply a new form of market. Rather than buying the product after it has been produced, one can now buy it before it is produced and, if one donates more than a certain amount, inscribe oneself to a very limited degree into the product itself (e.g. by being mentioned a co-financier in the credits of a film project). Besides that, very little chances.

But does that need to be? Crowdfunding is a promising field because it can address many of the dynamics that underlie the crisis of the cultural economy and its transformation from a commodity- to a commons-based environment. So, it's high-time to think about and experiment with this approach in a more comprehensive way and explore more radical approaches to alternative cultural economies. How can these new means be used to fund the commons, rather than to kickstart yet another round of “cool” new products?

FS: You started your crowdfunding platform in 2010, just when Kickstarter was establishing itself as the dominant model in this field. Why do something different?

Read the entire interview over at shareable.net

Kritische Strategien zu Kunst und Urheberrecht

Kunstforum_TitelSeit bald 150 Jahren soll das moderne Urheberrecht (UHR) den Umgang mit „Werke[n] der Literatur, Wissenschaft und Kunst“ (§ 1, des aktuellen deutschen Urheberrechtsgesetz) regeln. Rund 100 Jahre zurück reichen die Anfänge der avantgardistischen Subversion bürgerlich-romantischer Konzeptionen von „KünstlerIn“ und „Werk“, die auch dem UHR zugrunde liegen. Durch die Einführung des Prinzips Zufall, die Verwendung bestehender kultureller Artefakte, die Betonung der Rolle des Unterbewussten, oder die direkte Intervention in soziale Prozesse wurde die Vorstellung des autonomen, aus sich selbst schöpfenden Subjekts von allen Seiten untergraben. Dessen ungeachtet propagierte der expandierende Kunstmarkt genau dieses KünstlerInnenbild. Vor diesem Hintergrund ist es fast erstaunlich, dass das Urheberrecht selbst erst sehr spät im Feld der Kunst direkt relevant wurde. Der erste große Gerichtsfall fand 1990-92 statt. Der Photograph Art Rogers verklagte den Künstler Jeff Koons, weil dieser nach Vorlage einer Postkarte von Rogers (Puppies, 1986) eine Skulptur (A String of Puppies, 1988) anfertigen ließ und in der Ausstellung Ushering in Banality präsentiert hatte. Im Kern ging es um die Frage, ob es sich hierbei um eine legitime künstlerische Strategie (die sich auf das US-amerikanische Recht des fair use berufen könne) oder um eine unautorisierte Werkbearbeitung handle. Koons verlor den Prozess sowohl in der ersten als auch in der zweiten Instanz und sah sich bald mit einer Fülle von Klagen konfrontiert, die konzeptuell vergleichbare Werke betrafen.

The extasy of Influence

I'm reading: The ecstasy of influence: A plagiarism, by Jonathan Lethem, (Harper's Magazine, Feb.2007). Which is how influences flow freely in art and most artists have no problem admitting this (why should they?). Today's strong claims of copyright are based on what he calls "source hypocrisy" (denial of one's sources, refusal to allow one's work to become the source for someone else). In most cases, artists themselves are less hyporcritics than the corporations, trusts, foundations administring their work. Lethem also mentions that Bob Dylan never refused the permission for a sample.

A large, diverse society cannot survive without property; a large, diverse, and modern society cannot flourish without some form of intellectual property. But it takes little reflection to grasp that there is ample value that the term “property” doesn't capture. And works of art exist simultaneously in two economies, a market economy and a gift economy. The cardinal difference between gift and commodity exchange is that a gift establishes a feeling-bond between two people, whereas the sale of a commodity leaves no necessary connection. (....) But a gift makes a connection. There are many examples, the candy or cigarette offered to a stranger who shares a seat on the plane, the few words that indicate goodwill between passengers on the late-night bus. These tokens establish the simplest bonds of social life, but the model they offer may be extended to the most complicated of unions—marriage, parenthood, mentorship. If a value is placed on these (often essentially unequal) exchanges, they degenerate into something else.
(....)

AP alleges copyright infringement of Obama image


NEW YORK (AP, 04.02.2009) — On buttons, posters and Web sites, the image was everywhere during last year's presidential campaign: a pensive Barack Obama looking upward, as if to the future, splashed in a Warholesque red, white and blue and underlined with the caption HOPE.

Designed by Shepard Fairey, a Los-Angeles based street artist, the image has led to sales of hundreds of thousands of posters and stickers, and has become so much in demand that copies signed by Fairey have been purchased for thousands of dollars on eBay.

The image, Fairey has acknowledged, is based on an Associated Press photograph, taken in April 2006 by Mannie Garcia on assignment for the AP at the National Press Club in Washington.

The AP says it owns the copyright, and wants credit and compensation. Fairey disagrees.

The article quotes competing opinions about whether this is fair use or not, with all the usual hair splitting.

There's an interview with Fairey where talks about all the different influences that guided his transformation of the image and how other people worked on his stuff. Which makes the fair use discussion even more absurd.

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