felix's blog

Agency. Digitalität und Handlungsfähigkeit.

Felix Stalder

Der englischsprachige Begriff agency hat keine direkte deutschsprachige Entsprechung. Er wird meist mit Handlungsfähigkeit, Handlungsvermögen oder auch Handlungsmacht übersetzt. Gemeint ist damit die Fähigkeit eines Akteurs, innerhalb einer gegeben Situation nicht nur determiniert zu reagieren, sondern mit einer gewissen Offenheit auf sich selbst und andere Einfluss zu nehmen. Warum taucht dieser Begriff nun in einem Band zu Kulturöffentlichkeit und Digitalisierung auf? Wir gehen davon aus, dass durch den zentralen Stellenwert, den komplexe, dynamische Technologien der Kommunikation in der Konstitution von Öffentlichkeit(en) spielen, neue Formen von Handlungsfähigkeit entstehen. Die Digitalisierung verändert also die Akteure und damit die Dynamiken, wie Kultur wahrgenommen und reflektiert wird, tiefgreifend. Um diese besser zu fassen, ist eine Klärung des Begriffs für diesen Kontext sinnvoll.

Agency and the digital condition

The term agency is particular to the English language. It has, for example, no direct German equivalent. It is usually rendered by the German words Handlungsfähigkeit (ability to act), Handlungsvermögen (faculty for acting), and even Handlungsmacht (power to act). What is meant is the ability of an agent within a given situation to react not only in a predetermined way but also to influence oneself and others with a certain degree of freedom. Why, then, does this term appear in a book about the cultural public sphere and digitalization? We start from the assumption that as complex, dynamic technologies of communication play in central tole in constituting the public sphere(s), new forms of agency emerge. The digital condition thus profoundly affects the agents and dynamics in which culture is perceived and reflected. To better understand this, it makes sense to clarify the concept of agency in this context.

23.05. Digitalität und Öffentlichkeit (Zürich)

Felix Stalder, vfg lecture 08

Mai 23 @ 19:00 - 21:30

Digitalität und Öffentlichkeit

Im 20. Jahrhundert verlagerte sich Öffentlichkeit immer mehr in die Massenmedien, Redaktionen und andere professionelle Akteure bestimmten die Grenze zwischen privat und öffentlich. Heute ist diese Grenze stark erodiert und eine grosse Zahl von Menschen und Maschinen beeinflusst, wie Öffentlichkeit zu Stande kommt. Der Vortrag wird einige Strukturen der gegenwärtigen Form von Öffentlichkeit zur Diskussion stellen.

Die Veranstaltung findet am Mittwoch, 23. Mai 2018, um 19 Uhr in der Buchhandlung Never Stop Reading an der Spiegelgasse 18, 8001 Zürich, statt.

10.05. Hypernormal Hybrids (Vienna)

World-Information Institute in cooperation with Volkstheater Wien:

Thursday 10.05. 2018, 19:30h Rote Bar, Arthur-Schnitzler-Platz 1, A-1070

Lydia H. Liu with Thomas Macho on Freudian Robots

Marc Elsberg with Felix Stalder on Fiction and Models

Algolounge Algorithmic Soundperformance: burn_those_idle_cycles

http://www.volkstheater.at/stueck/hypernormal-hybrids/

https://world-information.net/hybrid/

Die Kultur der Digitalität und die Kulturpolitik

Martin Lätzel: Welchen Stellenwert messen Sie der Digitalisierung in unserem Zeitalter bei?

Felix Stalder: Durch die Digitalisierung ist eine neue Infrastruktur der Wahrnehmung, der Kommunikation und der Koordination entstanden. Weil diese Tätigkeit so grundlegend für fast alle individuellen und kollektiven Tätigkeiten sind, bleibt kaum ein Aspekt unserer Existenz davon unberührt. Das reicht von der Veränderung der Art- und Weise, wie jedeR Einzelne sich selbst erfährt, bis hin zu Fragen, wie wir unsere Demokratie und das Verhältnis zu Natur neu gestalten wollen.

ML: Welchen Kulturbegriff legen Sie Ihren Thesen zugrunde?

Kultur hat für mich eine „soziale Bedeutung“, sie ist ein partieller und fragiler Konsens über Wertefragen. Überall da, wo wir uns entscheiden können und müssen, da kommen kulturelle Fragen auf. Was ist die richtige Ernährungsweise? Welche Eingriffe sollen der pränatalen Medizin erlaubt werden? In Summe stellt und versucht Kultur die Frage zu beantworten: Wie sollen wir leben? Solche Fragen sind immer umstritten, deshalb ist Kultur ein Prozess, der sich in dauernder Veränderung befindet. Das Besondere an Kultur unter den Bedingungen der Digitalität ist, dass sich mehr Menschen, auf mehr Feldern denn je in diese Auseinandersetzungen einmischen. Damit das funktionieren kann, brauchen sie immer komplexere Technologien, die es möglich machen, die enormen Informationsmengen, die dabei entstehen, zu verarbeiten.

