economy

Digitale Solidarität. Perspektiven der Netzpolitik

via netzpolitik.org

Auf dem “Netz für alle”-Kongress der Rosa Luxemburg Stiftung / Linken Bundestagsfraktion hat Felix Stalder die Einführungskeynote mit dem Titel “Digitale Solidarität. Perspektiven der Netzpolitik” gehalten. Mit seiner freundlichen Genehmigung veröffentlichen wir die Rede als Gastartikel und Debattenbeitrag.

Wir stehen vor einer historischen Chance, neue Formen solidarischen Handeln zu erfinden. Das politisch-ökonomische System in Europa, aber auch darüber hinaus, steckt in einer tiefen Krise. Diese hat viele Gründe. Einer davon ist, dass sich im Kern der avanciertesten Bereiche der Ökonomie ein Widerspruch verschärft. Auf der einen Seite haben wir die zunehmende Bedeutung der Momente der sozialen Interaktion, des Austauschs, des vernetzen Wissens- und Handelns, auf der anderen Seite haben wir eine sich verschärfende Logik der privaten Aneignung dieser gemeinsam hervorgebrachten Werte. Während die eine Seite sich immer wieder der Aneignung zu entziehen versucht, und mit freien Lizenzen auch teilweise Mittel gefunden hat, das zu tun, sucht die andere nach immer neuen Wegen, um Wissen und Kultur zu privatisieren und läuft Gefahr, damit die Voraussetzungen für neue die Entsehung neuen Wissens und neuer Kultur zu zerstören. Es wird sich noch herausstellen, ob wir es hier mit einem Widerspruch zwischen Produktions- und Eigentumsformen zu tun haben, den Karl Marx als Voraussetzung für einen Wechsel in der Produktionsweise diagnostizierte. Es ist denkbar, aber sicher ist das nicht.

Der ganze Text findet sich auf hier (netzpolitik.org) und hier (netzfueralle). Das Video ist angekündigt, aber noch nicht online.

Update (1.10.12): Das Video ist hier.

Networks Between Control and Autonomy

Here's my talk at LiWoli- Art Meets Radical Openness..

Abstract: Everyday experiences of networked society oscillate between processes of intensified control (Facebook, data retention, profiling) and new niches of autonomy (Wikileaks, Anonymous, commons-based peer production). Where does this contradictoriness of the networks come from? What can we do to expand the niches of autonomy without facilitating the processes of control?

Recording of the live-broadcast from Stadtwerkstatt, Linz (AT) on 25.5.2012, duration: 48:55

Crowdfunding the Commons: Goteo.org Interview

My interview with Olivier Shulbaum and Enric Senabre Hidalgo, from goeto.org, has just been published today over at shareable.net.

The most innovative answer to [the crisis of the copyright model] has been the rise of crowdfunding, as a way of pre-financing the first copy by creating a community around emerging projects. Kickstarter.com has established itself as the dominant model and countless derivatives are imitating it.

Unfortunately, Kickstarter is, in essence, simply a new form of market. Rather than buying the product after it has been produced, one can now buy it before it is produced and, if one donates more than a certain amount, inscribe oneself to a very limited degree into the product itself (e.g. by being mentioned a co-financier in the credits of a film project). Besides that, very little chances.

But does that need to be? Crowdfunding is a promising field because it can address many of the dynamics that underlie the crisis of the cultural economy and its transformation from a commodity- to a commons-based environment. So, it's high-time to think about and experiment with this approach in a more comprehensive way and explore more radical approaches to alternative cultural economies. How can these new means be used to fund the commons, rather than to kickstart yet another round of “cool” new products?

FS: You started your crowdfunding platform in 2010, just when Kickstarter was establishing itself as the dominant model in this field. Why do something different?

Read the entire interview over at shareable.net

Between democracy and spectacle. The front and the back of the social web.

Here is my contribution to the Social Media Reader

As more of our data, and the programs to manipulate and communicate this data, move online, there is a growing tension between the dynamics on the front (where users interact) and on the back (to which the owners have access). If we look at the front-end, the social web, or Web2.0, may well advance semiotic democracy, that is, “the ability of users to produce and disseminate new creations and to take part in public cultural discourse” (Stark, 2006). If we consider the back-end, however, may just as well turn into Spectacle 2.0, new forms of control and manipulation, masked by a mere simulation of involvement and participation, creating the contemporary version of what Guy Debord (1967: § 6) called “the heart of the unrealism of the real society.” Both of these scenarios are currently being realized. Yet, how these relate to one another, which is dominant in which situation and for which users, is not yet clear and likely to remain highly flexible. The social meaning of the technologies is not determined by the technologies themselves, rather it will be shaped and reshaped by how they are embedded into social life, advanced, and transformed by the myriad of individual actors, large institutions, practices, and projects that constitute contemporary reality.

Social Media Reader: Out Now!

It took a while, but now the Social Media Reader, a great collection of essays on the culture and politics of social media, edited by Michael Mandiberg, is now out from New York University Press.

From the backcover of the book:

With the rise of web 2.0 and social media platforms taking over vast tracts of territory on the internet, the media landscape has shifted drastically in the past 20 years, transforming previously stable relationships between media creators and consumers. The Social Media Reader is the first collection to address the collective transformation with pieces on social media, peer production, copyright politics, and other aspects of contemporary internet culture from all the major thinkers in the field. Culling a broad range and incorporating different styles of scholarship from foundational pieces and published articles to unpublished pieces, journalistic accounts, personal narratives from blogs, and whitepapers,

Kulturrisse mit Schwerpunkt Urheberrechtsdebatte erschienen

Soeben erschienen!
Urheberrechte für alle ... sonst gibt's Krawalle! Kulturrisse 01/2012

Spätestens seit den Protesten gegen das Anti-Piraterie-Abkommen ACTA (Anti-Counterfeiting Trade Agreement) im heurigen Frühjahr sind sie wieder in aller Munde: die Debatten um Urheber- und Verwertungsrechte und ihre längst überfällige Reform.

