felix's blog

Kulturrisse mit Schwerpunkt Urheberrechtsdebatte erschienen

Soeben erschienen!
Urheberrechte für alle ... sonst gibt's Krawalle! Kulturrisse 01/2012

Spätestens seit den Protesten gegen das Anti-Piraterie-Abkommen ACTA (Anti-Counterfeiting Trade Agreement) im heurigen Frühjahr sind sie wieder in aller Munde: die Debatten um Urheber- und Verwertungsrechte und ihre längst überfällige Reform.

Jenseits des Urheberrechts
Felix Stalder Die Krise des Urheberrechts, die wir in unzähligen Episoden tagtäglich erleben, ist im Grunde nichts anderes als die Krise des fordistischen Produktionsmodells in den Kulturindustrien.

Urheberrechtskampagnen und der Halbwilde
Paul Stepan Für lösungsorientierte Ansätze in der Diskussion um den Zusammenhang zwischen Urheberrecht und Digitalisierung.

Vielfältige Rechtsauslegungen
Monika Mokre Viele Kulturschaffende sind sich darin einig, dass die Maßnahmen Österreichs für den Schutz der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen nicht angemessen sind, da sie zu einer ständig prekären ökonomischen Situation von Kulturschaffenden führen.

In schlechter Gesellschaft

Warum Apple und Google eine Bedrohung sind (sz.de)

Eine gute Ergänzung zum Interview mit der Tagesschau, das von einigen als zu optimistisch kritisiert wurde (und das mir, optimistisch!)

Heute organisieren Künstler, Fans und Unternehmen ihre eigenen Öffentlichkeiten und so wuchern viele neue kulturelle Nischen. Doch Google, Apple, Facebook und Co. bedrohen diese - durch den Aufbau kommerzieller Hierarchien.

Die kulturellen Ökonomien des Internets werden von zwei unterschiedlichen, ja sogar entgegengesetzten Dynamiken bestimmt. Zum einen können wir ein Aufblühen neuer kultureller Gemeinschaften und horizontaler Organisationsformen beobachten. Zum anderen erleben wir die Entstehung sozialer Fabriken, in der jede unserer Handlungen Arbeit für den Profit der Eigentümer der hochgradig zentralisierten Plattformen darstellt.

Ganzer Artikel in der Süddeutsche Zeitung (17.04.2012)

Gratiskultur im Internet "Das Publikum wird Teil der Produktion"

Verlage, Musikindustrie und Künstler wehren sich verstärkt gegen eine "Kostenloskultur" im Internet. Sie setzen aber auf falsche Ideen, meint Kulturwissenschaftler Felix Stalder im Interview mit tagesschau.de. Denn die alten Bezahlmodelle seien am Ende - die Zukunft der Kultur liege im Schwarm.

tagesschau.de: Die Erfindung des modernen Buchdrucks gilt als wichtigster Meilenstein auf dem Weg in die Wissensgesellschaft. Als was wird die digitale Vervielfältigung von Informationen, Musik, Bildern in die Geschichte eingehen?

Felix Stalder: Das wird wohl als ein ähnlicher Moment in die Geschichte eingehen. Es hat fundamental das Verhalten verändert, wie wir Informationen suchen, finden und sie weiter verarbeiten. Bislang waren wir als Leser oder Zuhörer dazu verdammt, passiv zu konsumieren. Durch die neuen Medien verschwimmen die Rollen zwischen Autor und Publikum und Zuhörer aber immer mehr.

tagesschau.de: Mit welchen Folgen?

Stalder: Wir erleben es immer häufiger, dass Fans zum Beispiel in der Musik Elemente eines Liedes nehmen und davon Remixe erstellen, sie zu eigenen Werken machen. Das hat nicht notwendigerweise professionelles Niveau, aber es verändert die Beziehung zwischen Künstler und Publikum.

"Es geht um die freie Nutzung von Inhalten"

tagesschau.de: Bedeutet frei zugänglich denn auch gleich gratis?

Peter Purgathofer spricht mit... mir!

Der Postcast des Gesprächs mit Peter Purgatofer ist online. Es ist die 10. Folge seiner lohnenswerten, ausführlichen Gespräche zu "gesellschaftlichen Spannungsfeldern der Informatik".

Das Gespräch war eines von denen, die für mich direkten Einfluss auf die Lehrveranstaltung haben werden; einige der angesprochenen Zusammenhänge waren mir in dieser Form noch nicht bewusst, und die Phrase "standing on the heads of many many dwarfs" (statt "standing on the shoulders of giants") wird mein argumentatives Handwerkszeug bereichern.

Eigentlich wollte ich mit Felix Stalder ja über Privacy, Google, Facebook und Überwachung reden, weil ich da einen wirklich interessanten und durchaus provokativen Artikel von ihm gelesen haben, aber dazu sind wir nicht gekommen, wir sind beim Copyright hängen geblieben. Ausgehend von der unglücklichen »Kunst hat Recht«-Initiative haben wir Geschichte, Funktionsweise, Veränderung und das notwendige Ende von Copyright in der heutigen Form diskutiert. Vielleicht findet sich in der zweiten Staffel (LOL) ja Zeit für noch ein Gespräch mit Felix Stalder.

