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Instrastrukturen des Sozialen Netz: Straße, Karte und selbstfahrendes Auto in einem

Mein Beitrag in der Berliner Gazette zu den Machtverhätnissen in den Infrastrukturen des Netzes.

Das heutige Internet bietet „out-of-the-box“, und dazu noch meistens kostenlos, sehr viel Organisationsfähigkeit an. Alles ist leicht zugänglich und leicht zu benutzen, aber dennoch erstaunlich effektiv und ermöglicht Menschen und Handlungen in einer Masse zu organisieren, für die noch vor kurzem eine große, teure bürokratische Organisation notwendig gewesen wäre.

Die Idee des „Organisierens ohne Organisation“ (Clay Shirky) atmet jenen optimistischen Geist, der das Netz nach wie vor umgibt: die Vision einer transparenten, auf weitgehender Freiwilligkeit beruhenden Gesellschaft, die Utopie der semiotischen Demokratie, der Fähigkeit der UserInnen, Neues zu kreieren, es zu teilen und am öffentlichen kulturellen Diskurs teilzunehmen. Es ist der sich immer wieder erneuernde Traum des Internets.

Die leichten, flexiblen Organisationen sind eine Realität, eine erfreuliche sogar. Aber sie sind nur die Hälfte der Gleichung und das Gerede davon ist sehr problematisch. Denn die Idee selbst maskiert die andere Hälfte der Gleichung, nämlich dass sehr viele der Ressourcen des Organisierens aus den Organisationen ausgewandert sind und in die Infrastruktur selbst verlagert wurden.

Der ganze Beitrag in der Berliner Gazette

Zur Bestimmung der Freiheit in freier Kultur

Dossier_WP

Die Bundeszentrale für Politische Bildung hat so eben hier Dossier Wikipedia aufgeschaltet. Es enthält über 20 Beiträge zu den Themen: Geschichte / Machtstrukturen / Globalisierung von Wissen / Journalismus / (Politische) Bildung / Wissenschaft.

Im dem Bereich Machtstrukturen ist auch mein Betrag zu finden: Zur Bestimmung der Freiheit in freier Kultur" Der Text schliesst mit folgender Überlegung:

Die Freiheit der freier Kultur

Als eine erste Annäherung, um den Charakter eines "freien" Projekts zu beurteilen, kann es also hilfreich sein, sich zu fragen, wie der Handlungsspielraum der Nutzer und der Produzenten innerhalb des Projekts konfiguriert ist. Welche Möglichkeiten haben sie, zwischen den verschiedenen Rollen zu wechseln? Wer bestimmt die Regeln und deren Anwendung? Diese Fragen wiederum haben sowohl juristische wie auch technische Dimensionen, und sie sind in konkrete organisatorische und kulturelle Praktiken eingebettet.

The Author at the End of the Gutenberg Galaxy

I just finished my talk at Former West, a contemporary art research, education, publishing, and exhibition project (2008–2014). Below are my slides. The talk was also recorded. Perhaps it will be made available later. Nothing I can influence.

Afterwards, there was a great discussion with Katja Mayer and Theo Röhle on "Rankings and Cartels. Self-Optimization in Quantified Knowledge Environments".

Kulturelle Produktion und Mediennutzung im Alltag (Interview, Futurezone.at)

Interview mit der Futurezone zur kultureller Produktion und Mediennutzung im Alltag, was Thema der kürzlich veröffentlichen Studie für die Arbeiterkammer Wien war.

Mediennutzung, die über reinen Konsum hinausgeht, finde heute vielfach in einer rechtlichen Grauzone oder in der Illegalität statt, sagt der Medientheoretiker Felix Stalder. "Viele Handlungen, die gesellschaftlich wünschenswert wären, unterbleiben deshalb", meint Stalder im Gespräch mit der futurezone.at: "Es geht viel Potenzial verloren."

