felix's blog

Kunstforum International: Kurz Nachgefragt

ROLAND SCHAPPERT: Ihr Buch „Kultur der Digitalität“ von 2016 bietet eine sehr gute Grundlage zum Verständnis der digitalen Transformation in unseren westlichen Gesellschaften und den Auswirkungen auf die künstlerische Produktion und kulturelle Vielfalt. Was hat Sie veranlasst, dieses Buch zu schreiben?

FELIX STALDER: Ich wollte zeigen, dass wir uns in einer umfassenden kulturellen Transformation befinden, also in einer strukturellen Veränderung, wie Menschen sich in der Welt orientieren und dass wir den Kipppunkt schon überschritten haben. Die neuen kulturellen Muster dominieren heute. Dabei war mit wichtig, zu zeigen, dass diese Veränderungen nicht durch die Technologien ausgelöst wurden, sondern dass die Technologien selbst Teil dieses Wandels sind, den sie wiederum vorantreiben. Seit den 1970er Jahren haben wir es mit sich gegenseitig verstärkenden Prozessen zu tun, die diese Veränderungen unumkehrbar machten. Dennoch, das bedeutet nicht, dass es keine politischen, gesellschaftlichen oder kulturellen Alternativen mehr gibt. Die gibt es sehr wohl, nur müssen sie unter den neuen Bedingungen gedacht werden.

We Are All Bruno! From Unease with Technology to Empathy with Nature


Guerilla Girls, 1989

Monkey Selfie, 2011

It’s no good. The horse has bolted. The tipping point has been reached. The digital condition now shapes our lives. In the early 1960s Marshall McLuhan noted the demise of the ‘Gutenberg Galaxy’, which is to say, that epoch of (Western) culture decisively shaped by the printed word; and there is no mistaking, now, what has taken its place: a new condition – i.e. ‘forms of experience, philosophical viewpoint, and expression’– defined by the ubiquitous presence and inherent potential of networked communications and control. It is thereby incidental whether, or how, one uses these technologies oneself, for they have become part and parcel of everyday infrastructure, in similarity to other networks, such as power and water supply, or transport systems. Were any one of these to suddenly break down, our lives would change in a flash – and not for the better.

Wir alle sind Bruno! Vom Unbehagen mit der Technologie zur Empathie mit der Natur.

Es hilft nichts. Der Zug ist abgefahren, der Kipppunkt überschritten. Die Kultur der Digitalität ist die Form unseres Lebens. Nachdem Marshall McLuhan bereits Anfang der 1960er Jahre das Ende der ‹Gutenberg Galaxis› – also jener kulturellen Epoche (des Westens), die vom Buchdruck massgeblich mitgeprägt war – festgestellt hat, ist heute recht deutlich, was denn an ihre Stelle tritt. Eine Kultur, ‹Formen der Erfahrung, der geistigen Anschauungsweise und des Ausdrucks›, die geprägt ist von der Allgegenwart und den damit einhergehenden Möglichkeiten vernetzter Kommunikation und Steuerung. Dabei spielt es keine entscheidende Rolle ob, oder wie man selbst diese Technologien nützt. Sie sind zur Infrastruktur des täglichen Lebens geworden, ähnlich wie andere Netze: Strom, Wasser oder Strassen. Würde eines davon plötzlich ausfallen, unser Leben würde sich schlagartig verändern. Und nicht zum Guten.

09.12. Leben und Arbeiten in einer algorithmischen Institution (Zürich)

Workshop im Rahmen der SARN (Swiss Artistic Research Network) Konferenz 2017, mit knowbotiq (Huebler / Wilhelm), Felix Stalder, Correspondent: Hans-Christian Dany

Zeit: 14:30 - 16:00
Ort: Untergeschoss der Bibliothek

Weitere Informationen: http://sarn.ch/new-redirector-page/upcoming-symposium-2016-zuerich/

30.11. HKW, 1948 Unbound (Berlin)

© Gerald Nestler | New York hedge fund office, detail, 2015

30.11. 9 pm:
Giuseppe Longo, Gerald Nestler, Felix Stalder
Run 4: Bound by Contingency

Since 1948, computational strategies for the modelling of evolutionary systems emerged that enable a powerful treatment of random processes. Is randomness intrinsic to nature? Is there randomness in computing? Giuseppe Longo addresses these questions by comparing biology’s functional variations and the stock market’s wild fluctuations, showing the forms and metrics of stability and instability in evolutionary and artificially tuned systems. Gerald Nestler further explores this form of creating profit from volatility, highlighting its generic potential – and our duty – to live up and calibrate to a world driven by contingency. Felix Stalder then looks at how these frictions and feedbacks play into political and social questions surrounding this technospheric menagerie.

Program of the entire day: https://www.hkw.de/en/programm/projekte/veranstaltung/p_136819.php

Program of the entire event (30.11.-2.12): https://www.hkw.de/en/programm/projekte/2017/1948/programm_129344/verans...

Von Creative Commons zu Creating Commons

Die traditionelle Ordnung der Kultur – mit klaren Positionen für KünstlerIn/AutorIn, Werk und Publikum, vermittelt durch ProduzentInnen, VerlegerInnen, GaleristInnen etc. – ist durch die Digitalisierung endgültig in eine Krise geraten. Wie die neue Ordnung aussehen wird, ist nach wie vor unklar und höchst umstritten. Die erste Runde der Auseinandersetzung wurde auf dem Gebiet des Urheberrechts und damit über die Kontrolle der Zirkulation ausgetragen. In der aktuellen Runde dreht sich alles um zentrale Plattformen und deren Strukturen von Ordnung, Zugang und Wertschöpfung. Als ProduzentInnen der Kultur stehen KünstlerInnen im Zentrum dieser Umbrüche. Während ein Teil beflissen ist – vermeintlich im Eigeninteresse – die Rechteindustrien bei der Durchsetzung strikterer Gesetze zu unterstützen, verstehen sich andere als Ingenieure einer neuen Ordnung und experimentieren mit der Entwicklung eigener Formen von sozialer Produktion und Zirkulation.