Download mp3 (86 MB, 93 Min)

Beyond Copyright. The Demise of the Fordist Cultural Industries

The copyright crisis, which we experience in countless episodes everyday, is, to a large degree, nothing more than the crisis of the Fordist model of production within the cultural industries. This crisis is however more dramatic here than in other sectors, for because nowhere else has this model been so formative in shaping the identity of middle-class society, is so deeply entrenched in their social institutions, or goes so far back. Namely to 1452. The printing press was a Fordist machine avant la lettre in the sense that it allowed for artifacts to be produced through capital- and technology-intensive processes based on the division of labor and in large quantities for supra-regional markets.

read the entire article over at the EICPC (European Institute for Progressive Cultural Policies

Der Freitag: Vor und Nach Facebook

Die Erfahrung der ersten Web-Generation, dass man auch Infrastrukturen selber schaffen kann und muss, wird neu formuliert. Das zentrale Stichwort lautet Mesh-Netzwerke

Das Versprechen der Partizipation ist problematisch geworden. Mit unserer Teilnahme füttern wir heute die neue Maschine. Mit dem Gefällt-mir-Button teilen wir Facebook mit, was wir mögen, damit es uns noch rigider in seine Profitmaschine eingliedern kann. Was nun? Partizipation grundsätzlich abzulehen ist keine Alternative. Wir sollten versuchen, sie neu zu denken. Dabei hilft ein Blick zurück auf die Anfange der Netzkultur.

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freitag.de: 28.03.2012 14:53

oe1: Digital Leben: Der Kampf ums Urheberrecht

Interview zum Thema: Warum ist das Urheberrecht plötzlich so umstritten? (4:30, 1.1. MB), gesendet am 26.03.2012.

Anfang dieses Jahres hat die Kampagne "Kultur hat Recht" die Urheberrechtsdiskussion auch nach Österreich gebracht: Es sei leicht geworden, sich Kunst einfach zu nehmen, die Gratiskultur im Internet führe dazu, dass wenige Kunstschaffende von ihrer Arbeit leben können, klagen die Verwertungsgesellschaften und fordern den Schutz ihrer Rechte und das Verfolgen von Urheberrechtsverletzungen im Internet. "Everything is a remix" - Internetüberwachung ist keine Lösung" lautet die Replik auf die Kampagne. Julia Gindl über das Urheberrecht in der Krise.

BUCHPRÄSENTATION UND DISKUSSION

World-Information Institute
http://world-information.org/wii
BUCHPRÄSENTATION UND DISKUSSION
Vergessene Zukunft: Radikale Netzkulturen in Europa

Mi., 28. März 2012, 19.30 Uhr
Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft
Universität Wien
Hofburg, Batthyanystiege, Schreyvogelsaal
1010 Wien

Vergessene Zukunft: Radikale Netzkulturen in Europa

So eben erschienen, ein neues Buch zur Aktualität der ersten Generation der Netzkulturen. Herausgeben von Clemens Apprich und mir.

Mitte der 1990er Jahre ist in Europa eine vielfältige Netzkultur entstanden. Während die US-amerikanische Szene den Cyberspace als Raum jenseits der Politik imaginierte, waren die europäischen Netzpioniere darauf bedacht, die Möglichkeiten des Internet für neue politische und kulturelle Initiativen in der realen Gesellschaft zu nutzen.
Anhand von Zeitdokumenten, aktuellen Textbeiträgen und Interviews geht dieser Band erstmals auf die kritische Haltung europäischer Netzkulturen ein. Die Beiträge liefern so wichtige Referenzpunkte zur Gestaltung unserer techno-kulturellen Gegenwart jenseits von Facebook und Google.

Inhaltsverzeichnis und Einleitung "Von Knoten zu Knoten"(pdf, 1.5mb)

Update: Eine Besprechung des Buchs durch Leonhard Dobusch gibt's auf netzpolitik.org (12.04.2012)

update II Buchbesprechung von Verena Pizzini in den Kulturrissen.

Jenseits des Urheberrechts. Der Niedergang der fordistischen Kulturindustrien

Soeben erschienen bei: european institute for progressive cultural policies

Die Krise des Urheberrechts, die wir in unzähligen Episoden tagtäglich erleben, ist im Grunde nichts Anderes als die Krise des fordistischen Produktionsmodells in den Kulturindustrien. Diese Krise ist aber dramatischer als in anderen Sektoren, denn nirgendwo sonst war dieses Modell so prägend für die Identität der bürgerlichen Gesellschaft, ist es so tief verankert in ihren gesellschaftlichen Institutionen oder reicht es so weit zurück. Nämlich bis 1452. Die Druckerpresse war eine fordistische Maschine avant la lettre in dem Sinn, dass sie es erlaubte, Produkte in kapital- und technologieintensiven, arbeitsteiligen Prozessen in grossen Stückzahlen für überregionale Märkte zu produzieren.

Das Fordistische Modell entsteht

Für die AutorInnen bedeutete das neue Modell, dass sie sich aus der feudalen Abhängigkeit von adeligen oder kirchlichen Würdenträgern lösen konnten. Sie mussten ihre Werke nicht mehr dem Ruhm und der Ehre ihres Gönners widmen. Stattdessen konnten sie für expandierende Märkte in Literatur und Wissenschaft produzieren, die von den VerlegerInnen organisiert wurden.

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