Ganzes Interview hier lesen

Kulturelle Produktion und Mediennutzung im Alltag

Jetzt erschienen: unsere Studie "Kulturelle Produktion und Mediennutzung im Alltag: urheberrechtliche Problemfelder und politische Lösungsperspektiven", die wir für die Kammer für Arbeiter und Angestellte für Wien, verfasst haben.

Die Studie fokussiert auf kreative Handlungen in verschiedenen Feldern des Alltags – etwa im Bereich der Bildung, der Freizeit oder des zivilgesellschaftlichen Lebens – und daraus entstehende Risiken, die viele der wünschenswerten Potentiale der Digitalisierung im Alltag behindern oder ganz blockieren.Um diese Blockade zu lösen, eicht es nicht, an der bestehenden Konstruktion des Urheberrechts einige Details anzupassen. Vielmehr stehen wir vor einer grundsätzlichen Frage: Wollen wir die Kreativität und Kommunikationsfähigkeit breiter Bevölkerungsschichten befördern?

Sollte die Antwort mit JA ausfallen – und wir sind überzeugt, dass wir als Gesellschaft dieses Potential fördern müssen – dann stehen größere Reformen am Urheberrecht an. Die Notwendigkeit dafür ins Blickfeld zu rücken und politische Perspektiven für die Diskussion zu entwickeln ist das Ziel der Studie.

Die ganze Studie kann hier online eingesehen werden (pdf, 102 kb)

"Was ich nicht finde, fehlt mir nicht" (interview taz.de)

Jeder Nutzer bekommt bei Google personalisierte Treffer angezeigt. Der Medientheoretiker Felix Stalder fragt sich, woher das Unternehmen weiß, was das Beste für einen ist. (Interview: Svenja Bergt, 15.2.2013)

Neun Thesen zum Remix (Interview)

Interview mit dem Bayrischen Rundfunk (Autor: Matthias Leitner. 11.02.2013, 11 Min.)
Digitale Kultur, Netzpolitik und Remix-Kultur sind Steckenpferde von Felix Stalder. 2009 hat er "Neun Thesen zur Remix-Kultur" veröffentlicht. Eine davon: "Der Remix senkt die Hürde der Produktion und erweitert den Kreis der Produzenten". Wir sprechen mit ihm über den kulturellen Einfluss der Filesharingplattform "The Pirate Bay", über aktuelle Entwicklungen und wie aus Kultur-Recycling Neues entsteht.

Jahrbuch Netzpolitik 2012 – Von A wie ACTA bis Z wie Zensur

Eben ist das "Jahrbuch Netzpolitik 2012 – Von A wie ACTA bis Z wie Zensur“ erschienen.

Das Buch ist der Rückblick auf 2012 der Plattform netzpolitik.org. Es enthält nebst vielen anderen Beiträgen auch meinen Text zur Digitalen Solidarität (S.231-240).

Aus der Selbstbeschreibung:
Netzpolitik betrifft alle, jede und jeden. Was im Jahr 2012 wichtig war, was vielleicht auch zu kurz kam, darauf blickt dieses Jahrbuch zurück. Die Autorinnen und Autoren waren Beobachter und Akteur zugleich. Ihre Berichte in diesem Buch fassen die wichtigsten Themen des Jahres zusammen, ordnen ein und reflektieren. Von A wie ACTA und Anonymous über Open-Data und Überwachung bis zu Urheberrecht und Z wie Zensur: komprimiert, informiert und frei lizenziert.

270 Seiten! Mit Beiträgen von: Jan-Phillip Albrecht, Markus Beckedahl, Annegret Bendiek, Mirko Boehm, Jörg Braun, Ulf Buermeyer, Gabriella Coleman, Leonhard Dobusch, Kirsten Fiedler, Karina Fissguss, Kilian Froitzhuber, Volker Grassmuck, Johnny Haeusler, Christian Heise, Jeanette Hofmann, Jōichi ‘Joi’ Itō, Andrea Jonjic, Matthias Kirschner, Julia Kloiber, Constanze Kurz, Lawrence Lessig, Falk Lüke, Lorenz Matzat, Tim Maurer, Joe McNamee, Andre Meister, Matthias Monroy, John F. Nebel, Frank Rieger, Alexander Sander, Ben Scott, Felix Stalder, Moritz Tremmel, Ben Wagner, Stefan Wehrmeyer und Jillian C. York.