Jenseits des Urheberrechts
Felix Stalder Die Krise des Urheberrechts, die wir in unzähligen Episoden tagtäglich erleben, ist im Grunde nichts anderes als die Krise des fordistischen Produktionsmodells in den Kulturindustrien.

Urheberrechtskampagnen und der Halbwilde
Paul Stepan Für lösungsorientierte Ansätze in der Diskussion um den Zusammenhang zwischen Urheberrecht und Digitalisierung.

Vielfältige Rechtsauslegungen
Monika Mokre Viele Kulturschaffende sind sich darin einig, dass die Maßnahmen Österreichs für den Schutz der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen nicht angemessen sind, da sie zu einer ständig prekären ökonomischen Situation von Kulturschaffenden führen.

In schlechter Gesellschaft

Warum Apple und Google eine Bedrohung sind (sz.de)

Eine gute Ergänzung zum Interview mit der Tagesschau, das von einigen als zu optimistisch kritisiert wurde (und das mir, optimistisch!)

Heute organisieren Künstler, Fans und Unternehmen ihre eigenen Öffentlichkeiten und so wuchern viele neue kulturelle Nischen. Doch Google, Apple, Facebook und Co. bedrohen diese - durch den Aufbau kommerzieller Hierarchien.

Die kulturellen Ökonomien des Internets werden von zwei unterschiedlichen, ja sogar entgegengesetzten Dynamiken bestimmt. Zum einen können wir ein Aufblühen neuer kultureller Gemeinschaften und horizontaler Organisationsformen beobachten. Zum anderen erleben wir die Entstehung sozialer Fabriken, in der jede unserer Handlungen Arbeit für den Profit der Eigentümer der hochgradig zentralisierten Plattformen darstellt.

Ganzer Artikel in der Süddeutsche Zeitung (17.04.2012)

Gratiskultur im Internet "Das Publikum wird Teil der Produktion"

Verlage, Musikindustrie und Künstler wehren sich verstärkt gegen eine "Kostenloskultur" im Internet. Sie setzen aber auf falsche Ideen, meint Kulturwissenschaftler Felix Stalder im Interview mit tagesschau.de. Denn die alten Bezahlmodelle seien am Ende - die Zukunft der Kultur liege im Schwarm.

tagesschau.de: Die Erfindung des modernen Buchdrucks gilt als wichtigster Meilenstein auf dem Weg in die Wissensgesellschaft. Als was wird die digitale Vervielfältigung von Informationen, Musik, Bildern in die Geschichte eingehen?

Felix Stalder: Das wird wohl als ein ähnlicher Moment in die Geschichte eingehen. Es hat fundamental das Verhalten verändert, wie wir Informationen suchen, finden und sie weiter verarbeiten. Bislang waren wir als Leser oder Zuhörer dazu verdammt, passiv zu konsumieren. Durch die neuen Medien verschwimmen die Rollen zwischen Autor und Publikum und Zuhörer aber immer mehr.

tagesschau.de: Mit welchen Folgen?

Stalder: Wir erleben es immer häufiger, dass Fans zum Beispiel in der Musik Elemente eines Liedes nehmen und davon Remixe erstellen, sie zu eigenen Werken machen. Das hat nicht notwendigerweise professionelles Niveau, aber es verändert die Beziehung zwischen Künstler und Publikum.

"Es geht um die freie Nutzung von Inhalten"

tagesschau.de: Bedeutet frei zugänglich denn auch gleich gratis?

Peter Purgathofer spricht mit... mir!

Der Postcast des Gesprächs mit Peter Purgatofer ist online. Es ist die 10. Folge seiner lohnenswerten, ausführlichen Gespräche zu "gesellschaftlichen Spannungsfeldern der Informatik".

Das Gespräch war eines von denen, die für mich direkten Einfluss auf die Lehrveranstaltung haben werden; einige der angesprochenen Zusammenhänge waren mir in dieser Form noch nicht bewusst, und die Phrase "standing on the heads of many many dwarfs" (statt "standing on the shoulders of giants") wird mein argumentatives Handwerkszeug bereichern.

Eigentlich wollte ich mit Felix Stalder ja über Privacy, Google, Facebook und Überwachung reden, weil ich da einen wirklich interessanten und durchaus provokativen Artikel von ihm gelesen haben, aber dazu sind wir nicht gekommen, wir sind beim Copyright hängen geblieben. Ausgehend von der unglücklichen »Kunst hat Recht«-Initiative haben wir Geschichte, Funktionsweise, Veränderung und das notwendige Ende von Copyright in der heutigen Form diskutiert. Vielleicht findet sich in der zweiten Staffel (LOL) ja Zeit für noch ein Gespräch mit Felix Stalder.

Download mp3 (86 MB, 93 Min)

Beyond Copyright. The Demise of the Fordist Cultural Industries

The copyright crisis, which we experience in countless episodes everyday, is, to a large degree, nothing more than the crisis of the Fordist model of production within the cultural industries. This crisis is however more dramatic here than in other sectors, for because nowhere else has this model been so formative in shaping the identity of middle-class society, is so deeply entrenched in their social institutions, or goes so far back. Namely to 1452. The printing press was a Fordist machine avant la lettre in the sense that it allowed for artifacts to be produced through capital- and technology-intensive processes based on the division of labor and in large quantities for supra-regional markets.

read the entire article over at the EICPC (European Institute for Progressive Cultural Policies

Syndicate content