Der Geheimdienstler

Kurzer Text zu Assange/Wikileaks anlässlich des Filmstarts in Zürich. Es geht mir hierbei nicht um ein Psychogramm (was ich aus der Distanz gar nicht leisten kann und will), sondern um die Verdienste und Sackgassen von Wikileaks als Form der Journalismus.

Seit August 2012 sitzt Julian Assange als politischer Flüchtling im Asyl in einem 20 Quadratmeter grossen Raum in der ecuadorianischen Botschaft in London, die in einem unscheinbaren Appartement im Stadtteil Knightsbridge untergebracht ist. Dieser Raum dient als Schlaf-, Wohn- und Arbeitszimmer, als Konferenzraum für Besucher und als globaler Hauptsitz von Wiki­leaks, dem umstrittensten Medienunternehmen der letzten Dekade. Die Strafuntersuchung gegen Assange in Schweden wurde zwar in der Zwischenzeit eingestellt, die britische ­Regierung erklärte allerdings umgehend, dass sie Assange wegen Verletzung der Kautions­bedingungen gleich verhaften würde, sollte er die Botschaft verlassen.

22.11. Good Hack, Bad Hack? (Zürich)

GOOD HACK – BAD HACK?

Öffentliche Talkrunde mit: Carmen Weisskopf und Domagoj Smoljo (Künstler, !Mediengruppe Bitnik), Ivan Bütler (Ethical Hacker, Compass Security), Dr. Gleb J. Albert (Historiker, Universität Zürich), Marc Henauer (Leiter der Melde- und Analysestelle Informationssicherung MELANI, Nachrichtendienst des Bundes NDB); mit einer Bilanzierung von Prof. Dr. Felix Stalder (Medienwissenschaftler, Zürcher Hochschule der Künste)

Moderation: Dr. Dominik Landwehr (Digital Brainstorming)

Die Themen Privacy und Datensicherheit sind eng miteinander verbunden – vor allem wenn es darum geht, Daten vor ungewolltem Zugriff zu schützen. Angriffe auf die Datensicherheit erfolgen aber nicht nur in krimineller Absicht, sondern auch zum Schutz staatlicher Interessen oder mit dem Ziel, verdeckte Machenschaften ins Licht der Öffentlichkeit zu bringen. Wiederum andere betreiben das Hacken von Daten als ein «Sport», um ihre Fähigkeiten als Computer-Cracks zu testen oder verfolgen das Ziel, den Zugang zu exklusiven Informationen zu demokratisieren. Die Talkrunde diskutiert das kontroverse Thema aus der Perspektiven von Wirtschaft, Wissenschaft und Kunst sowie aus Sicht des Nachrichtendienstes. Im Zentrum steht dabei die Frage, ob und unter welchen Bedingungen das (legale und illegale) Hacken von Informationen eine legitime Praxis ist und welche gesellschaftlichen, politischen oder auch ökonomischen Implikationen damit verbunden sind.

Die Veranstaltung findet in Kooperation mit der Plattform Digital Brainstorming des Migros Kulturprozent statt.

Details: https://collegium.ethz.ch/reflecting-privacy/

Der Anlass ist Teil der Themenwoche «Reflecting Privacy», welche vom 20. bis 25. November 2017 am Collegium Helveticum stattfindet. Wochenprogramm siehe: https://collegium.ethz.ch/reflecting-privacy/

18.11. Wir sind mehr als Daten! (Dortmund)

Amazon ist die Speerspitze der neuen Arbeitsverhältnisse in der digitalen Wirtschaft. Jede Bewegung wird erfasst, ausgewertet und optimiert. Die Grenzen zwischen Menschen und Maschinen verschwimmen. Sie sind einfach Bestandteile einer sich dauernd ändernden Matrix der Wertschöpfung und Ausbeutung. Wer keine Höchstleistung bringt, dessen Vertrag wird nicht verlängert. Zugleich ist Amazon offen für Menschen, die sonst kaum eine Chance auf dem Arbeitsmarkt haben.

Die Künstlergruppe knowbotiq (Nina Bandi, Yvonne Wilhelm, Christian Hübler) und Interkultur Ruhr laden Streikführer von der Gewerkschaft ver.di, Karsten Rupprecht und Tim Schmidt, Alisa Cusic, Sprecherin der verdi-Vertrauensleute und Amazon-Mitarbeiterin am Standort Rheinberg, den Autor Hans-Christian Dany (u.a. „Morgen werde ich Idiot, Kybernetik und Kontrollgesellschaft“) und den Medientheoretiker Felix Stalder („Kultur der Digitalität“) zu einem offenen Diskussionsabend ins Chancen-Café 103 an den Borsigplatz in Dortmund, in unmittelbare Nähe zum neuen Logistikpark an der Westfalenhütte.

Sa. 18.11.2017, 19:00 Uhr
Chancen-Café 103
Oesterholzstraße 103
44145 Dortmund

http://knowbotiq.net/amazonian-flesh
www.borsig11.de

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