economy

Warum Apple und Google eine Bedrohung sind (sz.de)

Eine gute Ergänzung zum Interview mit der Tagesschau, das von einigen als zu optimistisch kritisiert wurde (und das mir, optimistisch!)

Heute organisieren Künstler, Fans und Unternehmen ihre eigenen Öffentlichkeiten und so wuchern viele neue kulturelle Nischen. Doch Google, Apple, Facebook und Co. bedrohen diese - durch den Aufbau kommerzieller Hierarchien.

Die kulturellen Ökonomien des Internets werden von zwei unterschiedlichen, ja sogar entgegengesetzten Dynamiken bestimmt. Zum einen können wir ein Aufblühen neuer kultureller Gemeinschaften und horizontaler Organisationsformen beobachten. Zum anderen erleben wir die Entstehung sozialer Fabriken, in der jede unserer Handlungen Arbeit für den Profit der Eigentümer der hochgradig zentralisierten Plattformen darstellt.

Ganzer Artikel in der Süddeutsche Zeitung (17.04.2012)

Gratiskultur im Internet "Das Publikum wird Teil der Produktion"

Verlage, Musikindustrie und Künstler wehren sich verstärkt gegen eine "Kostenloskultur" im Internet. Sie setzen aber auf falsche Ideen, meint Kulturwissenschaftler Felix Stalder im Interview mit tagesschau.de. Denn die alten Bezahlmodelle seien am Ende - die Zukunft der Kultur liege im Schwarm.

tagesschau.de: Die Erfindung des modernen Buchdrucks gilt als wichtigster Meilenstein auf dem Weg in die Wissensgesellschaft. Als was wird die digitale Vervielfältigung von Informationen, Musik, Bildern in die Geschichte eingehen?

Felix Stalder: Das wird wohl als ein ähnlicher Moment in die Geschichte eingehen. Es hat fundamental das Verhalten verändert, wie wir Informationen suchen, finden und sie weiter verarbeiten. Bislang waren wir als Leser oder Zuhörer dazu verdammt, passiv zu konsumieren. Durch die neuen Medien verschwimmen die Rollen zwischen Autor und Publikum und Zuhörer aber immer mehr.

tagesschau.de: Mit welchen Folgen?

Stalder: Wir erleben es immer häufiger, dass Fans zum Beispiel in der Musik Elemente eines Liedes nehmen und davon Remixe erstellen, sie zu eigenen Werken machen. Das hat nicht notwendigerweise professionelles Niveau, aber es verändert die Beziehung zwischen Künstler und Publikum.

"Es geht um die freie Nutzung von Inhalten"

tagesschau.de: Bedeutet frei zugänglich denn auch gleich gratis?

Peter Purgathofer spricht mit... mir!

Der Postcast des Gesprächs mit Peter Purgatofer ist online. Es ist die 10. Folge seiner lohnenswerten, ausführlichen Gespräche zu "gesellschaftlichen Spannungsfeldern der Informatik".

Das Gespräch war eines von denen, die für mich direkten Einfluss auf die Lehrveranstaltung haben werden; einige der angesprochenen Zusammenhänge waren mir in dieser Form noch nicht bewusst, und die Phrase "standing on the heads of many many dwarfs" (statt "standing on the shoulders of giants") wird mein argumentatives Handwerkszeug bereichern.

Eigentlich wollte ich mit Felix Stalder ja über Privacy, Google, Facebook und Überwachung reden, weil ich da einen wirklich interessanten und durchaus provokativen Artikel von ihm gelesen haben, aber dazu sind wir nicht gekommen, wir sind beim Copyright hängen geblieben. Ausgehend von der unglücklichen »Kunst hat Recht«-Initiative haben wir Geschichte, Funktionsweise, Veränderung und das notwendige Ende von Copyright in der heutigen Form diskutiert. Vielleicht findet sich in der zweiten Staffel (LOL) ja Zeit für noch ein Gespräch mit Felix Stalder.

Download mp3 (86 MB, 93 Min)

Beyond Copyright. The Demise of the Fordist Cultural Industries

The copyright crisis, which we experience in countless episodes everyday, is, to a large degree, nothing more than the crisis of the Fordist model of production within the cultural industries. This crisis is however more dramatic here than in other sectors, for because nowhere else has this model been so formative in shaping the identity of middle-class society, is so deeply entrenched in their social institutions, or goes so far back. Namely to 1452. The printing press was a Fordist machine avant la lettre in the sense that it allowed for artifacts to be produced through capital- and technology-intensive processes based on the division of labor and in large quantities for supra-regional markets.

read the entire article over at the EICPC (European Institute for Progressive Cultural Policies

Diskussion zu "Kunst hat Recht", oe1 Kulturjournal 26.01.2012

Als Folge unserer Replik (Standard.at 25.01) auf die naïve und fehlgeleitete Initiative "Kunst hat Recht" wurde ich zu einer Studiodiskussion (oe1 Kulturjournal, 26.01.2012) mit Gerhard Ruiss, einem der Initiatoren der Kampagne, eingeladen. Wem "naïv" und "fehlgeleitet" zu polemisch erscheinen, der ist eingeladen, das Interview anzuhören. Da spricht sich Ruiss etwa für ACTA und ähnliche Massnahmen aus (fehlgeleitet), aber betont gleichzeitig, dass er gegen Netzsperren etc sei (naïv). Das gehört zur Kategorie "Schwimmen ohne nass zu werden."