ML: Immer öfter hört man den Begriff der „disruptiven“ Entwicklung der Digitalisierung. Ist das aus Ihrer Sicht Alarmismus, oder wie müssen wir diese Disruption verstehen?

25.04. Internet und seelische Gesundheit (Berlin)

22. Berliner Kolloquium

25. April 2018
Karl Storz Besucher- und Schulungszentrum
Scharnhorststraße 3, 10115 Berlin

Programm

Website

Bahnbrechende technische Entwicklungen haben nicht nur unsere Alltagsabläufe und Gewohnheiten verändert, sondern auch unsere Wahrnehmungen und Gefühle – und in der Konsequenz die menschliche Existenz selbst. Nie wurde jedoch so lange und intensiv über die Auswirkungen einer technologischen Entwicklung auf die seelische Gesundheit diskutiert, wie nach der Einführung des Internets. Diese Diskussion zieht sich durch alle Teile der Gesellschaft, von den großen Feuilletons zu den neuen Medien bis an die Küchentische der Familien.

Die psychiatrische Forschung hing dieser Entwicklung lange hinterher. Mit den üblichen quantitativen Methoden lassen sich die Auswirkungen so tiefgreifender gesellschaftlicher Veränderungsprozesse in ihrer Komplexität nur schwer erfassen. Viele unterschiedliche Faktoren spielen bei den Auswirkungen der Technologien rund um die neuen Medien auf die menschliche Psyche eine Rolle: die Persönlichkeit des Nutzers, die Art der Nutzung und damit auch der jeweilige Stand der technischen Entwicklung.

20.04. Creating commons-based exhibition formats (Zurich)

16:00ZHdK, Toni Areal, room ZT 6.K04

Presentation of the research project and discussion with students of the curatorial studies programme about commons-based exhibition formats.

Felix Stalder & Cornelia Sollfrank

http://www.curating.org/

27.2. Solidarität und kulturelle Aneignung (Linz)

Ich bin zu Gast bei Martin Wassermair's Diskursreihe!

Einspruch. Widerrede.
Globalisierung und kulturpolitische Kritik
Diskursreihe #3

Solidarität und kulturelle Aneignung

Das globale Finanz- und Wirtschaftssystem steckt seit Jahren in einer tiefen Krise. Doch mit ihr eröffnen sich auch bislang unbekannte Möglichkeiten solidarischen Handelns.

Zunächst aber kennzeichnet ein Widerspruch die Entwicklung: Soziale Interaktionen und vernetztes Wissen gewinnen an Bedeutung, während die Privatisierung kultureller Inhalte immer aggressiver um sich greift. Was sind also tatsächlich notwendige Voraussetzungen für neue Produktionsweisen?
Und wie trägt die Kultur des Digitalen zu einer gerechten Gesellschaft bei?

Felix Stalder ist Medientheoretiker, Kulturwissenschafter und
Publizist und lehrt an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK).

27. Februar 2018 - 19:30
Pfarrplatz 18 - Linz
Eintritt frei

http://www.raum-schiff.at

http://www.hashtag-publik.at

15.2. The Digital Condition: Book Launch & Discussion (London)

Thursday February 15th,
17.30-19.00
Room: RHB 142
Richard Hoggart Building,
Goldsmiths University
London
RHB 142 is fully accessible.

Free, All Welcome

In his new book new book “The Digital Condition” (Polity Press, Feb. 2018) Felix Stalder argues that Referentiality, communality, and algorithmicity have become the characteristic cultural forms of the digital condition because more and more people – in more and more segments of life and by means of increasingly complex technologies – are actively (voluntarily and/or compulsorily) participating in the negotiation of social meaning. They are thus reacting to the demands of a chaotic, overwhelming sphere of information and thereby contributing to its greater expansion. It is the ubiquity of these cultural forms that makes it possible to speak of the digital condition in the singular.

The goals pursued in these cultural forms, however, are as diverse, contradictory, and conflicted as society itself. It would therefore be equally false to assume uniformity or an absence of alternatives in the unfolding of social and political developments. On the contrary, the idea of a lack of alternatives is an ideological assertion that is itself part of a specific political agenda. Indeed, advanced democracies are faced with a profound choice, to continue their long slide towards post-democratic authoritarianism or reinvent democracy for the digital condition.

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