ISBN: 9783844242522

Alle weitere Information ist hier.

EIN ANDERES ODER KEINES: Das Urheberrecht im Kontext gesellschaftlicher Veränderungen

Dies ist mein Beitrag zum Schwerpunkt "Urheberrecht" der Zeitschrift Gazzetta (12/2012), die von ProLitteris (Schweizerische Urheberrechtsgesellschaft für Literatur und bildende Kunst) herausgegeben wird. Dass diese sich nun für einen Dialog zu öffnen beginnt, stimmt mich hoffnungsvoll. Der von Matthias Matussek in der gleichen Ausgabe bemühte Vergleich der "Netzaktivisten" (wer genau ist das eigentlich?) mit der Hitlerjugend zeigt aber, wie tief sich einige eingebunkert haben. Und dass die Zeitschrift so analog ist, dass auf der eigenen Website nicht einmal ein Hinweis auf die Ausgabe zu finden, lässt erahnen, wie lange der Weg noch sein wird.

Der untenstehende Text ist meine Rohversion, die noch Tippfehler enthalten kann. Die redigierte und gelayoutete Fassung als eingescanntes PDF. (3.5mb)

Wir versuchen mit einem rechtlichen Instrumentarium, das die Kultur des 19. Jahrhunderts spiegelt, kulturelle Praktiken des 21. Jahrhunderts zu regeln. Das kann nicht gut gehen. Das Urheberrecht muss tiefgreifend umgestaltet werden, sonst droht es sich so weit von der Lebenswirklichkeit und den Erfahrungen der Menschen zu entfernen, dass es als ein Mittel des Zwangs der Verwerterinnen und Verwerter und nicht als ein Mittel des Schutzes der Autorinnen und Autoren erlebt wird.

Das Recht steht immer in einem komplexen Wechselverhältnis zur sozialen Wirklichkeit. Es bringt sie hervor und es nimmt sie auf. Es schafft Wirklichkeit in dem Sinne, dass es verbindliche, durchsetzungsstarke Regeln definiert, deren Wirkungsmacht auf dem staatlichen Gewaltmonopol beruhen. Das Recht ist aber selbst ein Produkt sozialer Prozesse in dem Sinne, als dass es durch die Normen, Kulturen und Machtverhältnisse des spezifischen historischen Moments seiner Formulierung geprägt wird. Die Distanz zwischen der Welt, die das Recht verkörpert und den aktuell bestehenden Normen, Kulturen und Machtverhältnissen, die es regelt, beeinflusst die soziale Legitimität eines Gesetzes. Im Normalfall eines freiheitlichen Rechtsstaats sorgt die periodische Revision des Rechtes dafür, dass diese Distanz nicht zu gross wird und die Legitimität eines Gesetzes nicht durch den steten gesellschaftlichen Wandel ausgehöhlt wird. Revisionen sind dabei immer konfliktreiche Prozesse in dem etablierte und aufsteigende Akteure darum ringen, ihre eigene Position im Gesetz zu verankern, um sich damit gegen andere besser durchsetzen zu können.

Digitale Demenz: Jetzt entspannt euch mal!

Ein Beitrag der Sendung Kulturplatz, Schweizer Fernsehen DRS, zum Thema "Digitale Demenz". Manfred Spitzer deutet das Navi als Zeichen des mentalen Niedergangs, ich seinen Kulturpessimismus als gutes Marketing in Zeiten der Krise.

kulturplatz vom 24.10.2012

Kulturplatz vom 24.10.2012