Tina Leisch hat heute einen sehr guten Kommentar auf Standard.at zur Diskussion veröffentlicht. Ihr Fazit:

Ja, und eine Bitte an alle die KünstlerInnen, die die Kampagne "Kunst hat Recht" unterschrieben haben, aber noch ein Che-Guevara-Leiberl im Kasten liegen haben: Bitte ganz schnell entsorgen, ohne dass es wer sieht. Sonst sind Sie völlig unglaubwürdig! Oder zumindest sofort Lizenzgebühren an die Österreichisch-Kubanische Gesellschaft überweisen (Erste Bank, BLZ 20111, Kto-Nr. 297 238 701 00).

Update 05.02.2012. Unser Kommentar im Standard hat eine sehr heftige Antwort der Initiatoren ausgelöst. In einem öffentlichen Brief haben sie unseren Beitrag als "sonders perfide" bezeichnet und eine der AutorInnen direkt angegriffen. Hier der offene Brief und die Replik darauf.

Starlet-Ökonomie: Flattr und die Logik der Nische (Berliner Gazette)

Filme, Musik und Texte werden im Internet hin- und hergeschoben wie Muscheln am Meeresgrund. Herkömmliche Geschäftsmodelle sind durch solche Netzkulturen obsolet gemacht worden. Während viele darüber klagen, entwickeln sich längst neue ökonomische Ansätze. Einer der vielversprechendsten davon ist flattr. Dies ist zwar keine Pauschallösung, aber das ist auch gut so, denn das kommt dem dezentralen Charakter des Netzes entgegen.
Rest des Artikels und Diskussion bei der Berliner Gazette.

Dicke Bretter für die Netzpolitik

Mein Beitrag zu der Debatte zur Digitalisierung im Wiener Standard (13.08.2011). Parallel dazu der Beitrag von Konrad Becker: "Experten im Schatten, Weisheit der Menge" zu Überwachung und Informationsfreiheit.

Der Rundfunk marginalisiert sich selbst, das Urheberrecht kann den digitalen Geist nicht einfangen - Die Politik muss lernen, mit den Möglichkeiten und Gefahren des Internets produktiv umzugehen

Lange Zeit hat die Politik die Digitalisierung der Gesellschaft und die damit verbundenen Umwälzungen verschlafen. Wesentliche Entscheide wurden im fernen Brüssel oder im noch ferneren Genf, am Sitz der World Intellectual Property Organisation (Wipo), getroffen und in Wien mit dem Verweis auf internationale Verpflichtungen eher still umgesetzt.

Das Thema galt lange als unverständlich, unwichtig und unpopulär. Mit dem Auftauchen der Piratenpartei in Schweden begann sich das langsam zu ändern. Im österreichischen Parlament fand im Januar dieses Jahres eine erste Enquete zum Thema statt.

Das war auch höchste Zeit, denn es stehen einige drängende Fragen an, deren politische Beantwortung nicht unwesentlich den Charakter der Informationsgesellschaft prägen wird.

Relax! Producing culture in a weak intellectual property environment

I just published this article on eurozine, based on the talk I gave at their conference, Changing media – Media in change in mid May in Linz, Austria. Here's the argument in a nutshell:

Cultural producers should be relaxed about digital technology's erosion of copyright. A weak copyright regime offers a chance to re-embed cultural production in concrete, personal relationships out of which new economic models can and do emerge.

If you want to know why and how this is the case, you'll have to read the whole article.

For those with very little time, here's the conclusion, and, very important in my view, how to avoid the argument about new opportunities to be high-jacked by the conservatives who want to cut public cultural funding.

Re-embedding culture

One way to understand copyright is as an abstracting mechanism. Copyright stabilizes a work so that it can be lifted out of concrete social relations – between the author and her cultural environment – and made to circulate as a commodity in abstract, impersonal markets. The more innovative alternative models re-embed cultural works in concrete, personal social relationships. This is made possible through social media of all sorts, which allow personal relationships to grow beyond the small and the immediate. Strong copyright is not helpful in this process. Indeed, it is detrimental to it, because of the strict separation between author and audience, where one is entirely active the entirely passive. Re-embedding cultural production into concrete social relationships requires that all parties actively contribute to creating the particular environment. Their contributions are highly differentiated – not all people are, or need to become, an artist.

The state of free culture, 2011

The Free Culture Forum released the Declaration on Sustainable Models for Creativity in the Digital Age in February 2011 following their second Forum in Barcelona in October 2010. This loose global network of artists, cultural producers, political activists and scholars is spearheading a movement to enable culture to be free for all to express and enjoy and to prevent it from being enclosed through copyright and other regulations that are preventing access to what should be a cultural commons.

In this text, I will assess the state of free culture today by first locating it within the broader movement for the digital commons. I will then look at the first two phases of free culture which centered around technological and legal issues. This sets the context to assess the current phase of economic and institutional experimentation.

The full article is here. A substantially shortened, but nicely lay-outed version is here (pdf, 8.8.MB), as published in the Spring|Summer issue of the Komsos Journal.

Free Culture Forum Declaration

sustainable creativity

The Free Culture Forum has launched its declaration on "Sustainable Models for Creativity in the Digital Age". After last year's "Charter for Innovation, Creativity and Access to Knowledge", the declaration is an important next step in the self-definition of the free culture movement. It moves beyond licensing issues, focusing instead on long-term sustainability, which needs to combine income streams for professional producers with the right to access and re-use material for the general public. I think this is crucial, but admit to being somewhat biased, since I played a part in drafting these documents. See for yourself.

We can no longer put off re-thinking the economic structures that have been producing, financing and funding culture up until now. Many of the old models have become anachronistic and detrimental to civil society. The aim of this document is to promote innovative strategies to defend and extend the sphere in which human creativity and knowledge can prosper freely and sustainably.

This document is addressed to policy reformers, citizens and free/libre culture activists to provide them practical tools to actively operate this change.