15.11. In Search of Serendipity (Vienna)

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Search for... Serendipity. The more you search, the less you find.

Ein Projekt von Julia Hartmann & Magdalena Stöger

Diskussionsrunde mit ExpertInnen und WissenschaftlerInnen
15. November 2016, 17.30 Einlass, 18.00 Beginn
Projektraum Malzgasse 12A
Malzgasse 12A
1020 Wien

https://www.facebook.com/searchforserendipity/

Mit den Daten, die wir in unsere Smartphones und Computer eingeben füttern wir tagtäglich Algorithmen, die unterschwellig Informationen filtern, Wissen klassifizieren und unser (zukünftiges) Ich beeinflussen. Dir ist vielleicht bewusst, dass du ein gläserner Mensch bist, aber ist dir auch bewusst, dass unser Onlineverhalten nicht nur beobachtet und gespeichert wird, so dern auch ein digitales Abbild unserer Persönlichkeit schafft?

Die mathematische Übersetzung charakteristischer Eigenschaften in normative Interessen, Entscheidungen und Meinungen steuert unseren Individualisierungsprozess hin zu einer gewissen Vorhersehbarkeit – jeder Klick, jedes Like und jeder Suchbegriff hilft zu bestimmen wer du bist. Dadurch sind die angebotenen Informationen von deiner früheren Suche abhängig und können sogar deine zukünftige Denkweise beeinflussen. Wir können nicht mitentscheiden, was wir angeboten und was wir nie zu sehen bekommen – die Informationsblase​1​, in der wir uns befinden, platzt nicht.

Aber wer kontrolliert diesen Informationsfluss? Wer filtert, kategorisiert oder zensiert?

Redakteure oder so-genannte „gatekeepers“, die für Regierungen oder Firmen arbeiten, programmieren Algorithmen mit ihren eigenen moralischen Vorstellungen und ökonomischen Interessen. Klicks, Likes und Suchbegriffe sind in diesem Zusammenhang genauso wertvoll wie Gold. Unsere Gesellschaft muss neue ethische Richtlinien schaffen um den Editierungsprozess auszugleichen und um sicherzustellen, dass das „was denkst du gerade“​2 nicht instrumentalisiert wird. Wir müssen Wissbegierde einen Raum lassen, damit wir weiterhin Verknüpfungen zum Unbekannten schaffen können. Etwas Wesentliches wird nämlich kontinuierlich eliminiert: Chance, Glück, Zufälligkeit, Serendipität – das zufällige Finden von etwas Unerwartetem, Unbekannten, etwas, dass uns (vielleicht grundlegend) verändern könnte. Ironischerweise schwindet Serendipität je mehr wir online suchen. Somit bringt die rasche technologische Entwicklung von Algorithmen den Zufall und die Freiheit zum Scheitern in Gefahr. „Zufall entsteht durch Fehlordnung, nicht Regelhaftigkeit.

Es setzt Wahllosigkeit voraus – sein Licht funkelt in dunkler Obskurität auf. Wir scheitern wenn wir es vom Unglücksfall abschirmen und sein Funke lässt ihn im Stich.“​3 Das laufende Forschungsprojekt ​Search for... nimmt sich zur Aufgabe diese fortwährende Auslöschung von etwas bewusst zu machen, das jeden Tag einzigartig macht und unser digitales Bestehen individuell gestaltet. Um Bewusstsein für dieses Phänomen zu schaffen, laden wir im Offspace ​Malzgasse 12A zu einer Diskussionsrunde mit Expertinnen aus unterschiedlichen Bereichen ein. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse werden in zukünftigen Ausstellung den BesucherInnen zugänglich gemacht. Gemeinsam wollen wir eine Suche anregen, die den Raum für das Unbekannte offen lässt.

1 siehe die Definition „Filter Bubble“ von Eli Pariser
2 wie zB der
Aufruf ”Was machst du gerade?” auf Facebook
3 George Bataille

Diskussionsrunde mit ExpertInnen und WissenschaftlerInnen:
Felix Stalder​, Professor für digitale Kultur und Theorien der
Vernetzung / Mitglied bei Technopolitics und Institute for New Cultural Technologies

Astrid Mager​, Wissenschafts- und Technikforscherin am Institut für
Technikfolgenabschätzung

Julian Palacz​, Künstler

Lukas Feiler​, Jurist, spezialisiert auf Cyberlaw

Lena Doppel​, Digital Strategist, Autorin (Digital Happiness)
Die KuratorInnen

Magdalena Stöger (*1988, Österreich) ist Kunsthistorikerin und Kuratorin
in Wien. Sie hat für die Secession und das 21er Haus gearbeitet und beschäftigt sich derzeit mit dem Einfluss von Algorithmen auf unsere individuellen und
sozial-gesellschaftlichen Entwicklungen.

Julia Hartmann (*1985, Österreich) ist Kunsthistorikern und Kuratorin in
Wien. Sie hat für die Secession gearbeitet und eigene Ausstellungen im Ausland kuratiert. Derzeit arbeitet sie als Assistenzkuratorin im 21er Haus und beschäftigt sich mit Überwachungsstrukturen und deren Einfluss auf unser Sozialverhalten.

Der Veranstaltungsort Malzgasse 12A ​ist ein unabhängiger Projektraum in Wien der von ​Robert Bodnar und jungen ArchitektInnen organisiert wird. Es hat sich zum Ziel genommen den 2. Bezirk mit einem lebendigen Programm zu vitalisieren, indem sie junge nationale und internationale KünstlerInnen und KuratorInnen einladen ihre Projekte dort zu verwirklichen.